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Legende: Audio An den Aargauer Schulen fehlen über 400 Lehrerinnen und Lehrer abspielen. Laufzeit 02:55 Minuten.
02:55 min, aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 22.05.2019.
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Lehrermangel im Aargau «Es gibt für offene Stellen nicht mal eine einzige Bewerbung»

  • Im Aargau gibt es einen akuten Lehrermangel. Für das neue Schuljahr mit Beginn im August sind 442 Stellen offen, alleine 240 davon an Primarschulen.
  • Dies monieren Politiker im Grossen Rat von links bis rechts und fordern in einem eingereichten Parlaments-Vorstoss Antworten von der Regierung.
  • Das Aargauer Bildungsdepartement, Schulpflegepräsidentinnen und Lehrpersonen bestätigen den Mangel.
  • Auf viele Stellen gebe es keine einzige Bewerbung, heisst es zum Beispiel bei einer Schule in Suhr.

So extrem wie dieses Jahr sei es noch nie gewesen, sagt Linda Villiger, Schulleiterin der Primarschule Feld in Suhr. «Auf offene Stellen gibt es zum Teil nicht einmal eine einzige Bewerbung.» Villiger leitet die Schule in Suhr bereits seit 15 Jahren. Der Lehrermangel dieses Jahr sei wirklich akut.

Ähnliche Erfahrungen machen die Schulpflegen im ganzen Kanton. Colette Basler, Vizepräsidentin der Aargauischen Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten, bestätigt die Erfahrungen aus Suhr. «Wir haben einen Lehrermangel. Es ist bald Ende Mai. Über 400 offene Stellen, das ist viel. Die Stellen sollten auf August besetzt sein», sagt sie gegenüber SRF.

Sind die Löhne schuld?

Der Grund für den akuten Lehrermangel: Die Löhne, sagt Colette Basler. «Der Kanton Aargau ist seit Längerem wegen der tiefen Löhne nicht mehr konkurrenzfähig». Junge Lehrerpersonen wandern laut Basler in die Nachbarkantone ab. Dort seien die Löhne zum Teil bis zu tausend Franken pro Monat höher als im Aargau.

Viel Teilzeit, wenig Vollzeit?

Anders argumentiert Christian Aeberli, Abteilungsleiter Volksschule beim Kanton Aargau. Die Löhne würden ja per 2021 angepasst, man sei dran. In anderen Kantone gebe es auch einen Lehrermangel – trotz höheren Löhnen, so Aeberli.

«Es liegt daran, dass die Lehrpersonen der geburtenstarken Jahrgänge aus den 50er-Jahren nun pensioniert werden. Das waren oftmals Männer, die 100 Prozent als Lehrer gearbeitet haben. Von der Fachhochschule kommen aber vor allem junge Frauen nach. Diese möchten auch Teilzeit arbeiten.»

Arbeitsgruppe soll Plan B verhindern

Der Kanton habe nun eine Gruppe gebildet, die sich dem Lehrermangel annimmt. Man arbeite Massnahmen aus, so Aeberli. Man versuche Lehrerpensen zu erhöhen. Allenfalls müsste man Klassen in gewissen Fächern zusammenlegen, das sei aber noch nicht entschieden.

«Wir kontaktieren alle Lehrer, die einmal eine Stellvertretung gemacht haben. Wir zählen auf Mund-zu-Mund-Propaganda oder hoffen darauf, dass Lehrpersonen ihre Pensen erhöhen können», sagt auch Linda Villiger, Schulleiterin der Schule Suhr. Bis jetzt habe man noch nie Klassen zusammenlegen müssen, aber das wäre der Plan B. Und dieser sei für dieses Jahr leider sehr realistisch.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Notter  (notter.christoph@gmail.com)
    Als ehemaliger Lehrer auf allen Stufen halte ich rückblickend fest: Wenn grenzüberschreitendes Verhalten keine "eindrücklichen" Konsequenzen nach sich zieht, dann haben wir das, was wir heute als "Burnout" bei Lehrpersonen bezeichnen. Wir müssen uns verbale und physische Übergriffe von Schülern gefallen lassen denen wir nichts entgegen zu setzen haben (ausser den Rechtsweg zu beschreiten)!
    Wer will sich unter solchen Voraussetzungen sich zum A der Nation machen lassen?
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    1. Antwort von Verena Eberhard  (Verena Eberhard)
      Wie wahr. Ich bewundere die Lehrer. Die haben viel mehr Stress als alle Manager in der Privatwirtschaft zusammen. Zudem sollten anständige Löhne bezahlt werden, dann wäre die Stellensuche auch erfolgreicher.
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  • Kommentar von Manuela Nef  (Manuela Nef)
    Der Qjereinstieg müsste auch überdenkt werden.... Ab 3ü. braucht es zwar keine Matur mehr, jedoch eine 3 Jährige Ausbildung. Eine 2 jährige Lehre die damals eine normale Lehre war (keine anlehre) zählt nicht. Egal ob man den Aufnahmetest bestehe würde... Da stellt sich mir auch die Frage wie akut dieser Mangel wirklich ist, wenn sie Leute die wollen und Erfahrung mit Kindern haben nicht zum Aufnahmetest zulassen...
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Löhne der Lehrkräfte: Der Markt ist das beste Kriterium!

    Um das optimale Niveau der Löhne der Lehrkräfte festzulegen, gibt es nur ein vernünftiges Kriterium: der Markt! Gibt es zu wenige Stellenbewerbungen respektive Pädagogikstudentinnen und –studenten im Aargau, ist das Lohnniveau zu tief. Gibt es davon zu viele, ist es zu hoch.
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