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Bern Freiburg Wallis 700 Jahre Industriegeschichte am Steffisburger Mühlebach

Seit dem Mittelalter fliesst der Mühlebach durch Steffisburg. Für Gewerbe und frühe Industriebetriebe wie Mühlen, Sägen und Knochenstampfen, die aus dem Wasserlauf ihre Energie bezogen, war es eine Lebensader. Ein neuer, gut dokumentierter Lehrpfad offenbart nun die reiche Geschichte des Kanals.

Oben am Fluss Zulg beginnt der drei Kilometer lange Mühlebach. Ein kleiner Kanal mit grosser Geschichte. Denn Mühlen, Sägen oder Knochenstampfen, Walken, Tuchfabriken, Oelpressen oder obrigkeitliche Schwarzpulvermühlen bezogen über Jahrhunderte die Kraft für ihre Wasserräder aus dem Mühlebach. Bis in die 1990er-Jahre diente das Mühlebachwasser noch als Kühlmittel für die damalige Oel- und Speisefett-Fabrik Astra mitten im Dorf, heute mit einem neuen Quartier überbaut.

«Es ist eine kulturhistorisch hochinteressante Strecke, ein Denkmal für einen Teil der wirtschaftlichen Entwicklung von Steffisburg», weiss der Thuner Georg Frank. Er hat über den Mühlebach eine über 900seitige volkskundliche Doktorarbeit geschrieben und kennt das Gewässer wie kein Zweiter. 700 Jahre sind aufgearbeitet.

Ein Glück, dass es ihn überhaupt noch gibt...

Als in den 1970er-Jahren die letzten Konzessionen für die Wassernutzung zurückgegeben wurden, gab es durchaus Erwägungen, den Mühlebach zuzuschütten. «Aber dann obsiegten die Stimmen, die dieses Industriedenkmal erhalten wollten. Die Alte Mühlebachgenossenschaft, der Zusammenschluss der ehemaligen Konzessionäre, ermöglichten eine umfassende Dokumentation», erinnert sich Georg Frank. Deshalb gibt's den rund 3 Kilometer langen Kanal von der Zulg bis zur Aare noch, inzwischen in der Obhut der Gemeinde Steffisburg.

Jetzt wird die Geschichte des Mühlebachs erlebbar

Seit Mitte Mai offenbart die Kraftader für das Gewerbe und frühindustrielle Betriebe ihre reiche Geschichte. Der «Verein Saagi am Mühlebach» hat den «Mühlebachweg», einen anregenden Lehrpfad eingerichtet, der auf Schautafeln und per Handy-App zeigt, was früher war und was davon heute noch sichtbar ist. Vom Einlauf an der Zulg bis zum Auslauf in die Aare schlängelt sich der Bach durch die Quartiere, murmelt leise durch sein Bett, treibt einzelne Wasserräder an und zischt über alte Schwellen und Wehre.

«Die Saagi am Mühlebach war das erste Projekt seit 2003. Da rumpelt und räblet es. Und dann haben wir weiter unten das kleine Fabriggli Mürner, da zeigen wir viele alte Handwerke», sagt Vereinspräsident, Gewerbler und Gemeinderat Stefan Schneeberger zufrieden.

Dass hier Steffisburger Geschichte geschrieben wurde, zeigt sich auch an den Strassen- und Flurnamen. Oeleweg, Weberweg oder Glättemühleweg oder der Industrieweg zeugen von der Vergangenheit, die nun wieder sehr lebendig wird.

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