Aargauer Regierung will erhebliche Änderungen am Lehrplan 21

«Ja, aber...»: So lautet das Fazit der Aargauer Regierung zum Lehrplan 21. Sie unterstützt zwar die Stossrichtung des Papiers, verlangt jedoch erhebliche Anpassungen. Eines der Kritierien: Der Lehrplan 21 fordert zu viel von den Schülerinnen und Schülern.

Blick in ein Schulzimmer: Die Lehrerin steht vor der Wandtafel und spricht mit den Schülerinnen und Schülern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Aargauer Schulalltag kommt der Lehrplan 21 vorerst nicht vor. Laut Regierung soll er erst 2017/2018 in Kraft treten. Keystone

Der Aargauer Regierungsrat unterstützt zwar die Stossrichtung des Lehrplans 21. Dennoch fordert er erhebliche Anpassungen. Der Regierungsrat will den Lehrplan deshalb frühestens auf das Schuljahr 2017/18 umsetzen. Dieser müsse noch in mehreren Punkten substantiell überarbeitet werden. Das teilte der Regierungsrat am Freitag mit.

Lehrplan 21 stellt zu hohe Anforderungen

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Mehr Lehrer - weniger Schüler

Mehr Lehrer - weniger Schüler

Immer weniger Schülerinnen und Schüler besuchen die Aargauer Volksschule: 2009 waren es 71'058, im Jahre 2012 noch 70'053. Dafür stieg die Zahl der Lehrpersonen von 5391 auf 5706 an. Das gab die Aargauer Regierung am Freitag in Interpellations-Antworten bekannt. Grund sind kleinere Schülerzahlen und die Englischeinführung in der Primarschule.

Der Lehrplan 21 sei zu gross, so lautet ein Kritikpunkt der Aargauer Regierung. Es müssten Kompetenzen weggelassen oder gebündelt werden. Und: An die Schülerinnen und Schüler würden teilweise zu hohe Anforderungen gestellt. Insbesondere für Leistungsschwächere müsse man einzelne Mindestansprüche anpassen.

Die Regierung ist zudem der Ansicht, dass praktische und handwerkliche Kompetenzen zu kurz kommen. Daher seien die Fachbereiche zu überarbeiten, indem mehr Gewicht auf die Praxis statt auf die Theorie gelegt werde.

Mehr Bezug zur Praxis gefordert

Einige Themen und Kompetenzen wirkten «aufgesetzt» oder seien «zu wenig praxisbezogen», erklärte der Regierungsrat. Es geht dabei um Themen wie Natur, Mensch und Gesellschaft. Diese seien «sachgerecht und gut verständlich» aufzuarbeiten.

Die Deutschschweizer Erziehungskonferenz wird den Lehrplan nun überarbeiten und voraussichtlich im Herbst 2014 den Kantonen zur Umsetzung übergeben.

Im Aargau soll der Lehrplan frühestens auf das Schuljahr 2017/18 umgesetzt werden. Der Regierungsrat will dann auch die im Kanton vorgebrachten Forderungen zu Stundentafel, Lehrmitteln, Beurteilung sowie Aus- und Weiterbildung einbauen.

Breite Vernehmlassung im Kanton

Der Aargauer Regierungsrat stützt sich bei seiner Stellungnahme auf eine Vernehmlassung innerhalb des Kantons. In den 75 Stellungnahmen von Parteien, Behörden und Verbänden sei dem Lehrplan mehrheitlich zugestimmt worden. Die angestrebte Harmonisierung, die Kompetenzorientierung und der zyklische Aufbau kamen mehrheitlich gut an.

Was kam gut an, was weniger?

Die Ziele in den Fachbereichen Deutsch, Mathematik, Musik sowie Sport und Bewegung seien gar auf eine hohe Zustimmung gestossen. Anpassungen wurden in der Vernehmlassung bei Themen wie «Berufliche Orientierung», «Natur und Technik» und «Natur, Mensch, Gesellschaft» gefordert.

Aber auch bei überfachlichen Kompetenzen und bei den Fremdsprachen kamen die Ziele in der Vernehmlassung gut an. Auf wenig Gegenliebe stiessen hingegen die Ziele bei den Themen «Bildnerisches Gestalten», «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» sowie «ICT und Medien», «Räume, Zeiten, Gesellschaft», «Technisches und textiles Gestalten» sowie auch im Bereich «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt».