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Aargau Solothurn Baden: Der Caritas-Markt muss schliessen

Die Sozialhilfequote im Aargau steigt, sie ist ein Indiz für zunehmende Armut. Und die Aktion «Tischlein deck dich» in Baden kann sich vor Anfragen nicht retten. Sie gibt Lebensmittel ab an Arme. Der Supermarkt der Caritas, dessen Kunden ebenfalls Arme sind, muss aber schliessen.

Aussenansicht des Caritas-Markts in Baden
Legende: Der Caritas-Markt in Baden schliesst. Die Sozialhilfeempfänger kaufen ihre Lebensmittel lieber im Aldi oder Lidl ein. Romy Ulrich

Ein Joghurt für 40 Rappen. Ein Liter Milch für weniger als einen Franken – die Preise im Caritas-Markt an der Rütistrasse 1A in Baden sind günstig. Aber eben nicht unschlagbar günstig.

Geschlagen oder gar unterboten würden die Preise von den Discountern. Das schreibt Kurt Brand von der Caritas Aargau in einem E-Mail an Radio SRF: «Die Ernährung spielt auch im Budget von Armutsbetroffenen eine nicht mehr so grosse Rolle. Es gibt immer mehr Discounter, die Lebensmittel sehr günstig anbieten.»

Die Konkurrenz der Discounter hat dem Caritas-Markt zugesetzt. Vor fünf Jahren wurde der Laden eröffnet. Kostendeckend war er aber nicht, das Ziel von 500'000 Franken Umsatz konnte nie erreicht werden.

Immer in den roten Zahlen

Glastüre mit der Aufschrift Eingang
Legende: In Baden bleibt noch der Secondhand-Laden der Caritas. Dieser schreibt im Gegensatz zum Markt schwarze Zahlen. Romy Ulrich

Die ersten drei Jahre wurde der Caritas-Markt vom Verein Lernwerk geführt. Weil die geplanten Umsätze nicht erreicht wurden und der Verein nicht mehr bereit war, einen Teil des Defizits zu übernehmen, stieg das Lernwerk Ende 2014 aus dem Projekt aus.

Die Caritas beschloss, den Markt trotzdem noch weiterzuführen. Aber letztlich stimmten die Zahlen nicht. Den Ausschlag zur Schliessung habe letztlich der starke Franken bzw. der Einkaufstourismus gegeben. «Alle Caritas-Märkte im grenznahen Raum zu Deutschland spüren erhebliche Umsatzeinbussen. In Deutschland sind Lebensmittel deutlich günstiger als in der Schweiz», schreibt die Caritas auf Anfrage von Radio SRF.

Dass der Caritas-Markt in Baden Ende Juni schliesst, hat also mit der harten Konkurrenz im Lebensmittelhandel zu tun und nicht mit einer Abnahme der Armut. Diese ist in den letzten Jahren im Aargau stabil geblieben oder tendenziell sogar eher gestiegen.

Liliane Studer, Grossrätin (EVP) und Mitglied der grossrätlichen Sozialkommission, geht davon aus, dass im Aargau zirka 12 Prozent der Bevölkerung mit einem Einkommen von 2500 Franken auskommen müssen und 8 Prozent sogar nur 2100 Franken Einkommen haben pro Monat. Das Existenzminimum ist auf 2500 Franken angesetzt.

«Tischlein deck dich» wird überrannt

Ebenfalls keine abnehmende Tendenz bei der Armut sieht Jürg Hermann. Er arbeitet als Sozialdiakon bei der Reformierten Kirchgemeinde Baden. Dort betreut er das Projekt «Tischlein deck dich». Jeweils am Mittwochnachmittag dürfen dort arme Menschen praktisch gratis Lebensmittel beziehen. Pro Nachmittag werden rund 200 Portionen verteilt.

Berechtigt ist nur, wer von der Kirche als Bedürftig anerkannt ist, also eine spezielle Bezugskarte erhalten hat. Diese Karte sei begehrt, sagt Jürg Hermann: «Die Tendenz ist steigend, so stark, dass wir zurzeit einen Kartenstopp haben. Wir können gar nicht mehr Leute berücksichtigen.»

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