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Bauboom an der Sprachgrenze Rasante Entwicklung im Walliser Weindorf

Viele Landbesitzer in Salgesch wollen bauen, bevor das neue Raumplanungsgesetz greift. Das hat weitreichende Folgen.

Ein Weinberg mit Häusern, im Hintergrund Berge in den Wolken.
Legende: Mehrfamilienhäuser mitten in den Rebbergen: Ein neues Bild in Salgesch. Priska Dellberg/SRF

Das Dorfbild von Salgesch verändert sich rasant: Grund sind zahlreiche neue Mehrfamilienhäuser am Dorfrand. Die Bautätigkeit hat derart zugenommen, dass die Gemeindeverwaltung ihr Personal aufstocken musste, um die vielen Gesuche zu bearbeiten.

Porträt von Didier Cina
Legende: Gemeinderat Didier Cina kann sich über wenig Arbeit nicht beklagen: «Letztes Jahr gingen bei uns 60 Baugesuche ein.» Priska Dellberg/SRF

Zwei Drittel der Baugesuche betreffen Mehrfamilienhäuser. Die Pläne sind weitreichend: Wohnraum für rund 400 Menschen ist in Planung oder bereits im Bau.

Winzer überbauen ihre Rebberge

In Salgesch reichen die Weinberge bis ins Dorf hinein. Aus diesem Grund befinden sich viele Reben in der Bauzone. Wie viel von diesem Boden Bauland bleibt, wenn das neue Raumplanungsgesetz einmal greift, wissen die Besitzer heute allerdings noch nicht.

Denn Salgesch gehört zu den Walliser Gemeinden, die wohl rückzonen müssen, um den neuen Anforderungen zu entsprechen. Diese treten ab Mai 2019 in Kraft.

Deshalb gibt es gleich mehrere Winzer, die Mehrfamilienhäuser in ihren Rebbergen bauen – solange das noch sicher möglich ist. So etwa die Besitzer der Kellerei Fernand Cina: Die Gebrüder Cina liessen zwei Mehrfamilienhäuser mit 10 Wohnungen erstellen.

Ein Mann steht vor einem Bauplakat.
Legende: «Ohne den Druck des Raumplanungsgesetzes hätte ich die Häuser nicht gebaut.» Winzer und Immobilieninvestor Manfred Cina. Priska Dellberg/SRF

Falls der Boden in Landwirtschaftsland zurückgezont wird, verliert er fast seinen ganzen Wert. Vor diesem Hintergrund haben viele Winzer aus dem Dorf den gleichen Weg gewählt wie die Cinas.

Neuzuzüger sprechen fast alle französisch

Bisher konnten beinahe alle Wohnungen vermietet oder verkauft werden, meist an Familien aus französischsprachigen Nachbardörfern. Aus einem solchen Dorf stammt auch die Familie Berclaz. Sie ist vor einigen Monaten nach Salgesch umgezogen.

Sie tat dies einzig aus sprachlichen Gründen: Der Familienvater hat erst im Teenageralter Deutsch gelernt und tat sich schwer mit der Sprache. Seinen Kindern will er das ersparen. Sie sollen von klein auf Deutsch lernen.

Eine Familie sitzt um den Tisch.
Legende: François-Xavier Berclaz und seine Frau wollen, dass die Kinder die deutsche Primarschule besuchen. Priska Dellberg/SRF

Dem Beispiel der Familie Berclaz sind viele gefolgt. Das bringt Primarschule und Kindergarten an die Kapazitätsgrenzen.

Der Platz wird immer enger: Für das nächste Schuljahr wurden bereits 25 Kinder für den Kindergarten angemeldet, das sind neun mehr als im laufenden Schuljahr, wie Schuldirektor Jan Zenhäusern weiss.

Porträtbild von Jan Zenhäusern.
Legende: «Zwei Drittel unserer Kindergartenkinder sprechen zuhause französisch»: Schuldirektor Jan Zenhäusern. SRF/Priska Dellberg

Die Schule steht vor grossen Herausforderungen, freut sich aber auch über «gelebten Kulturaustausch» zwischen Ober- und Unterwallisern. Wenn es nach den Gemeindebehörden geht, soll die Entwicklung im selben Stil weitergehen.

Deren Pläne sind ehrgeizig: Das Weindorf an der Sprachgrenze soll in den nächsten Jahren von 1550 auf 2000 Einwohner anwachsen.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Da nimmt das Volk endlich ein Raumplanungsgesetz an welches schnell umgesetzt werden sollte. Von wegen, es dauert so lange, bis der hinterletzte Landbesitzer Zeit genug hat, das Gesetz zu umgehen. Im Wallis ticken schon andere Uhren. Was sagt eigentlich der Bund dazu?
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