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Aargau Solothurn Aargau: Deutschen Kindergärtnerinnen droht die Entlassung

Vor genau einem Jahr hat das Aargauer Stimmvolk entschieden: Im Kindergarten wird Mundart gesprochen. Nun hat die Regierung beschlossen, was das für Kindergärtnerinnen aus Deutschland heisst. Sie erhalten die Kündigung. Aber frühestens 2019. Und auch nur vielleicht.

Legende: Video Entlassung von Kindergärtnerinnen abspielen. Laufzeit 02:48 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 29.05.2015.

«Im Kindergarten ist die Unterrichtssprache grundsätzlich Mundart». Dieser Satz soll neu im Schulgesetz stehen, schlägt die Aargauer Regierung vor. Sie reagiert damit auf die Annahme der Mundartinitiative. Über 55 Prozent der Aargauer hatten im Mai 2014 der Initiative zugestimmt.

Kindergarten Garderobe.
Legende: «Im Chindsgi nume no Schwiizerdüütsch». Die Aargauer Regierung setzt die Mundartinitiative um. Keystone

Für Kindergärtnerinnen, die nicht Mundart sprechen, hat das Folgen. Sie müssen um ihren Job fürchten. Die Regierung will nämlich auch das Gesetz über die Anstellung von Lehrpersonen ändern, gab sie am Freitag bekannt.

Von den rund 60 Kindergärtnerinnen ohne Schweizer Pass werden aber wohl nur die wenigsten die Kündigung erhalten. Er rechne nur «mit einer Handvoll», bei denen das überhaupt in Betracht gezogen werden muss, sagt Victor Brun von der Abteilung Volksschule beim Kanton Aargau zu Radio SRF.

Folgendes führt dazu, dass die meisten Kindergärtnerinnen nichts zu befürchten haben:

  • Grosszügige Übergangsfrist: Erst Ende Schuljahr 2018/2019 werden Kindergärtnerinnen entlassen, die nicht Mundart sprechen. Sie haben also viel Zeit, sich einen anderen Job zu suchen oder in einem Kurs Mundart zu lernen.
  • Definition «Mundart»: Die Aargauer Regierung schlägt vor, dass Elsässerinnen und Süddeutsche als «der Mundart mächtig» gelten und also weiter unterrichten dürfen. Auch Voralbergerinnen dürfen bleiben. Ihre Dialekte seien gleich zu behandeln wie das Berndeutsche oder das Walliserdeutsch.
  • Wechsel an Primarschule: Da Kindergärtnerinnen heute die gleiche Ausbildung haben wie Primarlehrer könnten viele Deutsche einfach eine 1. Klasse unterrichten und im Aargau bleiben.

Die Schulpflege wird zur Sprachpolizei

Und wer entscheidet, ob eine Kindergärtnerin gut genug Mundart spricht? Ob eine Elsässerin wirklich «der Mundart mächtig» ist? Die Regierung will diese Aufgabe den Schulpflegen überlassen. Die Schulen vor Ort sollen eigenständig entscheiden können, schlägt die Regierung dem Parlament vor.

Trotz Mundartinitiative soll ein Teil des Unterrichts am Kindergarten weiter in Hochdeutsch stattfinden. Im Lehrplan soll festgelegt werden, dass z.B. Gedichte oder Lieder weiter in Hochdeutsch vorgelesen und gesungen werden dürfen.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Erwin Mahnke, Aarau
    Ich empfinde es schon als etwas rassistisch, was da entschieden wurde. Da wird über Frühenglisch diskutiert, aber Frühdeutsch wird abgelehnt. Es geht ja bei dieser Frage gar nicht darum, was die Kinder dürfen oder sollen, sondern was die Lehrer dürfen und was nicht. Ich denke, eine Klage vor dem Bundesgericht ist unvermeidlich. Ist Hochdeutsch etwa auch ein Problem beim Fernsehen? Dann muss man die Kinder auch vor dem Kontakt mit dem deutschen Fernsehen "retten"!
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  • Kommentar von Susann Matthes, Görlitz
    Also ich persönlich finde es einfach super, dass es in der Schweiz noch diese Volksentscheide gibt (das würde ich mir mal bei uns wünschen!). Und es ist doch völlig in Ordnung dass das Land, in dem ICH ALS AUSLÄNDER akzeptiert werden möchte, mich selbstverständlich auch allen Gepflogenheiten anpasse - so eben auch der Sprache, dem Dialekt, der Mundart. Ich gehe ja auch nicht nach London und versuche mich dort ausschließlich hochdeutsch zu verständigen!.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Ich glaube, da wird zu viel Wind gemacht um einen Volksentscheid. Wahrscheinlich wird es nicht zu Kündigungen kommen. In dem Gesetz geht es auch nicht darum, sondern um eine höhere Wertschätzung der Mundart. Hauptsache die Kinder dürfen, wenigstens noch im Kindergartenalter, so reden, wie ihnen "der Schnabel gewachsen" ist - und sie werden nicht fortwährend korrigiert.
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