Scintilla und Co.: Sozialpartnerschaft hat gelitten

Der Kampf um die Arbeitsplätze bei der Scintilla in Zuchwil zeigt: Die Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften und Firmenleitungen ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Einen der Gründe sehen beide Seiten darin, dass Firmen immer weniger von Patrons geleitet werden.

Adrian Flury ist Vizepräsident der Solothurner Handelskammer. Er hat den Eindruck, die Sozialpartnerschaft habe in den letzten Jahren gelitten: «Früher konnte man besser miteinander kommunizieren. Heute sind die Fronten zum Teil schon von Anfang an verhärtet.»

Markus Baumann sieht es als Präsident des Gewerkschaftsbundes Kanton Solothurn ähnlich. Auf oberster Ebene, wo es um die Gesamtarbeitsverträge gehe, funktioniere die Partnerschaft. In den einzelnen Betrieben aber sei der Umgang härter. Einer der Gründe könnte sein, dass Firmen immer weniger von Patrons, sondern von globalen Konzernen mit Sitz im Ausland geleitet werden.

Patrons führen anders als Weltkonzerne

Baumann führt dies darauf zurück, dass er als Gewerkschafter vor 20 Jahren mehr mit Patrons verhandeln konnte. Heute seien viele Ansprechpersonen Externe, es gehe mehr um Profit und Rendite.

Adrian Flury ist selbst ein solcher Patron. Er ist Inhaber der Arthur Flury AG in Deitingen mit rund 100 Mitarbeitern. Einem Patron gehe es um die Leidenschaft fürs Produkt, die Leidenschaft für den Betrieb, um das Wohl der Firma, und nicht in erster Linie um die persönlichen Interessen, erzählt er im Gespräch mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF.

Mit globaler Wirtschaft steigt die ausländische Konkurrenz

Angespanntes Verhältnis zwischen Sozialpartnern: Globale Konzerne blicken skeptisch auf Gewerkschaften – und umgekehrt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Angespanntes Verhältnis zwischen Sozialpartnern: Globale Konzerne blicken skeptisch auf Gewerkschaften – und umgekehrt. Keystone

«Heute haben wir viele Firmen in der Region, bei denen das Entscheidungszentrum nicht mehr in der Region liegt», bedauert Flury. Er ist überzeugt, dass bei der Schliessung der Firmen Borregaard und Sappi auch der Umstand eine Rolle gespielt hat, dass diese von Weltkonzernen im Ausland dirigiert worden sind.

Dies allein könne den Stellenabbau und die Schliessungen bei den regionalen Firmen aber nicht erklären, meint der Vizepräsident der Handelskammer: «Man muss halt auch bei den Gewerkschaften zur Kenntnis nehmen, dass wir im Verhältnis zum Ausland in einer schwierigeren Situation sind». Flury nennt namentlich die hohen Löhne und den tiefen Euro.