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Aargau Solothurn Krankenkassen: 10'500 Aargauer sind auf der schwarzen Liste

Im Kanton Aargau stehen tausende von Personen auf der so genannten schwarzen Liste, weil sie ihre Krankenkassenprämien lange nicht bezahlt haben. 1,6 Prozent der Bevölkerung oder 10'600 Aargauer sind registriert. Nur in Notfällen bezahlt ihnen die öffentliche Hand die Behandlungskosten.

Medikamente in einer Dosierungsbox.
Legende: Wer auf der schwarzen Liste steht, muss medizinische Behandlungen und Medikamente selbst bezahlen – ausser im Notfall. Keystone

Ende 2015 standen im Kanton 10'547 Personen auf der schwarzen Liste der säumigen Prämienzahler. Ein Jahr zuvor waren es noch 7146, wie die Sozialversicherung Aargau SVA in ihrem Jahresbericht schreibt.

Diese Liste besteht seit Mitte 2014. Personen, die dort aufgeführt sind, sind mit einem Leistungsaufschub belegt. Sie müssen ihre medizinischen Ausgaben selbst tragen. Nur bei Notfällen erhalten sie finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Bis man auf der schwarzen Liste steht und in der Folge dann beim Arzt oder im Spital anbrennt, braucht es einiges:

  • Prämienrechnungen nicht bezahlt
  • Keine Reaktion auf Mahnungen
  • Eingeleitetes Betreibungsverfahren der Krankenkasse

Zuständig für die schwarze Liste ist die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Aargau SVA. Erhält sie von der Krankenkasse die Meldung, dass gegen einen säumigen Prämienzahler die Betreibung eingeleitet ist, erscheint diese Person aber immer noch nicht auf der Liste.

Die Liste hat Konsequenzen

Die Person erhält von der SVA einen Brief, in dem detailliert geschildert wird, was die Konsequenzen sind, wenn man auf der Liste steht. Die angeschriebene Person bekommt auch noch einmal eine Frist von dreissig Tagen, um der SVA zu belegen, dass sie die Prämien bezahlt hat oder bezahlen wird.

Erst wenn auch diese Frist ungenutzt verstreicht, landet die Person auf der Liste. Bezieht sie allerdings Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen, darf sie nicht auf der Liste aufgeführt werden.

Viel Aufwand für die Datenerfassung

Die SVA budgetiert zwei volle Stellen, um die Liste zu bewirtschaften. Diese sind damit beschäftigt, alle Meldungen der Krankenkassen über Betreibungen zu erfassen und in eine Datenbank einzuspeisen. Sie müssen sich auch mit Direktbetroffenen herumschlagen.

«Es gibt sogar Leute, die bei uns vorbeikommen. Das passiert aber in der Regel nicht, wenn die Leute zum Arzt gehen, sondern bereits vorher», erläutert Christoph Schmugge, Leiter des Bereichs Ausgleichskasse bei der SVA. «Wir haben meistens Kontakt mit ihnen, wenn sie unseren Brief erhalten haben.»

Rund 10'500 Personen auf der Liste der säumigen Prämienzahler, das entspricht 1,6 Prozent der Bevölkerung im Aargau. Eine hohe Zahl, die aber schwer einzuordnen ist. Man habe «keine Benchmark», sagt Christoph Schmugge von der SVA. Nicht sehr viele Kantone hätte eine schwarze Liste. Und bei jenen, die eine Liste haben, sei die Vergleichbarkeit nicht gegeben, da die Aufnahmekriterien nicht überall gleich seien.

Ob die schwarze Liste dazu führt, dass der Kanton am Schluss weniger Geld ausgibt für ausstehende Prämien, könne man noch nicht sagen, heisst es bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Aargau. Die Liste verursache viel Arbeitsaufwand. Andererseits sollte sie dazu führen, dass mehr Leute ihre Prämien zahlen. Um die Zahlen vergleichen zu können, brauche man sicher noch zwei bis drei Jahre.

Ausstehende Prämien

Zahlt jemand seine Prämien nicht und ist auch mit einer Betreibung kein Geld zu holen, erhält die Krankenkasse einen Verlustschein. 85 Prozent des ausstehenden Betrages kann die Kasse dann beim Kanton einfordern. Dafür bezahlte der Aargau im Jahr 2015 mehr als 15 Millionen Franken.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Hunderte sind nicht zahlungsunwillig, sondern schlicht zahlungsunfähig. Asylanten haben diesbezüglich kein Problem. Da läuft alles kostenlos.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Solche steigende Zahlen werden künftig noch viel gravierender ausfallen! Immer mehr "Lebenskünstler" leben über ihre Verhältnisse, schaffen sich alles an, obschon dazu nicht genügend Einkommen vorhanden ist. Schlussendlich werden ausgerechnet die gesundheitlich wichtigen Krankenkassenprämien nicht bezahlt! Die staatlichen Sozialeinrichtungen werden immer stärker und mehr belastet! Die Linken (und deren Wasserträger) setzen alles daran, einfach Hängematten aufzuspannen, statt genau hinzuschauen!
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