Klingnauer Stausee Klingnauer Stausee droht Gerichtsfall statt Rettung

Das Aargauer Parlament wird sich erneut mit der Verlandung des Klingnauer Stausees auseinander setzen müssen. Denn: Die Regierung hat das Projekt erneut abgeändert, um dem Fischereiverband entgegen zu kommen. Doch dieser zeigt sich davon unbeeindruckt. Es droht ein juristisches Hickhack.

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Vom Stausee zum Naturparadies

Der Stausee ist 80 Jahre alt. Anfangs hatte er ein Volumen von 7 Millionen Kubikmetern. Heute sind es noch 2 Millionen. Für den Betrieb des Kraftwerks Klingnau ist der See nicht nötig. Es ist ein Flusslaufkraftwerk. Beim Bau hatte man aber noch Pläne für ein Speicherkraftwerk, die aber nie Realität wurden.

Es dauert schon sehr lange - und es könnte noch viel länger dauern: Das Projekt, das die Verlandung des Klingnauer Stausees verhindern soll, kommt weiterhin nicht vom Fleck. Während die Aargauer Regierung jetzt die Baubewilligung für ein Pilotprojekt gegeben hat, halten die Aargauer Fischer an ihrer Kritik fest.

Die Vorgeschichte: Der Klingnauer Stausee ist ein bedeutendes Schutzgebiet Wasser- und Watvögel. Gleichzeitig ist der See ein beliebtes Naherholungsgebiet. Aber der See verlandet mehr und mehr. Das wollte die Aargauer Regierung bereits vor zehn Jahren stoppen. Material sollte aus dem See geholt werden.

Giftige Sedimente: Mehrmals wurde das Projekt überarbeitet: Zuletzt sollten 20'000 Kubikmeter sogenannte Sedimente aus dem See geholt werden. Ein Teil davon ist stark belastet, mit PCB. Dieses wurde früher in elektronischen Bauteilen eingesetzt und gelangte danach in die Umwelt. Stark belastete Sedimente würden nun auf eine Deponie kommen, weniger stark belastete Sedimente in den Rhein.

Bedenken der Fischer: Das passte dem Aargauischen Fischereiverband nicht. Auch das schwach belastete Material sei zu stark belastet, behauptete der Verband. Und: Die Sedimente würden das Laichen für Fische im Rhein schwer machen. Nun erklärt der Kanton, mehrere 1000 Kubikmeter Kies in den Rhein zu kippen, damit die Fische besser laichen können.

Doch auch das reicht dem Verband nicht. Das sei nur «Kosmetik», heisst es dort auf Anfrage. Das Hauptproblem werde nicht gelöst. Auch das schwach belastete Material bereitet den Fischer Sorgen, das zeigen ihre Reaktionen. Schon heute dürfe man keinen Aal mehr verkaufen, weil zu viel Gift im Fisch drin sei, klagen die Fischer. Mehr giftige Sedimente im Rhein, das verschlimmere die Situation.

Beim Aargauer Gewässerschutz weisst Patrick Rötheli darauf hin, dass die internationale Kommission zum Schutz des Rheins das Vorgehen des Kantons «ausdrücklich begrüsst». Dazu gehört auch der Umgang mit den Sedimenten, so Rötheli. Unterstützung gebe es ausserdem auch vom Bundesamt für Umwelt.

Gerichtliche Verzögerung: In 10 Jahren wurde das Projekt vier Mal öffentlich aufgelegt. Der Kanton hat gewisse Anliegen der Fischer im aktuellen Projekt berücksichtigt. Aber sie hat nun die Baubewilligung erteilt. Der Fischereiverband will das nicht akzeptieren und zieht «mit grosser Wahrscheinlichkeit» vor Gericht, sagt Hans Brauchli vom Fischereiverband gegenüber SRF. Die Art und Weise der Sanierung des Stausees störe die Fischer.

Segen des Parlaments: Nun ist das Parlament an der Reihe. Im Sommer voraussichtlich wird es über das neue Pilotprojekt befinden. Nicht weil es teurer kommt als der bewilligte Kredit, sondern weil es stark verändert wurde. Eine Beschwerde würde das Ganze gut ein Jahr oder länger verzögern. Die Regierung nimmt folglich ein juristisches Hick-Hack in Kauf.