Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Sprachassistenten in der Kritik abspielen. Laufzeit 04:22 Minuten.
04:22 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.05.2019.
Inhalt

Wirbel um digitale Helfer Zementieren Sprachassistenten die Rolle der dienenden Frau?

Eine neue Studie kritisiert die Rolle der Frau bei Siri und Co. Eine mögliche Lösung wäre eine gender-neutrale Stimme.

Immer zu Diensten, so begrüsst Siri die Nutzer – und ähnlich klingt es bei den Sprachassistenten Alexa oder Cortana. Mit einer sanften Frauenstimme und einer Engelsgeduld führen sie Befehle aus wie Nachrichten versenden, Bestellungen aufgeben oder sie helfen beim Navigieren – perfekte Assistentinnen also.

Alle haben weibliche Namen und sind in einer dienenden Rolle. Das zementiere ein überholtes Frauenbild, haben kürzlich Autoren in einem Unesco-Bericht zu Sprachassistenten festgehalten.

Logo von Unesco.
Legende: Eine Unesco-Studie kritisiert die Hersteller von Sprachassistenten. Keystone

Die Assistenten wurden von mehrheitlich männlichen Designer bei Apple, Microsoft oder Amazon programmiert. Ganz bewusst, sagt Holger Schulze. Er ist Kulturwissenschaftler und Klangforscher an der Universität Kopenhagen. Nicht nur eine weibliche Stimme hätten die Designer den Assistentinnen verpasst: «In meiner Wahrnehmung ist es die Entscheidung für eine Assistentinnenrolle.»

Die Rolle der digitalen Dienstmägde, wie sie Holger Schulze nennt, wurde den Sprachassistenten verpasst. Der Klangforscher sieht sich darin durch den neusten Unesco-Bericht bestätigt. Darin heisst es nämlich, dass die Teams, welche die digitalen Assistentinnen entwickelt haben, überwiegend aus Männern bestanden. Und dass ihre Kreationen unterwürfige, feminine Personen seien. Das könne fatale Folgen haben.

Bild von Sprachassistent Alexa.
Legende: Hersteller wie Amazon würden eine Assistentinnenrolle erschaffen und «digitale Dienstmägde» kreieren. Keystone

Denn die Sprachassistenten würden oft von Kindern und Jugendlichen genutzt und prägten so deren Frauenbild, das weit entfernt ist von dem Bild, das Frauen in einer egalitären Gesellschaft haben sollten. Die dienenden und unterwürfigen Sprachassistentinnen prägten nicht nur das Frauenbild der Nutzer sondern auch deren Verhalten.

Mann von Microsoft mit Sprachassistent.
Legende: Laut dem Bericht könnte eine gender-neutrale Stimme Verbesserung bringen. Keystone

Schulze sieht deshalb auch gesellschaftliche Probleme aufkommen: «Wenn wir uns vormachen wollen, dass wir in einer egalitären Gesellschaft leben, und uns gleichzeitig eine Stände-, Dienstboten- oder Dienstmagdkultur digital hereinholen, holen wir uns auch all die Probleme wieder herein, die eine Dienstbotenkultur schon immer hatte.» Probleme wie zum Beispiel Hierarchieprobleme, Standesdünkel oder Formen von sadistischen Beleidigungen, so Schulze.

Gender-neutrale Stimme als mögliche Lösung

Dass sich Siri, Alexa und Co. sadistische Beschimpfungen und Beleidigungen anhören müssen, haben auch die Autoren der Studie festgestellt. Sie fordern deshalb die Hersteller der Assistenten auf, diese mit entwaffnenden oder neutralen Antworten auszurüsten. Und sie fordern, dass in Zukunft mehr Frauen in die Programmiererteams aufgenommen werden.

Das wäre sicher eine mögliche Lösung, meint auch Holger Schulze, aber es gebe noch eine weitere: «Die Entwicklung einer gender-neutralen Stimme.»

Mehr Programmiererinnen gefordert

Diese neutrale Stimme gibt es schon, sie nennt sich Q. Angeregt hat die Entwicklung die Copenhagen Pride, die sich für die Gleichstellung aller Geschlechter einsetzt, auch in der digitalen Welt. Die Organisation hofft, dass sie von Amazon, Microsoft oder Apple erhört wird und dass diese ihre Sprachassistenten vermehrt mit einer gender-neutralen Stimme programmieren.

Dafür plädieren auch die Autoren der Unesco-Studie. Es sei nie zu spät dafür, die Nutzerinnen und Nutzer an eine neutrale Stimme ihrer Sprachassistenten zu gewöhnen. Und würden die Programmierer, vielleicht auch bald mehr Programmiererinnen, sich darum bemühen, auf die Unterwürfigkeit der Maschinen zu verzichten, könnte sich auch das verzerrte Frauenbild wieder korrigieren.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

48 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Irtimid Wonnoque  (Irtimid W.)
    Und warum sind Siri, Alexa und Cortana unbedingt weibliche Namen? Darf sich ein Mann nicht Siri nennen? Darf sich ein Mann nicht eine "sanfte Frauenstimme" haben? Was heißt denn weibliche Stimme? Werden also Frauen mit einem bestimmten Stimmentyp gleichgesetzt? Ist das nicht klischeehaft? Und wenn schon, dann fühle ich mich immer diskriminiert durch diese besserwisserischen Google-Translate-Stimmen: Als ob nur Frauen Fremdsprachen mächtig sind?!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Max Blatter  (maxblatter)
    Eine "gender-neutrale Stimme" zementiert auch etwas, was niemand ernsthaft wollen kann: Die derzeit allgemein um sich greifende Sex-Feindlichkeit! Wir sind keine geschlechtslosen Amöben, wir sind sexuelle Wesen, "und das ist auch gut so", um Herrn Wowereit zu zitieren! Wenn wir schon Sprachassistenten wollen (ich brauche sie definitiv nicht, und auch das ist gut so), dann wäre die "politisch korrekte" Lösung, dass jede und jeder frei zwischen einer männlichen oder weiblichen Stimme wählen kann.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Patrick Lohri  (Patrick Lohri)
    Wie bitteschön klingt eine genderneutrale Stimme? Oder werden sich dann Transsexuelle oder sonst eine andere Minderheit diskriminiert fühlen? Langsam denke ich, dass die Menschheit am verblöden ist!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen