Zum Inhalt springen

Aargauer Gesundheitssystem Schwarze Liste: HIV-Positive müssen um Medikamente bangen

Die Vorgeschichte: Mehrere Kantone - darunter Aargau und Solothurn - führen sogenannt schwarze Listen. Darauf landet, wer seine Krankenkassenprämien nicht zahlt. Befindet sich jemand auf einer solchen Liste, muss die Krankenkasse bloss noch Notfälle bezahlen, andere Arztbesuche oder Therapien werden nicht mehr vergütet.

Todesfall im Bündnerland: Gemäss einem Bericht der «Sonntagszeitung» ist im Kanton Graubünden ein 50-jähriger Mann verstorben, der an einer Begleiterkrankung von Aids litt. Seine Krankenkasse bezahlte eine Therapie nicht, weil er auf der schwarzen Liste des Kantons stand. Der Mann soll zweimal um eine Therapie gebeten haben, wurde aber zweimal abgewiesen. Eine Therapie gegen HIV sei kein Notfall, so die Begründung der Krankenkasse.

Die Situation im Aargau: Auch im Kanton Aargau gebe es ähnliche Fälle, sagt Candid Jäger, von der Fachstelle sexuelle Gesundheit Aargau. Er erwähnt im Gespräch mit SRF einen HIV-positiven Mann, der mithilfe eines Anwalts die Bezahlung von Medikamenten erstreiten musste.

Im Aargau sei es zusätzlich kompliziert, weil die schwarze Liste seit Jahresbeginn in der Verantwortung der Gemeinden liegt. Es käme also sehr darauf an, wo ein Betroffener wohnt, bei welchem Arzt er in Behandlung sei und wer sich für ihn einsetzt, so Jäger.

Das sagt der Kanton: Ein solcher Fall wie im Kanton Graubünden könnte auch im Aargau passieren, so Barbara Hürlimann, Mediensprecherin des Aargauer Gesundheitsdepartements. Das Problem sei, dass es keine genaue Definition gebe, was ein Notfall sei.

Im Moment sei man daran eine Checkliste auszuarbeiten, aus der klar hervor gehe, wer auf die schwarze Liste kommen soll und wer nicht. «Wir überlegen aktuell, ob zum Beispiel Betroffene mit Krankheiten, die ohne Behandlung tödlich sein können, ausgenommen werden sollen», so Hürlimann.

Die Situation im Kanton Solothurn: Auch hier gibt es eine schwarze Liste, diese könnte aber schon bald wieder abgeschafft werden. Die Regierung schlägt dies dem Kantonsrat vor. Dieser soll in den nächsten Wochen darüber entscheiden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Patrick Hofer (phoferBE)
    Unterlassene Hilfeleistung ist eine Straftat gemäss Art 11 StGB. Fahrlässige Tötung ist gemäss Art. 117 StGB verboten. Gefährdung des Lebens und der Gesundheit ist gemäss Art. 127 StGB untersagt. Daher fordere ich die Staatsanwaltschaft auf, gegen diejenigen, die die Hilfeleistung verweigert haben und diejenigen die dazu aufgerufen haben, zu ermitteln. Danke
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Martin Aeschlimann (TinuAeschlima)
    Die KK-Prämie ist eine Kopfsteuer, welche immer teurer wird und die Schmerzgrenze überschritten hat. Die geschützte Werkstatt der Ärzte sollte unbedingt reformiert werden. Spezialisten sollten weniger entlöhnt werden (es gibt hier viel Luft nach oben). Werbeverbot für KK. Kurzzeitarbeiter mit PFZ zahlen keine KK-Prämie in der CH, dies führt zu unlauterer Konkurrenz, da sie andere Lebenshaltungskosten haben. Hier sollten gleich lange Spiesse geschaffen werden (KK-Prämie über Lohnabzüge).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Einheitskasse abgeleht! Ihr brauch nixht verwundert tun! Über gar nichts! Ihr wisst alle, wie die freie Wirtschaft heute tickt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Toni Stark (Toni Stark)
      Was dies mit der Einheitskasse zu tun hat, müssen Sie uns erklären. Als ob dann die Prämien tiefer wären. Ich wage das Gegenteil zu behaupten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen