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Legende: Audio Xenia-Leiterin Ammann: «Die Freiwilligen müssen ihre Grenzen kennen.» abspielen. Laufzeit 04:38 Minuten.
04:38 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 25.04.2019.
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Fachstelle Xenia stellt fest «Massive Zunahme von freikirchlichen Angeboten im Milieu»

Prostitution und Heilsarmee: das will in vielen Köpfen nicht so recht zusammenpassen. Anders sieht das Rahel Waehry. Die 33-Jährige ist seit vier Jahren im Berner Sexgewerbe unterwegs, für die Organisation Rahab. Ein Angebot – eben – der Heilsarmee.

Trotz des christlichen Hintergrunds sie sei nicht als Moral-Apostel unterwegs, sagt Rahel Waehry. Sie wolle nicht missionieren und auch nicht davon überzeugen, mit etwas anderem das Geld zu verdienen. Ihr gehe es bei den Besuchen darum, den Frauen Wertschätzung entgegenzubringen. Wenn die Sexarbeiterinnen keinen Besuch wünschten, respektiere man dies.

Eine gewisse Skepsis gegenüber solchen Angeboten hat Christa Ammann. Sie leitet die Berner Fachstelle Xenia, die seit 35 Jahren Sexarbeitende berät.

Christa Ammann

Christa Ammann

Leiterin Fachstelle Sexarbeit Xenia

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Die Berner Sozialarbeiterin sowie Heil- und Sozialpädagogin Christa Ammann leitet seit 2014 die Fachstelle Sexarbeit Xenia in Bern. Sie sitzt ausserdem für die Alternative Linke im Berner Kantonsparlament.

SRF News: Was halten Sie vom Engagement von Rahab?

Christa Ammann: Wir haben festgestellt, dass es im ganzen Kanton Bern in den letzten zwei Jahren eine massive Zunahme von freikirchlichen Angeboten gegeben hat, die im Milieu unterwegs sind. Und wir hören von den Sexarbeiterinnen, dass die Qualitätsunterschiede massiv sind. Häufig können wir nicht herausfinden, wer genau hinter den einzelnen Angeboten steckt, weil die Sexarbeiterinnen einfach nur wissen, dass es jemand von der Kirche war.

Die Qualität der freikirchlichen Angebote unterscheidet sich massiv.

Unterschiedliche Qualität – wie meinen Sie das?

Es fragt sich, ob die Freiwilligen wissen, wo ihre Grenzen liegen: Was sie können, was sie bieten, was sie versprechen können. Und es stellt sich auch die Frage, warum sie überhaupt im Milieu unterwegs sind. Missionieren sie oder nicht? Halten sie sich an die Schweigepflicht? Und wie gehen sie mit den Informationen, den Kontaktdaten um, wenn sie sich mal nicht mehr für diese Organisation engagieren?

Die Leiterin von Rahab Bern sagt klar, sie würden nicht missionieren. Trauen Sie dieser Ansage also nicht ganz?

Diese Aussage nehmen wir zur Kenntnis. Wir beobachten die Situation kritisch, weil derzeit so viele Leute unterwegs sind.

Ist Rahab eine Konkurrenz für Xenia?

Rein vom Angebot her nicht. Aber wir stellen fest, dass wir seit der deutlichen Zunahme an Angeboten viel Zeit verlieren, um zuerst einmal zu erklären, wer wir sind, was wir tun und was nicht. Das erschwert unsere Arbeit schon.

Wir verlieren viel Zeit, um zu erklären, was wir tun und was nicht. Das erschwert uns die Arbeit.

Mir scheint, Sie stehen diesem Angebot recht skeptisch gegenüber. Braucht es Rahab in Ihren Augen gar nicht?

Es ist nicht an mir zu beurteilen, ob es das braucht. Wichtig ist einfach, dass die Sexarbeiterinnen wissen, mit wem sie es zu tun haben, dass sie wissen, dass es ein freiwilliges Angebot ist. Aber grundsätzlich treffen da zwei erwachsene Menschen aufeinander. Und es ist ihnen überlassen, ob sie miteinander reden wollen oder nicht.

Das Gespräch führte Brigitte Mader.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Auch Jesus besuchte die Prostituierten da er merkte, dass diese Frauen auch anderweitige Zuwendung brauchen! Dies obwohl es alle anderen nicht taten. Ja, und nun kommen auch hier und heute bei uns die "amtlichen" und Offiziellen" mit ihren Bedenken und Vorbehalten. Damit ist aber niemandem geholfen, es braucht dazu die Tat und nicht das Formular! Und dann auch noch wie mein Vorschreiber uluru: Es treffen sich immerhin Erwachsene Personen!
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  • Kommentar von B Näf  (uluru)
    Die letzten zwei Sätze sind zentral.
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