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Baby-Gate im Grossen Rat «Ich war total überrascht, wie hohe Wellen das geworfen hat»

Lea Steinle äussert sich erstmals im Radio zu den Vorfällen im Grossen Rat, als sie aus dem Saal verwiesen wurde.

Legende: Audio «Ich hoffe, wenn mein Sohn erwachsen ist, hat sich das Thema erledigt» abspielen. Laufzeit 11:12 Minuten.
11:12 min, aus Regionaljournal Basel Baselland vom 30.11.2018.

Die Vorfälle im Grossen Rat lösen bei Lea Steinle auch eine gute Woche danach noch immer Kopfschütteln aus. «Ich hätte nie gedacht, dass so viel darüber geredet und geschrieben wird. Ich finde es bedenklich, dass wir heutzutage noch solche Diskussionen führen.» An der letzten Grossratssitzung wurde sie aus dem Parlamentssaal verwiesen, weil sie mit ihrem schlafenden Baby im Tragtuch den Abstimmungsknopf drückte.

Bedenklich, dass wir heutzutage noch solche Diskussionen führen.
Autor: Lea SteinleGrossrätin

Der Vorfall zeige, dass Frauenförderung in der Theorie zwar gut klinge. In der Praxis sei Gleichstellung aber nur teilweise erwünscht, sagt Steinle. «Wenn eine Mutter mit Kind gleichzeitig in der Rolle als Politikerin auftaucht, dann gibt es Diskrepanzen. Das zeigen auch die Kommentare, die es danach gegeben hat.»

Hass-E-Mails und Kommentare

Steinle habe etliche Hassbriefe und - Mails erhalten. Einige hätten zum Beispiel geschrieben, eine Mutter gehöre in die Familie. Andere unterstellten ihr, mediengeil zu sein und den Vorfall bewusst provoziert zu haben. Die 31-jährige Biologin habe aber auch unterstützende Post bekommen. Sie sei ermuntert worden, sich weiterhin politisch zu engagieren und sich für Gleichstellung einzusetzen.

Forderung nach Stellvertreter-System

Der Vorfall ist Steinle unangenehm. Trotzdem kann sie dem «Baby-Gate» auch etwas Positives abgewinnen: Sie hat damit eine Debatte lanciert, über die fehlende Regelung für Politikerinnen, die Mutter werden. In einem Vorstoss fordern die Grünen jetzt auch ein Stellvertreter-System für Grossrätinnen. Frauen, die im Mutterschaftsurlaub sind, sollen zum Beispiel durch die nachrückende Listenperson vertreten werden. «So könnte man gewährleisten, dass die politische Stimme der Frau, die im Mutterschaftsurlaub ist, nicht verloren geht.» Denn oft sind die Mehrheitsverhältnisse im Grossen Rat sehr knapp und es kommt auf jede Stimme an. Gerade im konkreten Fall, als Lea Steinle mit ihrem Kind im Tragtuch abstimmte, habe eine einzige Stimme den Ausschlag gegeben: «Wäre ich nicht dort gewesen, wäre die Jugendkulturpauschle nicht erhöht worden.»

Lea Steinle möchte möglichst bald wieder zum politischen Normalbetrieb zurückkehren. Mit Blick auf ihr Kind sagt sie: «Ich hoffe, wenn mein Sohn erwachsen ist, hat sich das Thema erledigt.»

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