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Legende: Audio Ensi rügt Vorfall im AKW Leibstadt abspielen. Laufzeit 02:49 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 30.01.2019.
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«Inakzeptabler Vorfall» Ensi kritisiert Sicherheitskultur im AKW Leibstadt

Ein Mitarbeiter des Atomkraftwerks hat Strahlenmessgeräte nicht überprüft. Die Atomaufsicht wählt harte Worte.

Wenn verbrauchte Brennelemente aus dem Atomkraftwerk in Leibstadt ins Zwischenlager nach Würenlingen transportiert werden, will man sicher sein, dass die Behälter dicht sind – also keine radioaktive Strahlung abgeben. Dazu verwendet das Kernkraftwerk mobile Dosimeter. Diese Messgeräte müssen zweimal im Jahr getestet werden.

Seit 2016 aber wurden die Testprotokolle gefälscht. Der zuständige Mitarbeiter hat die Messgeräte nicht geprüft, sondern einfach fingierte Daten in die Protokolle geschrieben. Das teilten heute das Kernkraftwerk Leibstadt und das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi gleichzeitig mit.

Die bisher getroffenen Massnahmen bei den Problemen, die in Leibstadt im Bereich Mensch und Organisation bestehen, scheinen nicht zu fruchten.
Autor: Sebastian HueberEnsi-Sprecher

Die Behörde und die Kraftwerkbetreiberin betonen, es habe zu keiner Zeit Gefahr bestanden. Denn obwohl die Geräte nicht getestet wurden, hätten sie einwandfrei funktioniert.

Probleme bei «Mensch und Organisation»

Trotzdem: Für die Atomaufsicht war dieser Vorfall im AKW Leibstadt einer zu viel. Er sei inakzeptabel, heisst es in einer ungewöhnlich scharf formulierten Mitteilung. Auch Ensi-Sprecher Sebastian Hueber wird deutlich: «Die bisher getroffenen Massnahmen bei den Problemen, die in Leibstadt im Bereich Mensch und Organisation bestehen, scheinen nicht zu fruchten.»

Es habe nun einen «erneuten Fall» gegeben. Das Ensi könne das so nicht tolerieren, stellt Hueber klar: «Aus diesem Grund wollen wir das mit dem Axpo-Management und der Kraftwerksleitung intensiv besprechen.»

Pannenserie in Leibstadt

Leibstadt kämpft seit Jahren mit Pannen. Es gab Ablagerungen an Brennstäben und Löcher in Stahlwänden. Das Atomkraftwerk war während Monaten wegen diverser Probleme ausser Betrieb.

Das Ensi bestellt nun die ganze Chefetage von Axpo und Leibstadt ein. Es will aber auch die eigenen Kontrollen verstärken – und allenfalls sogar internationale Experten für eine Kontrollmission nach Leibstadt einladen. Das gab es zuletzt vor sieben Jahren in Mühleberg.

Kraftwerkleiter will sich Kritik stellen

Der Ton bei der Atomaufsichtsbehörde ist harsch. Eher kleinlaut klingt hingegen Kraftwerksleiter Michael Kessler. Man akzeptiere die Vorwürfe des Ensi und stelle sich dem Gespräch, sagt Kessler.

Die betroffenen Messgeräte haben wir aus dem Verkehr gezogen und erneut geprüft.
Autor: Michael KesslerKraftwerksleiter Leibstadt

Und: Man habe bereits auf den Vorfall reagiert: «Als erste Massnahme haben wir den Mitarbeiter freigestellt. Die betroffenen Messgeräte haben wir aus dem Verkehr gezogen und erneut geprüft.» Darüber hinaus würde man weitere Massnahmen im Prozess- und Mitprüfbereich sowie bei der Qualitätskontrolle anschauen.

Das AKW Leibstadt ist das jüngste aller Schweizer Kernkraftwerke. Es wurde erst 1984 in Betrieb genommen. Doch offensichtlich gibt es im jüngsten AKW Probleme bei den Menschen und in der Organisation, wie es die Aufsichtsbehörde formuliert. Die Sicherheitskultur müsse nachhaltig verbessert werden.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Beutler  (Plinius)
    Vielleicht müsste man den Text von Maurice Velati genau durchlesen. Ob die Messgeräte funktionierten oder nicht, ist das eine. In diesem Falle spielte es ja gar keine Rolle. Wesentlich ist, dass die Testprotokolle gefälscht wurden. Man weiss also gar nicht, ob die Messwerte zu hoch waren. Wird so manipuliert, muss der Verdacht aufkommen, dass es einen Grund hatte und der kann nur sie sein: Die gemessenen Messwerte waren zu hoch. Ein schwacher Trost, die Geräte hätten eigentlich funktioniert.
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    1. Antwort von Maurice Velati, SRF (SRF)
      Sehr geehrter Herr Beutler. Die Messungen waren korrekt, wie Ensi und KKL bestätigen. Man weiss dies, weil die Behälter auch im Zwischenlager in Würenlingen jeweils gemessen werden auf ihre Strahlung. Und die Messwerte aus Würenlingen und Leibstadt hätten «keine nennenswerten Abweichungen» gezeigt, heisst es beim Ensi. Insofern waren zwar die Messgeräte nicht korrekt geprüft, aber funktionierten offenbar zu jeder Zeit korrekt.
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  • Kommentar von Laurenz Hüsler  (Laurenz Hüsler)
    Sachlich ist das kein Problem - die Ware wurde im ZWILAG nochmals gemessen. Leider gibt es immer wieder mal unzuverlässige Leute. Nimmt mich wunder, wie das aufflog.
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  • Kommentar von Alfred Schläpfer  (191.5yenokavan)
    Warum besorgt? We are simply the best.
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