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So geht die Gemeinde Diemtigen mit dem Thema Wildcampieren um
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 05.06.2020.
abspielen. Laufzeit 08:18 Minuten.
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Campieren in der freien Natur Wildcamper und Tiere kommen sich in die Quere

Campieren im Freien boomt, doch Wildtiere leiden. Nun wird nach Lösungen gesucht. Ein Besuch im Berner Diemtigtal.

Wer in den letzten Wochen campieren wollte, hatte keine Wahl: Da die Campingplätze geschlossen waren, mussten Camper in die freie Natur ausweichen. Es überrascht deshalb nicht, dass Gemeinden in der ganzen Schweiz in den letzten Wochen regelrecht überrannt wurden. So auch die Gemeinde Diemtigen im Berner Oberland.

Stress für Birkhühner und Gämsen

«Hier im Diemtigtal gibt es Rehe, Gämse, Hirsche, Steinhühner und Birkhühner», erklärt Wildhüter Rudolf Kunz. Für diese Tiere ist das Campieren in der freien Natur ein Problem: Weil die Störungen immer wieder und vor allem an immer wieder anderen Orten auftreten, finden die Tiere zu wenig Ruhe, so Kunz.

Jetzt findet die Aufzucht statt. Wenn wir die stören, gibt es nächstes Jahr weniger Tiere.
Autor: Rudolf KunzWildhüter

Gerade jetzt im Frühling, wenn die Tiere ihren Nachwuchs aufziehen sollten. Aufgeschreckte Vögel, die am Boden im Dickicht brüten, verlassen ihre Nester, die Eier erkalten oder Räuber wie Füchse fressen den Nachwuchs.

Strategie «sowohl als auch»

Interessiert lauscht Norbert Schmid diesen Infos. Er leitet die Geschäftsstelle Naturpark Diemtigtal und ist für den Tourismus verantwortlich, aber auch dafür, die Naturlandschaft im Tal zu erhalten. Es sei ja eigentlich erfreulich, wenn die Leute ins Diemtigtal kommen, so Schmid. Das Tal sei jedoch auf dem besten Weg dazu, ein Eldorado für Wildcamper zu werden. «Diese Art von Tourismus muss deshalb geregelt werden zugunsten der Natur- und Kulturlandschaft.»

Es ist ja eigentlich erfreulich, dass die Leute zu uns ins Tal kommen.
Autor: Norbert SchmidLieter Geschäftsstelle Naturpark Diemtigtal

Aktuell ist Campieren ohne den Landbesitzer oder die Landbesitzerin zu fragen zwar illegal, das Verbot wird aber kaum kontrolliert. Der Naturparkleiter schlägt vor: Mehr Stellplätze anbieten und diese bewirtschaften – auch an schönen Orten – und dafür sonst das Verbot streng durchsetzen. Damit würde die Tier- und Pflanzenwelt geschützt.

Unter anderem über diesen Vorschlag will die Gemeinde noch diesen Monat mit allen Beteiligten, also auch mit den Landbesitzern, an einem runden Tisch diskutieren.

Lösungsansätze werden getestet

Bereits jetzt tut sich aber etwas im Tal: Ein Landbesitzer, der zufällig vorbeikommt, erzählt, dass er einen Platz zur Verfügung stellt und auch einkassiert. Damit werden mehr Stellplätze geschaffen, wo die Camper geordnet bleiben dürfen.

Für den Naturparkdirektor Norbert Schmid ist es ein Schritt in die richtige Richtung: Denn wenn die Störungen immer am gleichen Ort erfolgen, können die Tiere sich darauf einstellen und problemlos damit umgehen. Und auch der Wildhüter Rudolf Kunz stellt fest: «Wir können die Entwicklung nicht aufhalten, aber wir müssen sie kanalisieren.»

Und was sagen die Camper?

«Wildes Campieren in Naturschutzgebieten geht natürlich nicht», sagt Reto Ruchti, Vizepräsident des Verbands Caravaningsuisse. Aber es müsse klar differenziert werden zwischen Wildcampieren und Übernachten auf Stellplätzen, was erlaubt sei. Allerdings fehlen aus seiner Sicht in der Schweiz genügend Stellplätze.

Die Möglichkeit, dass Landbesitzer ihren Boden zur Verfügung stellen und dafür Geld verlangen, hält er für eine gute Lösung. Denn: «Die Reisemobilisten sind auch gewillt, etwas zu bezahlen.» Im nahen Ausland würden in der Zwischensaison auch Bergbahnen oder Restaurants solche Stellplätze anbieten. «Vielleicht hat die Schweiz den Mehrwert dieser Möglichkeit noch nicht entdeckt.»

Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr;

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Iris Mathys  (Roxy)
    Es wäre wirklich wünschenswert, mehr Stellplätze in der Schweiz mit Entsorgungsstellen (Schwarzwasser) zur Verfügung zu stellen. Und nicht an Hauptstrasse oder Strassenkreuzen (wie bei Thusis). Schön ist, dass Landbesitzer Plätze zur Verfügung stellen. Aber m.E. zu einem überhöhten Preis von durchschnittlich CHF 50 pro Nacht meist mit spärlicher Infrastruktur. Es ist ein grosses Bedürfnis in der Schweiz für Camper mehr Möglichkeiten zu schaffen.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Klar ist, dass Menschen dort den Tieren in die Quere kommen und nicht umgekehrt. Der Mensch raubt den wilden Tieren immer mehr Lebensraum und versetzen sie zum Teil in Angst und Schrecken; im Winter - zum Beispiel durch Hängegleiter - bedeutet das für das aufgeschreckte Wild oft den qualvollen Tod. Es ist an uns Menschen, mehr Rücksicht auf die Tierwelt zu nehmen. Es gibt genug Campingmöglichkeiten, wo die Tiere nicht so bedrängt werden.
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    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      uvk, leider sind es Ausnahmen, die dieses Gefühl in sich tragen, Teil der Natur zu sein, sich entsprechend zu verhalten. Mensch hat sich von Anfang an über seine eigene Lebensgrundlage gestellt u.über die all seiner Mitgeschöpfe. Heute leidet die Erde unter einer bald 8Mia schweren, naturinkompatiblen Menschheit. Der hartnäckige Glaube an Einsicht macht jede andere Massnahme überflüssig, blockiert die einzige, effiz.Lösung: Bev'reduktion durch Geburtenregelung od.Zuwanderungsstopp in jedem Land.
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    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      uvk, leider sind es Ausnahmen, die dieses Gefühl in sich tragen, Teil der Natur zu sein, sich entsprechend zu verhalten. Mensch hat sich von Anfang an über seine eigene Lebensgrundlage gestellt u.über die all seiner Mitgeschöpfe. Heute leidet die Erde unter einer bald 8Mia schweren, naturinkompatiblen Menschheit. Der hartnäckige Glaube an Einsicht macht jede andere Massnahme überflüssig, blockiert die einzige, effiz.Lösung: Bev'reduktion durch Geburtenregelung od.Zuwanderungsstopp in jedem Land.
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  • Kommentar von Patrick Lohri  (Patrick Lohri)
    Ich habe ein paar Monate in einem Camper gewohnt, ohne festen Wohnsitz! Das Recht an öffentlich zugänglichen Orten im Auto zu übernachten muss erkämpft werden! Ein dicht besiedeltes Land wie die Schweiz ist kein Naturpark - Punkt! Kaum zu glauben, aber es gibt ein noch kleineres Land als die Schweiz wo "Wildcampen" ein verbrieftes Recht ist: Israel!
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    1. Antwort von Josef Graf  (Josef Graf)
      Trotz Ihres befehlerischen "Punkt!" erlaube ich mir doch eine Widerrede, Herr Lohri. Beim Campen oder Wildcampen geht es doch nicht bloss um Übernachten in einem Auto. Und wenn man in Israel keine Rücksicht auf die Natur nimmt, muss man das in der Schweiz ja nicht auch so machen. Mir ist es jedenfalls lieber, in einem Land ohne dauerhaften Kriegszustand zu leben und dafür auf die Umwelt Rücksicht zu nehmen. Da sind mir unsere vielen anderen Freiheiten wichtiger als herumzukarren.
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