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Besuch bei einem Elektrosensiblen – und was die Wissenschaft dazu sagt
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 26.02.2020.
abspielen. Laufzeit 11:24 Minuten.
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Spezielles Wohnungsinserat WLAN und Smartphone im Haus nicht erlaubt

In Derendingen hat ein Vermieter sein Haus saniert, um vor Strahlen zu schützen. Seine Hausregeln schrecken Mieter ab.

Thomas Fluri aus Derendingen leidet unter der Strahlung von Smartphones und kabellosem Internet. Entdeckt habe er und seine Frau dies vor etwas mehr als zwei Jahren, wie der 70-Jährige im Gespräch mit SRF erzählt: «Wir sind spezifisch sensibel auf WLAN und Bluetooth.» Sein Leben habe sich seither verändert. Er habe Probleme im Supermarkt an der Kasse, in öffentlichen Spitälern oder im Zug, überall dort, wo die Strahlung besonders hoch sei. «Die Symptome, die wir spüren, sind Schlaflosigkeit, Energielosigkeit, Bluthochdruck, Herzprobleme oder Krämpfe.»

Mann in grauem Pullover hält Handy in Hand.
Legende: SRF

Fluri und seine Frau haben reagiert. Sie haben damit begonnen, die vier Wohnungen in ihrem Mehrfamilienhaus zu sanieren, um vor Strahlung zu schützen. Der 70-jährige Elektroingenieur hat sich dazu unter anderem im Internet schlau gemacht: «Wir haben in den Wohnungen die Decken mit Graphitfarbe gestrichen und haben metallisierte Tapeten und Folien an Wänden, Boden und Decken montiert.» Ausserdem gibt es vor allen Fenstern im Haus lange, spezielle Vorhänge, die vor der Strahlung schützen sollen.

Wohnung innen, Parkettboden, Klavier, Fenster mit Vorhang.
Legende: SRF

Um zu zeigen, dass die Wohnung nun weniger verstrahlt ist, nimmt Fluri ein Messgerät aus der Tasche. Es ist etwa so gross wie ein Handy und zeigt mit einem akustischen Signal die Strahlung im Raum an. Tatsächlich: In der Wohnung macht das Gerät deutlich weniger Lärm, als an einem ungeschützten Ort vor dem Haus. Als Beweis, dass das Gerät überhaupt funktioniert, hält Fluri es neben ein Smartphone. Ist es aktiv, zeigt das Messgerät eine hohe Strahlenbelastung an, wird das Smartphone in den Flugmodus gestellt, bleibt das Messgerät ruhig.

Hand hält Gerät mit grünem Display.
Legende: SRF

Drei seiner vier Wohnungen im Haus hat Fluri bereits fertig saniert, diese will er nun wieder vermieten. Nur: Die Suche ist schwierig. In seinem Zeitungsinserat schreibt Fluri ausdrücklich, dass in seinem Haus kein WLAN und Smartphones erlaubt sind. Für viele ist dies ein Killerkriterium. In den vergangenen zwei Monaten hätten sich nur sehr wenige Interessierte gemeldet, dies obwohl, die Wohnungen relativ günstig zu haben sind. «Sobald ich den Menschen sage, dass sie ihr Handy nicht benützen dürfen, ist das Interesse weg. Oft verstehen sie mich überhaupt nicht.»

Beiges Haus an Strasse.
Legende: SRF

Als Elektrosensibler sei es ein Kampf David gegen Goliat, bedauert Thomas Fluri. Trotzdem will er sich weiter gegen Strahlung einsetzen. Er sammelt Unterschriften für eine nationale Initiative und engagiert sich auch gegen 5G-Handyantennen.

Elektrosensible - Das sagt die Wissenschaft

Elektrosensible - Das sagt die Wissenschaft
Legende:Christian von Burg, SRF-WissenschaftsredaktionZVG

SRF NEWS: Christian von Burg, muss man sich Sorgen machen wegen der Handy- und WLAN-Strahlung?

Christian von Burg: Nein, es gibt keinen Hinweis, dass Strahlung von Smartphones wirklich schädlich ist. Es ist zwar schon so, wenn man kurz vor dem Einschlafen noch Mobilfunkstrahlung ausgesetzt ist, dann können sich die Hirnströme verändern. Deshalb ist es sicher gut, wenn man die Sache im Blick behält. Aber: Mobilfunk gibt es seit 20 Jahren und wenn man in die Krebsregister schaut, zeigt sich klar, es gibt keine Zunahme von zum Beispiel Hirntumoren in den vergangenen 15 Jahren.

Es ist ein Thema, das sehr polarisiert. Was sagen Studien dazu?

Es gibt sehr viele Studien zum Thema, die sind natürlich von unterschiedlicher Qualität. Es hat darunter aber auch langfristige und verlässliche Studien. Je nachdem, wer die Studie anschaut, werden sie ganz unterschiedlich bewertet. Bei einem gesamthaften Blick auf die Forschung muss man aber klar sagen, es wurden bisher keine ernsthaften Risiken nachgewiesen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 12.03 Uhr, wasc;gutm

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