Berner Gefängnisleiterin wird von Häftlingen geschätzt

Seit neun Jahren leitet Marlise Pfander das Regionalgefängnis Bern. Mit ihrer respektvollen und menschlichen Art hat sie manchen Gefangenen gut getan. Kurz vor ihrer Pensionierung ist sie Gast im Regionaljournal.

Bei Bedarf kann Marlise Pfander durchaus laut werden, hinstehen und sagen «Stopp!» Aber sie kann auch anders: «Mit wenig Aufwand lässt sich viel bewirken», sagt sie. Etwa mit einem Lächeln und einem netten Wort. Manchmal könne eine Berührung an der Hand helfen und etwas Zuspruch, das komme schon wieder gut. «Das hilft mehr als eine Schachtel Valium.»

Wenn jemand ihr Kuscheljustiz vorwerfe, sage sie, die Kritiker sollten einmal erleben, was es heisse, 23 Stunden am Tag eingeschlossen zu sein. «Und innen hat es keine Türfalle». Marlise Pfander sieht ihre Rolle im Strafvollzug nicht darin, die Leute zu verurteilen und zu richten, das täten andere. «Wir sind für den korrekten Vollzug zuständig, also müssen wir die Leute nicht zusätzlich strafen.»

Respekt - nicht immer einfach, aber wichtig

Natürlich sei es manchmal schwer: «Wenn Sie einen Kinderschänder vor sich haben, hat man als Mutter und Grossmutter schon Mühe.» Aber es sei entscheidend für die Arbeit im Strafvollzug, dass man allen mit Respekt begegnen könne.

Die Art der Gefängnisleiterin kommt bei vielen Gefangenen gut an: Über die Jahre hat Marlise Pfander zahlreiche Briefe und Zeichnungen erhalten, Komplimente und Dank.

Marlise Pfander geht Ende Jahr in Pension, zur neuen Leiterin des Regionalgefängnisses Bern ist wieder eine Frau gewählt worden.

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Die Gefängnisdirektorin

22 min, aus Reporter vom 17.2.2013