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Panorama Woher stammen die Darmbakterien?

Im Trinkwasser mehrerer Gemeinden in den Kantonen Freiburg und Bern tummeln sich Fäkalbakterien. Grund dafür sind die Unwetter der vergangenen Tage. Schutzmassnahmen wurden zwar getroffen – doch die Abklärungen dauern an.

Legende: Video Verschmutztes Trinkwasser im Sensebezirk abspielen. Laufzeit 02:48 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 16.07.2014.

Vergangene Woche goss es vielerorts in Strömen. Die Wassermassen verwandelten kleine Bäche in reissende Flüsse, sie fluteten Felder und manches Kellergeschoss.

Nun sollen sie auch für die Verunreinigung von Trinkwasser verantwortlich sein: Im Freiburger Sensebezirk sowie im Kanton Bern.

Am vergangenen Donnerstag wurden in Oberlangenegg (BE) bei einer Routinekontrolle Darmbakterien entdeckt. Vier Tage später mussten auch die Gemeinden Tafers, Rechthalten und St. Ursen (FR) vom Konsum ihres Trinkwassers abraten. Eine Pfadfindergruppe hatte in der Gegend ihre Zelte aufgeschlagen, worauf die Behörden einen Wasserhydranten kontrollierten und feststellten: Das Wasser ist mit dem Fäkalbakterium E. Coli verunreinigt.

Kläranlage, Gülle oder ein Leck?

In beiden Fällen findet man schnell einen möglichen Sündenbock: der heftige Regen. Bei der Herkunft der Mikroorganismen tappen die Behörden allerdings noch im weitgehend Dunkeln. «Wir vermuten, dass in der Nähe der Quellfassung ausgebrachte Gülle die Ursache sein könnte», sagt der Oberlangenegger Gemeindeverwalter, Res Wittwer.

«Eine Verunreinigung mit Mikroorganismen kann vielerlei Ursachen haben», erklärt Paul Borer vom Kompetenzzentrum Trinkwasser der Eawag. «Der starke Regen könnte die Kapazität der lokalen Kläranlage überschritten haben.» Dann werde ein Teil des Wassers in die Flüsse abgeleitet. Treten diese über die Ufer, kann das verunreinigte Wasser bis ins Grundwasser und von dort ins Trinkwasser gelangen.

Aber auch aus der Gülle oder aus einem Leck in einer Leitung könnten die Bakterien stammen, wie der Trinkwasser-Spezialist ausführt. Die Gefahr bestehe insbesondere, wenn das Grundwasser nahe am Fluss gesammelt werde, oder wenn die Grundwasser-Schutzzone über dem Grundwasser zu wenig gross sei.

UV-Filter wirkt begrenzt

«In vielen Fällen haben die Verantwortlichen bereits Erfahrung, wie das Grundwasser bei starkem Regenfall reagiert», so Paul Borer. «Sie fördern das Wasser dann zu diesem Zeitpunkt nicht.»

Etwa 40 Prozent des Schweizer Grundwassers wird nicht filtriert – so auch in Oberlangenegg. Laut Gemeindeverwalter Wittwer wird nun der Einsatz eines UV-Filters und die Einrichtung von Schutzzonen geprüft. Inzwischen ist das Wasser hier wieder trinkbar.

Im Sensebezirk ist zwar ein UV-Filter im Einsatz, der die Mikroorganismen abtötet. Doch wenn die Trübung des Wassers zur stark wird, wie es bei starkem Regen der Fall sein kann, versagt er seinen Dienst.

Ein Nachrüsten der Wasserversorgung ist hier noch nicht angedacht. Es wird noch einige Tage dauern, bis Wasser wieder rein ist. Bis dahin muss es abgekocht werden, um Bauchschmerzen und allfällige Brechdurchfälle zu verhindern.

UV-Filter

Während Mikroorganismen früher vor allem mit Chlordioxid bekämpft wurden, setzen heute immer mehr Wasserverorgungen auf Filter mit UV-Bestrahlung. Wird mit den UV-Filtern bereits eine gute Wasserqualität erreicht, kommt es im Leitungssystem nicht zur Wiederverkeimung, was eine Chlorbeigabe unnötig macht.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von S. Sugano, Therwil
    Fuer was bitte Zahle ich Geld fuer die Trinkwasser versorgung wenn man nicht Garantiert einwandfreies Wasser erhaelt? Besonders die Abwasser Gebuehren sind Horrent im Verheltniss. Da frage ich mich schon, ob mit dem Geld unseren Bundesraeten Auslandsreisen mit dem Bundesjet Finanziert wird oder Hilfsgelder ins Ausland fliessen. Im Strassenverkehr haben wir Gelder die nicht mal zu einem Drittel zurueck in den Strassenverkehr geht. Unglaublich so was...
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    1. Antwort von alfred neuhaus, lausanne
      zeigen sie sich doch etwas demütig und seien sie zufrieden, dass wir in der schweiz einen so hohen trinkwasserstandard haben. die bewerkstelligung der trinkwasseraufbereitung ist eine grosse herausforderung und wird sicherlich nicht aus finanz. gründen absichtlich vernachlässigt. strecken sie doch ihren geizhals mal etwas über die grenzen hinaus und schauen sie sich dort die trinkwassersituation an. dort werden dann wohl auch weniger ab- und trinkwassergebühren bezahlt...
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    2. Antwort von S. Sugano, Therwil
      @Alfred Neuhaus aus Lausanne: Man sieht das Sie keine Ahnung haben was eigedlich hier vorsicht geht. Man gibt Geld aus fuer alles moegliche doch wenn es um die Gesundheit der Bevoelkerung geht, ist kein Geld mehr da. Das ist das was mich rassend macht! Man Subventioniert Tabak und Alkohol d.h. man unterstuetzt es, da dies Geld in die Kassen bringt, doch ist allen bekannt, wie Gefaehrlich und Todlich es ist, doch das Geld ist wichtiger als die Gesundheit des Volkes. So sieht es aus Herr Neuhaus..
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Um sauberes Trinkwasser zu erhalten, braucht es ab und zu doch technischen Einsatz. Ich traue hierzulande auch nicht allem "Trinkwasser" und verwende mit Silberionen dotierte Keramikfilter (Swiss Made), wenn abkochen gerade nicht möglich ist. Wirkt auch als Schwebestofffilter. Der Fall zeigt aber doch eindrücklich auf, wie wertvoll Trinkwasser ist und selbst in der Schweiz, nicht immer sichergestellt. Weltweit wird es immer mehr zur Mangelware und es wird darob noch mehr Kriege geben.
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