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Aargau Solothurn ASE-Prozess: So funktionierte der Millionenbetrug

Am Montag hat vor dem Bezirksgericht Laufenburg der Prozess gegen drei Angeklagte rund um die Firma ASE Investment begonnen. Hunderte von Anlegern hatten über Jahre Millionen in die Firma investiert, insgesamt wurden 170 Millionen Franken versenkt. Die Basler Kantonalbank spielt eine wichtige Rolle.

Legende: Video Prozess um 170 Millionen-Betrug abspielen. Laufzeit 05:56 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 21.11.2016.

Das Bezirksgericht Laufenburg rollt seit Montag den riesigen Anlagebetrug rund um die ASE Investment im Kanton Aargau auf. Es geht um eine Deliktsumme von 170 Millionen Franken. Der Auftakt gab Einblick in das grosse Vertrauen der Kunden und in das clevere Vorgehen des Hauptangeklagten.

In einem nüchternen Instruktionssaal des kantonalen Zivilschutz-Ausbildungszentrums in Eiken im Fricktal begann der Mammutprozess. Das Bezirksgericht Laufenburg tagte in fünfköpfiger Besetzung. Zwei Vertreter der Staatsanwaltschaft waren dabei und ein Dutzend Anwälte.

Ehemaliger ASE-Chef ist geständig

Polizeiauto vor dem Ausbildungszentrum Eiken
Legende: Der Millionenbetrug durch die ASE wird in Eiken (Bild) verhandelt. Er dauert sieben Tage lang. Keystone

Den ersten Prozesstag verfolgten mehr als ein Dutzend angereiste Zuschauer. Die meisten sind wohl Geschädigte. Der Prozess gegen drei Angeklagte dauert voraussichtlich sieben Tage.

Der Hauptangeklagte ist ein 50-jähriger Schweizer. Der ehemalige Geschäftsführer muss sich wegen gewerbsmässigen Betrugs, qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie wegen mehrfacher Urkundenfälschung vor dem Bezirksgericht verantworten.

Der weitgehend geständige Mann befindet sich seit seiner Verhaftung im Frühling 2012 ohne Unterbruch in Haft. Er trat im Februar 2015 den vorzeitigen Strafvollzug an.

Zwischen aggressiv und kumpelhaft

Das Bezirksgericht spielte als erstes verschiedene Telefongespräche zwischen dem Geschäftsführer und Mitarbeitern der Basler Kantonalbank (BKB) ab. Diese war die Depositenbank der Anlagegelder.

Die Kunden der ASE überwiesen ihr Geld auf ein BKB-Depot. Die ASE hatte die Vollmacht über die Konten - und konnte daher den Kunden manipulierte Auszüge mit satten Gewinnen zustellen.

Der Geschäftsführer führte jeweils ein aggressives und arrogantes Telefongespräch. Er machte der Bank Vorwürfe. Mehrfach fluchte er - und drohte den Mitarbeitern, den Bankenchef zu informieren.

Zuckerbrot und PeitscheIn einem der weiteren, abgespielten Telefongespräche mit einem BKB-Mitarbeiter gab er sich wieder als umgänglichen, jovialen Kollegen, der alles im Griff hat. «Ich schaue schon, dass alles richtig kommt», sagte er. Der Geschäftsführer soll sich selbst zwischen 2006 und 2012 bis zu 10 Millionen Franken als Entschädigung ausbezahlt haben.

Ein Finanzberater sagte als Zeuge aus, dass alle Kontoauszüge seiner Kunden korrekt und pünktlich gewesen seien. Die ASE habe die Gelder rechtzeitig zurückbezahlt. Die Zusammenarbeit sei zunächst «zuverlässig, präzis und schnell gewesen».

Heulende Männer am Telefon

Doch das lief nicht lange so: Er und seine Kunden verloren letztlich alles. Seine Existenz kam unter die Räder. Er habe heulende Männer und Rentner mit Totalverlust am Telefon gehabt. Der Zeuge sprach den Hauptangeklagten direkt an und machte ihm Vorwürfe.

Der Geschäftsführer sei «angenehm, versiert und nicht überheblich gewesen», berichtete ein Zeuge, der letztlich viel Geld verlor. «Er war einfach eine Person, zu der man Vertrauen hat.» Eine Auskunftsperson berichtete dem Gericht, er habe wegen der ASE 200'000 Franken verloren. Ein ehemaliger Anleger aus dem Publikum bestätigte die gemachten Zeugenaussagen auch gegenüber Radio SRF. Die ASE habe ihren Anlageerfolg eindrücklich dokumentieren können.

Dicke Anklageschrift

Der Prozess fordert alle. Die Anklageschrift umfasst 192 Seiten, mit Anhängen sogar 592. Die Akten füllen insgesamt 448 Bundesordner. Die Staatsanwaltschaft ermittelte rund 2000 Geschädigte. Davon haben sich 639 als Privatkläger am Strafverfahren konstituiert. Der grösste Teil der Deliktsumme von 170 Millionen Franken dürfte für die Anleger verloren sein.

Die ASE Investment mit Büro in Frick war von 2006 bis 2012 eine externe Vermögensverwalterin und bot ihren Kunden Devisenhandel in unterschiedlichen Produkten an. Anleger wurden mit Renditeversprechen von bis zu 18 Prozent angelockt.

Auf ihrer Website hatte ASE Investment von «lukrativen Anlagemöglichkeiten» gesprochen. Das Kürzel ASE stand für «Anlage, Sicherheit, Ertrag». Dem Hauptangeklagten wird vorgeworfen, dass er die bei seiner Anlagetätigkeit erlittenen Verluste verheimlichte - und den Anlegern fiktive Gewinne vortäuschte.

Er habe alles «derart raffiniert aufeinander abgestimmt», dass es den Kunden nicht möglich gewesen sei, eine Täuschung zu erkennen. Es habe ein «grosses Lügengebäude» gegeben. Mit der Vermischung von Kunden- und Anlagegeldern wurde gemäss Anklage ein einziges riesiges Schneeballsystem betrieben.

Prozess bis Samstag

Erst im Verlauf der Woche werden die insgesamt drei Anklagten vom Gericht befragt. Die Anträge der Staatsanwaltschaft und der Pflichtverteidiger sind noch nicht gestellt.

Zwei weitere Beschuldigte

Vor Gericht stehen zwei weitere Männer, die jedoch die Anschuldigungen zurückweisen.

  • Der Präsident des Verwaltungsrats der ASE: Anklage wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft
  • Ein ehemaliger ASE-Kundenbetreuer bei der Basler Kantonalbank (BKB): Anklage wegen Gehilfenschaft zu gewerbsmässigen Betrugs

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