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Keine fahrlässige Tötung Freispruch für Psychiatrie-Pflegerin

Legende: Audio So verlief der Prozess gegen die Psychiatrie-Pflegerin abspielen. Laufzeit 09:49 Minuten.
09:49 min, aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 05.03.2019.

Eine 28-jährige Pflegerin der psychiatrischen Klinik in Windisch ist am Dienstag vom Bezirksgericht Brugg freigesprochen worden. Sie ist nicht schuld am Tod einer Patientin.

Die Patientin war 2016 freiwillig in die Klinik eingetreten. Angetrieben durch innere Stimmen war sie am Tag vor dem Klinikeintritt – mitten im Winter – in den Rhein gesprungen. Ob sie sich damit umbringen wollte oder nicht, ist nicht klar.

Patientin hörte Stimmen

Die nun Freigesprochene war die verantwortliche Pflegefachfrau der Spätschicht. Sie erlaubte der Patientin, ein Entspannungs-Bad zu nehmen. Bei einer ersten Kontrolle nach einer halben Stunde war noch alles in Ordnung. Beim zweiten Kontrollgang ungefähr eine weitere halbe Stunde später, lag die Frau tot in der Badewanne.

Ob es ein Suizid oder ein tragischer Unfall gewesen ist, bleibt offen. Die rechtsmedizinischen Gutachten konnten diese Frage nicht abschliessend beantworten.

Pflege-Verband reagiert erleichtert

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Pflege-Verband reagiert erleichtert

Im Vergleich zu den abgerechneten Pflegestunden seien solche Gerichtsfälle immer noch selten, sagt Erik Grossenbacher vom Schweizer Berufsverband Pflegefachpersonal, Sektion Aargau Solothurn. Trotzdem spüre man beim Verband eine Tendenz, zunehmend Einzelpersonen für solche Situationen verantwortlich zu machen. Es gebe eine gesellschaftliche Tendenz, immer einen Schuldigen zu finden. Man sei erleichtert, dass die Pflegefachfrau im aktuellen Fall freigesprochen worden sei, so Grossenbacher: «Solche Urteile haben eine Ausstrahlung. Wir haben ja einen Fachkräftemangel in der Pflege».

Angesichts der unklaren Todesursache befand das Bezirksgericht Brugg, die Pflegerin habe ihre Sorgfaltspflichten nicht verletzt. Sie habe auch die Patientin nicht ständig überwachen müssen. Es habe zu wenig Anzeichen gegeben, dass sich die Patientin etwas antun könnte. Auch bei einem klaren Suizid der Patientin wäre die Pflegerin freizusprechen, betonte das Gericht.

Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Die Aargauer Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung verlangt. Die Patientin habe bereits 2015 versucht, sich in der Badewanne zu ertränken. Das hätte die Pflegerin wissen können und müssen, befand die Staatsanwaltschaft.

Indem sie der Patientin erlaubte, unbeaufsichtigt ein Bad zu nehmen, habe die Pflegefachfrau die gebotene Sorgfalt verletzt. Dadurch habe sie das Risiko, dass die Patientin verstirbt, herbeigeführt bzw. erhöht, argumentierte die Staatsanwaltschaft erfolglos.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Diana Prince (Diana Prince)
    In welcher Traumwelt lebt die Aargauer Staatsanwaltschaft ? Pflegefachpersonen betreuen parallel bis zu 10 Patienten.... und da soll ein Bad überwacht werden ? Und falls der Patient einen Brief schreibt, dann gleich eine 2:1 Betreuung organisieren wegen Gefahr durch den spitzen Bleistift ? Hoffe dass die betroffene Fachperson zumindest eine Prozessentschädigung erhält. Kompliment ans Gericht für die klare Absage an diesen Irrsinn.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Einmal mehr wird der masslos ueberfordrte kleine Befehlsnotstaender gehaengt, und die fuer den Zeitmangel zur ebenso vorschriftsgemaessen wie auch noch humanen Berufsausuebung verantwortliche Befehls- und Politkette ungeschoren gelassen. Eine Nachtpflegefrau, die alle Krankengeschichten der ihr zuviel Anvertrauten auswendig lernen muss? Ein solcher Gedankengang kann auch nur in der endlosen Musse des Juxtizelfenbeinturms gebastelt werden....
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