Schliessung von Poststellen Die Hälfte der Aargauer Filialen könnte verschwinden

43 von 88 Poststellen im Aargau sind gefährdet. Die Ankündigung der Post löst bereits Proteste aus.

Postfiliale mit Mitarbeitenden und Kunden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der klassische Postschalter verschwindet wohl in vielen Gemeinden, weil die Kunden immer mehr am Computer erledigen. Keystone

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Kanton Aargau garantiert die Post laut Mitteilung vom Freitag für 45 Poststellen, dass diese bis mindestens 2020 bestehen bleiben.
  • 32 Aargauer Poststellen werden überprüft, könnten also verschwinden.
  • Bei 11 weiteren Poststellen ist der Schliessungsprozess bereits im Gang.
  • Die Post wird im Gegenzug neue Servicepunkte schaffen (bis zu 30) wie beispielsweise Aufgabe- und Abholstellen oder Post-Automaten.
  • Einzelne Gemeinden und die Aargauer Regierung reagieren mit Protest auf die Ankündigung.

Schweizweit prüft die Post die Schliessung von rund einem Drittel aller Filialen. Die Zahl der Filialen soll von 1400 auf rund 800 bis 900 reduziert werden. Die konkreten Pläne werden kantonsweise bekannt gegeben. Die Post verhandelt zuvor jeweils mit den Kantonen.

32 Poststellen auf der Kippe

Im Aargau sind 45 Poststellen immerhin bis 2020 garantiert, wie es in einer Mitteilung vom Freitagmorgen heisst. 32 Poststellen werden überprüft: Das heisst, dass die Post im Einzelfall neue Lösungen prüft - sich zum Beispiel nach möglichen Partnern für eine Postfiliale umschaut (Dorfladen etc.).

An elf weiteren Standorten steht die Post nach eigenen Angaben bereits seit Oktober 2016 «im Dialog» - dort ist die Schliessung der Postfiliale also schon beschlossen und neue Lösungen werden aktuell verhandelt.

Diese Aargauer Poststellen werden überprüft

PLZ
Bezeichnung und Ort
Bemerkungen
5032Aarau Rohr
5402Baden 2 Cordulaplatz
5406Baden 5 Dättwil
5712Beinwil am See
4805Brittnau
5606DintikonFiliale mit Partner in Umsetzung
5074Eiken
5615Fahrwangen
5412Gebenstorf
5073Gipf-Oberfrick
5212Hausen
5027Herznach
5502HunzenschwilFiliale mit Partner in Umsetzung
8916JonenFiliale mit Partner in Umsetzung
5742Kölliken
4312Magden
5634Merenschwand
5274Mettau (Mettauertal)
4853Murgenthal
5702NiederlenzFiliale mit Partner in Umsetzung
5443Niederrohrdorf
5524Niederwil
8917Oberlunkhofen
5452Oberrohrdorf
8966Oberwil-LieliFiliale mit Partner in Umsetzung
5504Othmarsingen
5022Rombach (Küttigen)
8954Rudolfstetten
5102Rupperswil
5745Safenwil
5707Seengen
5053StaffelbachFiliale mit Partner in Umsetzung
4802Strengelbach
5035UnterentfeldenFiliale mit Partner in Umsetzung
5417Untersiggenthal
5234Villigen
Filiale mit Partner in Umsetzung
5430Wettingen 1
5430Wettingen 2 Dorf
5436Würenlos

Die Ankündigung der Post hat am Freitag umgehend Proteste ausgelöst. Die Aargauer Regierung erwartet gemäss einer Mitteilung, «dass die Zahl der zu schliessenden Poststellen deutlich reduziert wird».

Forderungen aus Aarau und den Regionen

Die Post müsse aufzeigen, was eine Schliessung für das Gewerbe bedeutet. Dabei geht es um Massensendungen oder eingeschriebene Postsendungen, wie die Regierung ausführt. Ein «Service Public mit hoher Netzdichte» sei ein wichtiger Standortfaktor für den Wirtschaftsstandort Aargau.

Zudem erwarte der Regierungsrat, dass die Post nicht nur die Standortgemeinden, sondern auch umliegende Gemeinden in den Dialog mit einbezieht.

Dieser Dialog mit den Gemeinden scheint nicht zu aller Zufriedenheit zu klappen. Der Gemeinderat von Rudolfstetten-Friedlisberg reagiert in einer Mitteilung sichtlich ungehalten. «Der Gemeinderat wurde durch die Schweizerische Post vorgängig nie kontaktiert», heisst es.

«  Tatsächlich dürfte es einem Diktat gleichkommen. »

Gemeinderat Rudolfstetten
Zitat aus der Mitteilung

Das werde «ausserordentlich bedauert». Obwohl die Post immer wieder von «Dialog» schreibe, komme die Entscheidung zur Überprüfung der Poststelle «einem Diktat gleich».

Thomas Baur, Leiter Poststellen und Verkauf, kann sich den Frust aus Rudolfstetten nicht erklären. Man habe alle Gemeinden mit eine Schreiben informiert - allenfalls liege ein Versehen vor. Man suche wirklich das Gespräch. «Bei den betreffenden Poststellen braucht es eine neue Lösung aus unserer Sicht. Aber wenn wir keine gute Lösung finden, dann kann es sein, dass eine Filiale auch bestehen bleibt.»

«  Es kann sein, dass eine Poststelle bestehen bleibt. »

Thomas Bauer
Leiter Poststellen und Verkauf

Grundsätzlich betont Baur, dass die Post Rücksicht nehme auf viele Faktoren. «Bezirkshauptorte und regionale Zentren wurden berücksichtigt zum Beispiel, wir haben auch einige Poststellen nach Rücksprache mit dem Kanton dann doch belassen, wie zum Beispiel Menziken.»

Die Kunden nutzen das Internet

Die Post begründet die Überprüfung des Filialnetzes damit, dass sich die Kundengewohnheiten verändert hätten. Auch Postgeschäfte würden vermehrt rund um die Uhr per Smartphone und Computer erledigt und nicht mehr am Postschalter.

«Wenn es aber in einer Postfiliale 50 Prozent weniger Zahlungen und 60 Prozent weniger Briefpost gibt, dann müssen wir die Dimensionen überprüfen.» Gleichzeitig betont die Post, dass sie sogar zusätzliche «Zugänge» schafft, zum Beispiel Postautomaten entlang der wichtigen Pendlerstrecken.