Zum Inhalt springen

Basel Baselland Todesfahrer muss in geschlossene Klinik

Der Mann, der vor eineinhalb Jahren aus der Psychiatrischen Klinik ausgebrochen und mit einem gestohlenen Auto auf der Mittleren Brücke in Basel eine Frau zu Tode gefahren hatte, ist schuldunfähig. Das Gericht verurteilte ihn zu einer stationären Massnahme in einer geschlossenen Klinik.

Blumen auf der Mittleren Brücke am Ort, wo eine Frau zu Tode gefahren wurde.
Legende: Schuldunfähig Der Mann, der auf der Mittleren Brücke bei seiner Amokfahrt eine Frau tötete, muss in eine geschlossene Klinik. Keystone
Legende: Video Todesfahrer muss in geschlossene Klinik abspielen. Laufzeit 6:07 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 19.09.2013.

Für eine Todesfahrt in einem geraubten Auto in Basel wird ein heute knapp 29-jähriger psychisch kranker Mann in eine geschlossene Klinik eingewiesen. Das Strafgericht erkannte am Donnerstag auf vorsätzliche Tötung, befand den Schizophrenen aber für nicht schuldfähig.

Der Mann war im März 2012 in einem psychotischen Schub mit Gewalt aus einer geschlossenen Abteilung der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) ausgebrochen, hatte auf der Strasse mit Gewalt ein Auto geraubt und auf rasender Fahrt zur Mittleren Brücke acht Personen angefahren. Eine Frau starb, sieben Personen wurden teils schwer verletzt.

Im Prozess erinnerte sich der im Baselbiet geborene Mann kaum an jenen verhängnisvollen Tag. Von inneren Stimmen getrieben, habe er nur nach Mazedonien flüchten, aber niemanden töten wollen, sagte er aus. Das Gericht sah jedoch die Tatbestände vorsätzliche Tötung, mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung, einfache Körperverletzung, Raub etcetera als erfüllt.

Beweislage ohne Zweifel

Die Darstellung des Verteidigers sei unglaubwürdig, der Mann habe die Autos nicht rauben wollen sondern nur Schutz gesucht, sagte der Gerichtspräsident. Dann sei der Mann im innerstädtischen Feierabendverkehr viel zu schnell gefahren, laut Zeugen mit bis zu 80 km/h.

Zeugenaussagen, Tramvideos, Tatortspuren und Arztzeugnisse dokumentieren den Tatablauf laut Präsident klar. Bewiesen sei auch, dass eine Velofahrerin an den Verletzungen durch die Kollision starb - ihre DNA war auf der Frontscheibe des Autos. Auch bei den beiden Schwerverletzten sei seine Urheberschaft belegt.

Im Widerspruch zum Verteidiger, der auf Fahrlässigkeit plädiert hatte, sei das Gericht zudem «überzeugt», dass der Mann «gezielt auf die Leute zugefahren» sei. Damit habe er zumindest im Sinne des Eventualvorsatzes den Tod Dritter in Kauf genommen.

Vorsätzliche Taten

Der Mann habe trotz geborstener Scheibe auch genug sehen können, dass er nicht all die Opfer hätte treffen müssen, sagte der Präsident weiter. Das Gericht sehe so einen «direkten Vorsatz»: Auch wenn er vielleicht nach Mazedonien habe flüchten wollen, habe er doch unterwegs alle «aus dem Weg räumen» wollen.

Das psychiatrische Gutachten attestiert dem paranoiden Schizophrenen Schuldunfähigkeit. Für das Gericht ist dieses klar und schlüssig. Auch Erinnerungslücken im Prozess seien wohl der Krankheit zuzuschreiben. Der Mann war schon in der UPK gesessen, weil er seinen eigenen Bruder im Wahn attackiert hatte.

Das auch von Staatsanwalt und Verteidiger unterstützte Gutachten warnt vor grosser Rückfallgefahr. Statt einer Strafe schlägt es als Massnahme die stationäre Behandlung in einer geschlossenen Einrichtung vor; im Visier ist die Zürcher Klinik Rheinau.

Unter Baselbieter Verschluss

Das baselstädtische Strafgericht urteilte denn auch so: Für das Schutzbedürfnis der Öffentlichkeit sei eine explizit geschlossene Einrichtung angebracht. Für die genaue Zuweisung sind indes wegen deren ersten Urteils die Baselbieter Behörden zuständig. Ob und wann der Mann allenfalls frei kommt, sei in einigen Jahren neu zu begutachten.

Eine Opferanwalts-Forderung nach einer Genugtuungssumme von 8000 Franken wies das Gericht im Übrigen ab. Die Opfer seien durch Versicherungen respektive die Opferhilfe entschädigt worden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    *****Hotel und dieses unerträgliche Blablabla: Der Freiheit beraubt zu sein, egal ob Gefängnis oder geschlossener Irrenanstalt - dürfte wohl zugebener Massen kein Vergnügen sein. Einmal in der Klapsmühle verwahrt - ist nämlich eine saugute Einnahmequelle - siehe Krankenhaustagessatz - und ihr verschwindet darin auf Nimmerwiedersehen! Dafür braucht's einen gerichtlichen Beschluss. Und wenn's niemand hat, der das in die Wege leitet, ist's aus. Unterbringung in der Irrenanstalt: quel plaisir...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marcel Gasser, 4057 Basel
    und wieder geht so einer ins Hotel auf kosten vom Steuerzahler und nach 5 jahren ist er wieder frei als geheilt und so geht es immer weiter mit unserer Justiz das Opfer ist der Täter
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von andre piquerez, ebikon
    so ein Wahnsinniger darf niemals, niemals mehr frei in der Öffentlichkeit sein - viel zu gefährlich - der würde bestimmt Leute umbringen....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen