Wie aus einem alltäglichen Feuer eine Katastrophe wurde

Die Waldbrände in Kanadas Ölprovinz Alberta drohen, zur kostspieligsten Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes zu werden. Wie kam es dazu? Und wie geht es nun weiter? Die Fakten im Überblick.

Die Waldbrände von Alberta

    • Luftaufnahme mit Rauchwolken Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Noch am 3. Mai zeigen Satellitenaufnahmen relativ eingegrenzte Feuer südlich des Siedlungsgebietes von Fort McMurray. nasa

      Der Anfang

      Als am 2. Mai 500 Bewohner der kanadischen Ölstadt Fort McMurray vorsichtshalber ihre Häuser verlassen sollten, war dies nichts Aussergewöhnliches. Die Behörden sprachen von einer reinen Vorsichtsmassnahme. Waldbrände gehören zum Alltag der Provinz Alberta. Das Feuer, das sich südlich von Fort McMurray entfacht hatte, fand deshalb zunächst kaum Beachtung.

    • Rauchsäulen in einer Luftaufnahme Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Bereits einen Tag später zeigen Luftaufnahmen, wie der Wind die Feuer Richtung Fort McMurray treibt. Government of Alberta

      Die Umstände

      Heuer kämpft Kanadas Westen wegen hoher Temperaturen und grosser Trockenheit bereits seit Wochen mit aussergewöhnlich vielen Waldbränden. Bedrohlich wurde die Situation für Fort McMurray jedoch erst, als der Wind drehte und die Flammen über den Fluss bis zu den Häusern trieb.

    • Fahrzeugkolonne vor Feuern Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Aus der Vorsichtsmassnahme für 500 Bewohner wurde Ernst: alle 90'000 Bewohner Fort McMurrays mussten die Stadt verlas... srf

      Im Fokus: Fort McMurray

      Ab dem 3. Mai ging es nicht mehr um Vorsichtsmassnahmen. Zunächst musste rund die Hälfte der 90'000 Einwohner Fort McMurray verlassen. In der Nacht zum 4. Mai ordneten die Behörden die vollständige Räumung der Stadt an. Mittlerweile sind in der Provinz Alberta mehr als 100'000 Menschen auf der Flucht.

      Details zur dramatischen Evakuierung

    • Evakuierte mit Habseligkeiten Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Reuters

      Noch lange keine Rückkehr

      Bis die Menschen wieder in die betroffene Gegend zurückkehren können, wird es noch Wochen dauern. Die Behörden rieten den Menschen in den Notunterkünften, sich ein Obdach in den grösseren Städten wie dem 650 Kilometer entfernten Calgary zu suchen, wo unter anderem die Gesundheitsversorgung besser geregelt werden könnte.

      Premierminister Justin Trudeau verspricht Bewohnern Unterstützung

    • Polizist mit Atemschutzmaske Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Keystone

      Keine Todesopfer

      Wie durch ein Wunder ist bislang niemand umgekommen. Dennoch bleiben die Rettungskräfte alarmiert. Am 7. Mai waren sie in einigen Häusern auf Menschen gestossen, die in der brennenden Stadt geblieben waren. Auch müssen immer wieder Tausende in Konvois durch die schwelende Stadt geleitet werden, weil das Feuer ihren Fluchtweg nach Norden abschnitt.

    • Am Boden schlafende Feuerwehrleute Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Hunderte Feuerwehrleute sind permanent bis zur totalen Erschöpfung im Einsatz. Reuters

      Der Feuerwehreinsatz

      Nachdem anfangs nicht mehr als 80 Feuerwehrleute die Flammen auf Abstand zu halten versucht hatten, stellen sich mittlerweile über 1200 von ihnen dem Inferno entgegen. Im kanadischen Fernsehen berichteten sie von 40-Stunden-Einsätzen ohne Schlaf. Dazu werden Dutzende Helikopter und Löschflugzeuge eingesetzt.

    • Das bisherige Ausmass

      Bis am 8. Mai zerstörten die Flammen eine Fläche von rund 2'000 Quadratkilometern. Dies entspricht ungefähr der Grösse des Kantons St.Gallen. Und die Flammen greifen weiter um sich. Angefacht von trockenheißen Winden bewegten sie sich auf die Nachbarprovinz Saskatchewan zu. Die Hoffnungen der Feuerwehr richteten sich auf die Wetterprognosen: Die Meteorologen rechneten zumindest mit kühleren Temperaturen im Laufe des Sonntags. Ohne umfangreiche Regenfälle könnten die Feuer jedoch noch Monate brennen, sagte ein Vertreter der Brandschutzbehörde von Alberta.

    • Polizist in vom Feuer verwüsteter Strasse Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Tausende Gebäude liegen in Schutt und Asche. ROYAL CANADIAN MOUNTED POLICE ALBERTA

      Teuerste Katastrophe der Geschichte

      Das Ausmass der Schäden ist derzeit noch nicht abzuschätzen. Kanadische Medien schreiben jedoch bereits von der teuersten Katastrophe in der Geschichte des Landes. Zu den Schäden in den Siedlungsgebieten und den Wäldern kommt der Ausfall der für die Provinz Alberta essentiellen Öleinnahmen. Insgesamt spekulieren die Medien über Kosten von umgerechnet gegen sieben Milliarden Franken.

    • Pipeline Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Durch die Pipelines aus Fort McMurray fliesst vorerst kein Öl mehr. Reuters

      Zentrum von Kanadas Energieindustrie

      Der Ausfall der Öl-Förderanlagen von Fort McMurray trifft das ganze Land hart. Eine Million Barrel kommt täglich aus der für ihren Ölsand bekannten Region. Das ist ein Viertel von Kanadas gesamter Ölproduktion. Von der heimischen Schieferölförderung steht nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters gar die Hälfte still. Wie lange noch, ist ungewiss.

    • Feuerwehrmann im Wald Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Keystone

      Wildtiere wohl geflüchtet

      Von den Bränden zerstört wurden die Fichtenwälder der Provinz Alberta, die am nördlichsten gelegene Vegetationszone, in der noch Bäume wachsen. In ihnen leben Schwarzbären, Elche und Heerscharen von Vögeln, sagte Brian Simpson von der Kanadischen Forstverwaltung in Edmonton: «Sie sind an Waldbrände gewöhnt und dürften rechtzeitig die Flucht ergriffen haben.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Brände in Kanada wüten weiter

    Aus Tagesschau vom 7.5.2016

    Die Waldbrände in Kanada haben sich über die Nacht flächenmässig verdoppelt. Sie erstrecken sich inzwischen über 1'500 Quadratkilometern.