Schlosskanton Aargau Schloss Wildenstein bewegt sich im Graubereich der Legalität

Bankett, Seminar, Geburtstagsparty – alles ist möglich im neu renovierten Schloss Wildenstein in der Gemeinde Veltheim. Aber das Schloss liegt in der Landwirtschaftszone, und diese lässt kommerzielle Aktivitäten gar nicht zu. Im Sinne einer Übergangslösung drückt der Gemeinderat fast beide Augen zu.

Das Schloss Wildenstein gehört Samuel Wehrli. Der Unternehmer wohnt seit einiger Zeit selber im Schloss. Und er möchte, dass die Öffentlichkeit Zugang hat zum Schloss. Diverse Räume kann man mieten. Auf der Internetseite des Schlosses steht: «Für Ihren Anlass stehen der Schlossgarten, Gewölbekeller, Gerichtssaal, Tagungszimmer, Hochzeitssuite und weitere Räume bereit.»

«  Es ist sicher eine positive Auslegung der rechtlichen Möglichkeiten, die wir hier vorgenommen haben. »

Ulrich Salm
Gemeindeammann Veltheim

Das Angebot kommt an. Das ist an den Wegweisern abzulesen, die regelmässig an den Zufahrten zum Schloss aufgestellt werden. Sie weisen auf die Parkierungsmöglichkeit hin. Diese befindet sich auf einer Wiese unterhalb des Schlosses.

Die falsche und die richtige Zone

Die Wegweiser zum Parkplatz weisen aber auch auf das Problem hin, das die Gemeinde mit den Aktivitäten auf Schloss Wildenstein hat. Es handelt sich zum Teil um eine gewerbliche Nutzung. Und diese ist eigentlich nicht erlaubt, denn das Schloss liegt in der Landwirtschaftszone. Trotzdem erlaubt der Gemeinderat dem Schlossherrn die Vermietung der Räume.

Ammann Ulrich Salm weiss, dass dies heikel ist: «Das ist in einem Graubereich, das wissen wir. Aber wir haben uns entschieden, die Möglichkeiten, die wir für vertretbar halten, zu bewilligen.» Der Gemeinderat ist im Dilemma: Er ist froh, dass das Schloss renoviert ist und zugänglich sein soll. Gleichzeitig darf er aber die rechtlichen Bestimmungen nicht ignorieren.

«  Wir dürfen nicht wirten. Nur Catering ist erlaubt. »

Samuel Wehrli
Besitzer Schloss Wildenstein

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Schlosszone Veltheim

Die Gemeinde will seit längerem eine Schlosszone schaffen für das Schloss Wildenstein. Diese würde gewerbliche Aktivitäten legalisieren. Doch gegen die Schlosszone gingen Einsprachen ein. Anfang 2017 gibt der Gemeinderat die Einspracheentscheide bekannt. In der ersten Hälfte 2017 soll die Gemeindeversammlung über die Schlosszone entscheiden.

Schlossherr Samuel Wehrli betont auf Anfrage von Radio SRF, alle Aktivitäten seien eng mit der Gemeinde abgesprochen. Vermietungen gebe es nur «hin und wieder». Die Hochzeits-Suite im Schloss sei bis jetzt nur drei- oder viermal vermietet worden. Allerdings: Vermarktet wird das Schloss von der Firma Schloss Wildenstein AG.

Und diese hat laut Handelsregisteramt den Zweck: «Durchführung aller nicht steuerbefreiten Aktivitäten im Schloss Wildenstein (...), insbesondere gewerbliche und kommerzielle Aktivitäten aller Art wie (...) Veranstaltung und Durchführung von privaten und öffentlichen Events».

Für den Gemeinderat ist klar: Die Bewilligungen für die Anlässe auf dem Schloss sind eine Übergangslösung. Nämlich bis zur Schaffung einer speziellen Schlosszone. Auch Samuel Wehrli hofft auf die Umzonung von der Landwirtschafts- in die Schlosszone. Dann könnte er nämlich auch seine weiteren Pläne umsetzen: Er möchte im Schloss ein Restaurant einrichten und mehrere Museen.

Die Vorgeschichte des Schlosses

Ulrich Salm, Gemeindeammann von Veltheim, kennt Schloss Wildenstein gut. Vor vielen Jahre war es ein Pflegeheim. Und in diesem Heim wurde seine Mutter gepflegt. Später fiel Schloss Wildenstein in einen Dornröschenschlaf. Es wurde unsachgemäss umgebaut und nur schlecht unterhalten.

Vor sechs Jahren wendete sich das Blatt. Der Unternehmer Samuel Wehrli aus Suhr kaufte das Schloss. Er verwandelte es in ein Bijou. Von weither leuchtet heute die weisse Fassade des Haupttrakts mit dem riesigen Berner Wappen.

Ammann Ulrich Salm freut sich über die gelungene Renovation: «Früher kannte man Veltheim wegen des Verkehrssicherheitszentrums. Doch das ist weg. Wir würden uns freuen, wenn man wieder sagen kann: Veltheim, das ist doch dort, wo das schöne Schloss steht.»