«Im Gefängnis sind die Sexualstraftäter die schwarzen Schafe»

Der Sozialtherapeut, der zur Zeit in Bern vor Gericht steht, sitzt im vorzeitigen Strafvollzug in Lenzburg. Als Sexualstraftäter hat er hier schwierige Bedingungen: In der Gefängnishierarchie steht er auf der untersten Stufe. Freundschaften sind für solche Täter die absolute Ausnahme.

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Bildlegende: Die Strafanstalt Lenzburg von oben. Wikimedia Commons Boehlich

Der Kindermörder Werner Ferrari, der Frauenmörder Erich Hauert und auch der Mörder des Au-Pairs Lucie sitzen in Lenzburg ein. In der Gefängnishierarchie stehen sie auf der untersten Stufe, weil deren Opfer zu den schwächsten der Gesellschaft gehört haben.

Die schwarzen Schafe im Gefängnis

«Sexualstraftäter sind die schwarzen Schafe im Gefängnis», sagt der Direktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, Marcel Ruf, auf Anfrage des Regionaljournals Aargau Solothurn.

Auch der Sexualstraftäter, der sich aktuell in Bern vor dem Regionalgericht verantworten muss, hat im vorzeitigen Strafvollzug kaum sozialen Kontakt mit Mitgefangenen. Der Rhythmus ist klar: Arbeiten, schlafen, arbeiten, erklärt Ruf. «Diese Leute leben sehr zurückgezogen - niemand will etwas mit ihnen zu tun haben», erklärt Marcel Ruf. Einen besonderen Schutz benötigen sie jedoch nicht. Sie werden in der Regel in Ruhe gelassen, sagt der Direktor.

Kein Verständnis

Den Sexualstraftätern gelingt es kaum, für ihr Delikt Verständnis zu wecken. «Die anderen Gefangenen sind da sehr strikt», erklärt Marcel Ruf. Zudem ist es schwierig das eigene Delikt zu verheimlichen.

Im Fall des Berner Sozialtherapeuten beispielsweise erfahren die Mitgefangenen auch durch die Medien und deren Berichterstattung, um wen es sich handelt. Etwas zu verheimlichen ist also in den meisten Fällen schwierig, meint Gefängnisdirektor Marcel Ruf.