Wer profitiert vom Atommüll?

Vor allem die Gegner eines Atomendlagers im Bözberg machten in den vergangen Tagen auf sich aufmerksam. Die Befürworter halten sich dagegen bedeckt. Klar ist aber: Es gäbe Gewinner und Verlierer, falls das Endlager tatsächlich in den Bözberg käme.

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Bildlegende: Wo sollen Atomabfälle in der Schweiz dereinst gelagert werden? Blick in ein Zwischenlager im deutschen Gorleben. Keystone

Der definitive Entscheid ist noch weit weg: Erst im Jahr 2027 dürfte feststehen, wo ein oder mehrere Atomendlager entstehen. Bis es danach in Betrieb geht, dürfte es gar 2060 werden. Trotzdem läuft im Aargau die politische Debatte. Vor allem die Gegner haben für Schlagzeilen gesorgt. So überklebten sie etwa Ortstafeln mit Protestplakaten und haben auf dem Grundstück der Nagra-Präsidentin demonstriert.

Von Befürwortern ist dagegen bisher kaum etwas zu hören. Dabei ist klar: Auch in der Region Bözberg gibt es Firmen und Personen, welche von einem Endlager profitieren könnten. Dazu gehört gemäss einer Studie des Bundes die Baubranche. So bringt der Bau des Endlagers eine Wertschöpfung von bis zu 30 Millionen Franken pro Jahr und 245 Vollzeitstellen.

Fallen Häuserpreise?

Unklar ist dagegen, welche Auswirkungen das Endlager auf die sonstige Bauwirtschaft und auch auf die Preise der Häuser hat. Das Bundesamt für Energie gab zwar eine entsprechende Studie in Auftrag. Diese lasse aber keine Schlüsse zu, hiess es auf Anfrage.

Konkret stellt sich auch die Frage, ob das Endlager dazu führt, dass weniger Leute in die Region Bözberg ziehen würden? Dadurch könnte es zu einem Rückgang der Nachfrage und damit auch zu einem Einbruch der Hauspreise kommen.

«Dies kann man nicht ausschliessen», sagt Simone Brander gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF. Da es noch kein Atomendlager in der Schweiz gibt, sei die Entwicklung nicht absehbar. Allerdings gibt es bereits das Zwischenlager in Würenlingen. Dort habe es keinen Zusammenbruch der Häuserpreise gegeben, so Brander.

Tourismus und Bauern müssen Federn lassen

Ein wenig klarer sind die Prognosen dagegen bei der Landwirtschaft und dem Tourismus. Hier rechnet die Studie des Bundes mit negativen Auswirkungen des Atomendlagers. Beim Tourismus soll das Minus gut eine Million Franken betragen. Dies vor allem, weil der Jurapark Aargau für Wanderer wohl nicht mehr so attraktiv wäre.

Bei der Landwirtschaft würden wahrscheinlich vor allem die Weinbauern leiden. Für den Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbands, Ralf Bucher, ist klar, dass ein Wein aus einem Endlager-Gebiet ein Imageproblem hätte. Der Bund rechnet damit, dass den Bauern so etwa 400‘000 Franken entgehen würden.

Endlager für Wirtschaft nicht entscheidend

Letztlich hätten aber sowohl die zusätzliche Wertschöpfung als auch die Mindereinnahmen nur einen kleinen Einfluss auf die Wirtschaft rund um den Bözberg, sagt Ueli Müller von der Nagra-Regionalkonferenz. Er glaubt, dass das Endlager gerade einmal ein Prozent der Wirtschaftsleistung der Region ausmacht. Allerdings ist es für einige Branchen wichtiger als für andere. Dies dürfte dann auch entscheiden, wer das Endlager unterstützt und wer nicht.