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Integration im Arbeitsmarkt So denken Solothurner Firmen über Flüchtlinge

Anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene sollen im Kanton Solothurn vermehrt in die Arbeitswelt integriert werden. Dieses Ziel verfolgen der Kanton, der Gewerbeverband und die Handelskammer.

Schwarzer Mann erledigt Aufräumarbeiten im Hinterhof eines Restaurants
Legende: Zwischen sozialer Verantwortung und Hoffnung auf billige Arbeitskräfte: Deshalb wollen Firmen Flüchtlinge beschäftigen. Imago (Symbolbild)

Die Integration von vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sei volkswirtschaftlich sinnvoll und notwendig, hiess es am Mittwoch an einer gemeinsamen Medienkonferenz von Kanton, Gewerbeverband und Handelskammer in Zuchwil. Für Unternehmen gehe es um Chancen und um Herausforderungen.

Das denken Kanton und Verbände:

Die Flüchtlinge stellten ein Potenzial an Arbeitskräften dar. Mit Ausbildung könnten die Menschen dazu beitragen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und den Nachwuchs in den Betrieben zu sichern.

Bisher passiert das aus Sicht von Kanton und Verbänden noch zu wenig: Im Kanton Solothurn liegt die Erwerbsquote von vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlingen bei rund 30 Prozent.

Das denken die Unternehmen:

Aus der Sicht der Arbeitgeber sind Integrationsprogramme, in denen die Personen auf die Aufgaben in den Betrieben vorbereitet werden, von zentraler Bedeutung. Das zeigt eine Studie im Auftrag des Kantons, welche zwei Studentinnen der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) machten.

  • Rund 350 Arbeitgeber beteiligten sich an der Umfrage.
  • 75 Betriebe gaben an, Flüchtlinge zu beschäftigen oder beschäftigt zu haben.
  • Knapp drei Viertel dieser Betriebe machen durchwegs positive Erfahrungen.
  • Bei 17,5 Prozent sind die Erfahrungen laut Studie unterschiedlich.
Legende:
Beschäftigung von Flüchtlingen im Kanton Solothurn Von 358 befragten Unternehmen erklärten 16 Prozent, dass sie aktuell Flüchtlinge beschäftigen. Rund ein Drittel der Unternehmen könnte sich das zumindest vorstellen. Dabei ist die Beschäftigung von Flüchtlingen vor allem bei grösseren Firmen ab 50 Mitarbeitenden (39%) und im 3. Sektor (24%) verbreitet. Die meisten Flüchtlinge verfügten gemäss Studie über eine Festanstellung, weitere wurden als Lehrlinge, Praktikanten oder temporär beschäftigt. Hochschule für Soziale Arbeit (FHNW)

Knapp jeder zehnte Betrieb gab an, negative Erfahrungen gemacht zu haben. Herausforderungen waren die Sprachkenntnisse oder die verschiedenen kulturellen Hintergründe.

Mehr als drei Viertel der Betriebe, die bereits Flüchtlinge beschäftigten, gehen davon aus, in den nächsten zwölf Monaten weitere Flüchtlinge einzustellen. Knapp jeder zweite Betrieb setzt gute Sprachkenntnisse und eine abgeschlossene Ausbildung für eine Ausstellung voraus.

Legende:
Anforderungen an Flüchtlinge (aus Sicht Unternehmen) Unternehmen verlangen vor allem Motivation von den Flüchtlingen. Nicht in der Grafik aufgeführt ist die Forderung nach guten Deutschkenntnissen, welche rund die Hälfte der Firmen erhebt. Für einen knappen Drittel der Firmen sollten die Deutschkenntnisse sogar sehr gut sein (Niveau C1, C2). Hochschule für soziale Arbeit (FHNW)

In Branchen mit Arbeitskräftemangel sehen zwei Drittel der Befragten ein mittleres bis grosses Potenzial, die Lücken dank Flüchtlingen zu füllen. Dies gilt insbesondere für Branchen mit einfachen Tätigkeiten.

Das zuständige Amt für soziale Sicherheit hat nun zusammen mit Gewerbeverband und Handelskammer einen Flyer gestaltet, der Firmen über die Möglichkeit der Beschäftigung von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen informiert.

Ziel: Weniger Sozialhilfebezüger

Das Ziel der Arbeitsintegration sei ganz klar, dass weniger Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene Sozialhilfe beziehen, erklärt Anne Birk vom Solothurner Amt für Soziale Sicherheit. Viele dieser Personen blieben für mehrere Jahre in der Schweiz. Der Aufwand zur Integration lohne sich deshalb – auch finanziell. Und wenn sie die Schweiz wieder verlassen sollten, nähmen die das Wissen ihrer Ausbildung und ihres Berufes mit. Das helfe den Flüchtlingen in ihrem weiteren Leben.

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