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Franco Supino zum «Italiener sein» in der Schweiz
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Gastarbeiter in der Schweiz «Früher waren die Italiener etwas Fremdes»

Mit Italien verbinden viele Schweizer inzwischen Pasta, Pizza und dolce Vita. Das Verhältnis ist recht entspannt. Entsprechend können Schweizer und Italiener heute problemlos zusammen feiern, wie an diesem Wochenende in Lenzburg. Die ersten Kulturtage der Kleinstadt sind unter dem Motto «Festa Svizzera Italiana» ganz dem südlichen Nachbarland gewidmet.

So entspannt wie heute war das Verhältnis aber nicht immer, erzählt der Solothurner Autor Franco Supino. Er wuchs in Solothurn als Sohn italienischer Eltern auf. In Lenzburg stellt er an den Kulturtagen sein neues Buch vor.

«Mino und die Kinderräuber»

Kinderbuch.
Legende:SRF

Im neuen Kinderroman des Solothurners Franco Supino werden Schulkinder nach Italien versetzt, in die Zeit des zweiten Weltkriegs. Sie erleben die Geschichte des Nonno von Chiara, welche dieser seiner Enkelin erzählt hat. ««Mino und die Kinderräuber» thematisiert neben den harten Lebensumständen im Italien der Kriegszeit auch die Beziehung von Enkeln zu ihren Grosseltern.

SRF: Als Autor mit italienischen Wurzeln: Wie erleben Sie das Verhältnis der Schweiz mit Italien?

Franco Supino: Es ist sicher anders, als ich klein war. Als ich in die Schule ging, in den 60er- und Anfang der 70er-Jahre, war die Überfremdungsinitiative ein grosses Thema. Dazumal waren die Italiener etwas Fremdes, mit denen man Mühe hatte. Heute ist Italien etwas Wunderbares, etwas Sonniges. Ich glaube auch, dass die Schweizer Italien am liebsten haben wie es in der Schweiz ist. Und Italien, wie es in Italien ist, nur mit Vorbehalt.

Sozusagen: Bei uns ist das gute Essen, die Gelati und allenfalls die Musik – und das andere ist weit weg?

Ich würde sagen, die Schweizer haben das Beste von Italien genommen – das machen sie ja noch oft. Das andere, die Probleme, überlassen sie den Italienern. Die Wirtschaftskrise in Süditalien zum Beispiel die weiterhin anhält, kann man sich gar nicht vorstellen. Die Pizza ist dort zwar immer noch gut. Ein Problem ist aber etwa der Migrationsdruck: Er ist einerseits problematisch, andererseits braucht man diese Menschen dort – weil es sonst noch weniger Leute hätte, welche die Arbeit verrichten. Das ist eine sehr schwierige soziale Realität, die wir hier gar nicht kennen. Die wir aber vielleicht auch nicht kennen müssen.

Frauen arbeiten in einer Fabrik
Legende: Viele Italienerinnen arbeiteten in der Fabrik von Hero in Lenzburg. Museum Burghalte

Wie ist das Leben heute als Person mit italienischen Wurzeln?

Die Identität ist immer eine grosse Frage. Was bin ich, wenn mein Vater oder meine Grosseltern Italiener waren? Und was ist überhaupt ein Schweizer? Es ist wie gesagt eine grosse Frage, die aber nicht einfach zu beantworten ist. Ich glaube, man kann auch einfach Freude haben an den italienischen Erscheinungen. Problematisch ist es heute aber nicht mehr.

Das Gespräch führte Bruno von Däniken.

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