Solothurner Wahlen 2017 Historischer Wahltag in Solothurn: Die Reaktionen

Susanne Schaffner (SP) und Brigit Wyss (Grüne) sind als Regierungsrätinnen im Kanton Solothurn gewählt. Damit verliert die FDP einen Sitz in der Regierung, das Gremium wird etwas linker. Im Solothurner Rathaus fallen die Reaktionen unterschiedlich aus.

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Zwei linke Frauen in der Regierung

1:32 min, aus Tagesschau am Vorabend vom 23.4.2017

«Das fühlt sich sehr gut an», sagt Brigit Wyss. Sie ist die erste grüne Regierungsrätin im Kanton Solothurn. Ihre Partei kommt auf etwa sieben Prozent Wähleranteil, Wyss hat weit über ihre Parteigrenzen hinaus Stimmen geholt.

«Ich habe nicht erwartet, dass es klappen könnte.» Woher die vielen Stimmen kommen, weiss Wyss auch nicht. Sie ist kurz nach der Wahl tatsächlich überrascht über den Wahlsieg.

«  Es ist für mich wirklich eine totale Überraschung. »

Brigit Wyss
Regierungsrätin

Soziale und ökologische Anliegen würden wohl künftig etwas mehr Gewicht erhalten in der Regierung, meint Brigit Wyss. Die Hauptsache sei aber, dass die Regierung gut zusammenarbeiten könne. Nur so könne man etwas bewegen.

Umarmung der beiden Frauen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Siegerinnen umarmen sich: Susanne Schaffner und Brigit Wyss machen die Regierung linker. Keystone

Auch Susanne Schaffner will noch keine politische Prognose wagen. «Was sich genau ändern wird, das kann ich noch nicht sagen. Aber ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Brigit Wyss», erklärt Susanne Schaffner kurz nach der Wahl gegenüber SRF.

«Ein schwarzer Tag für die FDP»

Marianne Meister zeigt sich gegenüber SRF als tapfere Verliererin. Sie gehe «mit erhobenem Haupt» aus dem Rathaus und nehme es sportlich. Ihre Analyse: «Die Bürgerlichen haben links gewählt, das gibt mir schon zu denken.» Das sei ein schwarzer Tag für ihre Partei.

«  Die Bürgerlichen haben links gewählt. »

Marianne Meister
Regierungsratskandidatin FDP

FDP-Parteipräsident Christian Scheuermeyer ist überzeugt, dass die beiden linken Frauen durchaus Einfluss haben werden in der Regierung. «Entscheidungen werden immer mehr auch einmal auf die linke Seite kippen.»

Scheuermeyer geht davon aus, dass die Unterstützung der bürgerlichen Wählerinnen und Wähler gefehlt habe. «Wer keine eigene Kandidatur mehr hat, der geht nicht an die Urne.» Wohlwollend habe er die offizielle Wahlempfehlung der SVP zur Kenntnis genommen.

Scheuermeyer sitzt am Fenster auf einem Stuhl und telefoniert Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: FDP-Präsident Christian Scheuermeyer muss eine weitere Niederlage einstecken. SRF

Kritik übt Scheuermeyer allerdings an den Christdemokraten, welche keine Empfehlung für Marianne Meister abgegeben haben. «Wenn es der CVP egal ist, wie viele Bürgerliche in der Regierung sitzen, dann habe ich schon meine Fragezeichen.»

SVP kritisiert FDP

Der Co-Präsident der SVP, Nationalrat Walter Wobmann, ist über das gute Abschneiden der Linken ebenfalls sehr enttäuscht. «Wir sind jetzt die einzige Oppositionspartei, die es noch gibt im Kanton. Die Grünen sind jetzt ja auch in der Regierung», erklärt Wobmann.

Auch er ist überzeugt: Die Mobilisierung im bürgerlichen Lager habe gefehlt. Viele SVP-Wähler hätten nicht gewählt oder leer eingelegt. Für ihn trägt daran aber vor allem der Freisinn selber die Schuld. «Die FDP ist jahrelang auf dem hohen Ross gesessen und hat uns die Zusammenarbeit verweigert. So kann es natürlich nicht weiter gehen.»

«  Die FDP ist jahrelang auf dem hohen Ross gesessen. »

Walter Wobmann
SVP Solothurn

Die FDP müsse nun «gründlich über die Bücher» gehen, wenn sie eine wirklich bürgerliche Politik im Kanton wolle. Mit der offiziellen Wahlempfehlung für Marianne Meister habe man «den ersten Schritt» gemacht für eine konstruktive Zusammenarbeit in der Zukunft, so Wobmann.