Berner Bauern beantragen viel Geld für die Landschaftspflege

Seit 2014 erhalten Landwirte Geld für die Pflege der Kulturlandschaft. Zu Beginn wehrten sich die Bauern gegen diese neue Direktzahlungsart. Doch jetzt sieht die Situation anders aus: Der Kanton könnte sogar mehr Beiträge auszahlen, als er Geld zur Verfügung hat.

Rund 70 Milliarden Franken ist die Schweizer Landschaft für den Tourismus wert. Zu diesem Schluss kam eine Studie des Bundesamts für Umwelt im Jahr 2002. Um die Pflege dieser Landschaft zu sichern, wurde im Rahmen der Agrarpolitik 2014-2017 eine neue Direktzahlungsart eingeführt: Bisher wurden die Bauern für ökologische Leistungen unterstützt – neu erhalten sie auch Beiträge für die Landschaftspflege. 30,8 Millionen Franken stehen dem Kanton Bern jährlich zur Verfügung, um den Bauern die Pflege der Landschaft abgelten zu können.

Zu Beginn gabs Widerstand

Am Anfang war der Widerstand der Bauern gegen die neue Direktzahlungsart gross – auch im Kanton Bern. Mittlerweile könnte der Kanton sogar mehr Beiträge entrichten, als er Geld zur Verfügung hat, derart zahlreich sind die Gesuche. «Die Bauern nehmen vor allem aus ökonomischen und nicht unbedingt aus ideellen Überlegungen teil», sagt Landwirt Hans-Jörg Nydegger aus Rüschegg im Gantrischgebiet. Er selber erhält auch Landschaftsqualitätsbeiträge: «Darüber bin ich froh, denn nun werde ich für die Landschaftspflege, auf die ich sowieso schon immer Wert gelegt habe, auch entschädigt.»

«  Die Bauern nehmen vor allem aus ökonomischen und nicht unbedingt aus ideellen Überlegungen teil. »

Hans-Jörg Nydegger
Landwirt aus Rüschegg

Doch was zählt zur Landschaftspflege? Hans-Jörg Nydegger pflegt den Waldrand, hat auf seinen Weiden Holz- statt Plastikzaunpfähle stehen, umsorgt seine Hofstatt und lässt die Grünstreifen in der Mitte auf den Kieswegen wachsen. Für all diese Arbeit erhält er Beiträge. Dass die Bauern nun «einfach Geld für Holzpfosten» erhalten, wie Kritiker bemängeln, dem widerspricht Nydegger: «Das Geld entschädigt meine Arbeit, die ich für das Setzen der Holzpfosten leisten muss. Dabei geht es nicht nur um das Setzen der Pfosten alleine. Ich muss vorher in den Wald, muss das richtige Holz suchen und die Pfosten dann zuschneiden.»

80 Prozent der Bauern erhalten Beiträge

Im ganzen Kanton Bern erhalten 80 Prozent der Bauern Landschaftsqualitätsbeiträge. Dass die Bauern im Gantrischgebiet von Anfang an dabei waren und beim Pilotprojekt mitmachten, ist auf die Arbeit von Hans-Jörg Nydegger zurückzuführen. Zusammen mit den Verantwortlichen des Naturparks Gantrisch, hat er die Bauern dazu bewegen können, die Pflege der Landschaft ernst zu nehmen, denn «als Naturpark profitieren wir schlussendlich von einer intakten, vielfältigen und schönen Landschaft», sagt Projektleiterin Karin Remund.