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KMU-Sorgenbarometer im Aargau Angst vor billigen Handwerkern aus dem Osten

Legende: Video Sorgen bei Aargauer Gipsern abspielen. Laufzeit 02:48 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 10.01.2019.
  • Das Aargauer Gewerbe ist grundsätzlich optimistisch für das Geschäftsjahr 2019 und erwartet eine unverändert gute Auftragslage. Allerdings: Die Stimmung im Bau-Nebengewerbe sinkt.
  • Das zeigt eine Umfrage des Gewerbeverbandes, welche am Mittwochabend präsentiert wurde.
  • Spengler, Gärtner und Gipser plagt die Angst vor Schwarzarbeit und «Schein-Selbstständigkeit» – kurz: Die Angst vor Konkurrenz aus der EU. Diese Sorge liegt neu an vierter Stelle im Aargauer KMU-Sorgenbarometer.
  • Hintergrund dazu: Die Schweiz und die EU diskutieren über ein Rahmenabkommen und über die flankierenden Massnahmen, also über die Regeln zum Schutz vor ausländischem Lohn- und Preisdumping.

René Bär führt ein Gipsergeschäft in Zofingen mit 23 Angestellten. Seine Firma habe sich auf Umbauten und Nischenprodukte spezialisiert, erklärt der Vizepräsident des Aargauer Berufsverbandes der Maler und Gipser. Den Bauboom spüre seine Firma kaum.

«Auf Grossbaustellen und bei Neubauten werden Subunternehmer angestellt. Da sieht man Arbeiter aus Polen und Rumänien.» Das führe zu einem hohen Preisdruck und zu sinkender Qualität, so Bär. Mittelgrosse Gipserbetriebe würden langsam verschwinden, es blieben nur noch die ganz grossen Player und die Kleinbetriebe.

Berufsverband will mehr Kontrollen

Bär hofft, dass die aktuell gültigen flankierenden Massnahmen bestehen bleiben, dass es also auch weiterhin strenge Regeln gibt für ausländische Gipser. Allerdings: Auch diese Regeln nützten nur teilweise.

Zum einen gibt es ausländische Arbeiter, die als Schein-Selbstständige arbeiten - und damit zum Beispiel keinen Anspruch auf den in der Schweiz gültigen Minimallohn haben. Zum anderen fehle es an Ressourcen, um die Einhaltung der Regeln zu prüfen. «Wir haben ein Problem bei den Kontrollen. Es braucht mehr davon», sagt der Zofinger Gipsermeister.

Gipser seien von der ausländischen Konkurrenz stärker betroffen als andere Berufsgruppen in der Baubranche, so Bär weiter. «Elektroinstallateure zum Beispiel müssen spezielle Bedingungen erfüllen, diese Vorschriften gibt es bei Gipsern nicht.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler (Wma)
    2004 anlässlich einer Velotour durch Ostdeutschland habe ich täglich ähnliche Klagen gehört. Dort sind es die polnischen Billigarbeiter gewesen, die täglich über die Grenze kommen und die einheimischen Arbeitskräfte konkurrenzieren. Viel hat man seither nicht gelernt, auf jeden Fall nicht diejenigen, die offene Grenzen mit unkontrolliertem Zugang so vehement fordern.
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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Die flankierenden Massnahmen sind nicht geeignet, um die Zuwanderung und das Lohndumping zu bremsen. Dazu braucht es eine Kontingentierung der Zuwanderung, wie wir sie in unserer Verfassung beschlossen haben und wie sie andere Staaten (Kanada, Australien und Neuseeland) seit Jahrzehnten mit Erfolg praktizieren.
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    1. Antwort von Jürg Häusermann (Ebenda)
      Richtig, und deshalb muss die PFZ weg.
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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Flankierende Massnahmen zur Personenfreizügigkeit (PFZ) helfen nur beschränkt! Die flankierenden Massnahmen gegen Lohndumping sind ja gut gemeint und verschaffen den Gewerkschaften und dem Arbeitgeberverband wieder mehr Bedeutung. Sie sind aber fast wirkungslos: 1. Die Kontrollen sind nur stichprobenweise möglich. 2. Die PFZ verhindert Lohnerhöhungen durch das Mehrangebot von Arbeitskräften. 3. Die Unterwanderung des regulären Arbeitsmarktes erfolgt über "Schein-Selbständigerwerbende".
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