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Der Borkenkäfer macht den Schutzwald kaputt: So ist die Situation im Goms
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 17.08.2020.
abspielen. Laufzeit 05:43 Minuten.
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Gefährliche Schädlinge Borkenkäfer fressen Dörfern ihren Schutzwald weg

Der Borkenkäfer kann sich durch Hitzeperioden frei ausbreiten. Aktuell ist die Situation so schlimm wie selten zuvor.

Revierförster Peter Aschilier von Forst Aletsch ist seit rund 30 Jahren in den Wäldern rund um Fiesch tätig. Er kennt sich aus. Auch für ihn ist aber das Ausmass neu, in dem sich der Borkenkäfer mit Name Buchdrucker vermehrt hat: Ganze Baumgruppen sind zerfressen, Nadelbäume sind orange verfärbt, rund ein Drittel der Fichten am Hang ist am Absterben. «Man weiss nicht, ob es den Rest im Herbst auch noch erwischt», so der Revierförster.

Was ist, wenn die Bäume fehlen?

Der Hang oberhalb des Walliser Dorfes Fiesch ist sehr steil. Wenn an diesem Hang die Bäume kaputtgehen, sind Häuser und die Kantonsstrasse nicht mehr vor Lawinen und Geröll geschützt. Inzwischen gibt es fast nur noch alte Fichten, die aber grossflächig vom Borkenkäfer befallen sind.

Das Problem ist seit 30 Jahren bekannt.
Autor: Peter AschilierRevierförster

Neue Bäume sind nicht in Sicht: Am steilen, trockenen Südhang dauert es rund 50 Jahre, bis ein Baum mannshoch ist. Hirsche und Rehe fressen nahezu alle neuen Triebe. «Man muss sich entscheiden: Will man Wald oder will man Wild?», so Peter Aschilier. «Die jungen Bäume fehlen in unseren Wäldern, darauf weist man schon seit 30 Jahren hin. Jetzt ist es dringend.»

Umgestürzter Baum
Legende: Weil Wildtiere die jungen Triebe abfressen, wachsen hier kaum mehr junge Sträucher und Bäume. Priska Dellberg/SRF

Im Kanton Wallis ist der Wald besonders wichtig, weil er fast immer eine Schutzfunktion hat, das akzentuiert das Borkenkäfer-Problem zusätzlich. Auch andere Regionen haben dieselbe Herausforderung. Laut der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) gibt es dieses Jahr fast so viele Borkenkäfer wie im Rekordjahr 2003. Damals begünstigten der Sturm Lothar und der Hitzesommer die rasante Ausbreitung der Käfer.

Der Klimawandel ist mitschuldig

In den letzten fünf Jahren war der Sommer jeweils sehr trocken. Das beobachtete auch Martin Bader, Insektenforscher der WSL. «Die Bäume werden mit den zunehmend trockenen Sommern auch zunehmend gestresst und deshalb anfälliger für Befall durch Insekten.»

Für den Borkenkäfer sind das perfekte Bedingungen.
Autor: Martin BaderInsektenforscher

Dieses Jahr gab es viel Sturmholz, das am Boden lag, dazu kam ein heisser und trockener April. «Für den Borkenkäfer sind das perfekte Bedingungen.»

Das machen Borkenkäfer

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Ein Borkenkäfer
Legende: Keystone

Der Buchdrucker (Ips typographus) ist laut der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL die wirtschaftlich wichtigste der über hundert in der Schweiz vorkommenden Borkenkäferarten. Immer kommt es dabei zu Massenvermehrungen.

Der etwa fünf Millimeter grosse, dunkelbraun gefärbte Käfer bevorzugt Fichten. In der Regel sind gesunde Fichten aber nicht sein Ziel, er greift eher die kranken und alten Fichten an. Der intensive Frass der Larven und Jungkäfer unter der Rinde unterbricht den Saftstrom der Bäume und in Zusammenarbeit mit Pilzen greifen sie die Wasserleitgefässe an. Dadurch sterben die befallenen Bäume schnell ab.

Die Schädlinge sind überall. Bekämpfen ist sehr schwierig. Einige Forstreviere räumen befallenes Holz weg. In der Aletschregion im Kanton Wallis hat man sich gegen diese Massnahme entschieden: «Wir lassen die Bäume stehen, weil wir so immer noch einen grösseren Lawinenschutz haben, als wenn wir sie fällen würden», sagt Revierförster Peter Aschilier.

Eine vom Borkenkäfer befallene Fichte.
Legende: Eine vom Borkenkäfer befallene Fichte. Keystone

Das sei die richtige Überlegung, sagt der Insektenforscher der WSL: «Die Bäume sind ja nicht von heute auf morgen weg.» Er schätze die Dauer auf maximal 10 Jahre, in denen befallene Bäume noch vor Lawinen oder Geröll Schutz bieten können.

Es ist schon viel später als fünf vor zwölf.
Autor: Martin BaderInsektenforscher

Danach brauche es viele neue Lawinenverbauungen. Sonst könne man den Schutz von Strassen und Dörfern unterhalb des Waldes nicht mehr gewährleisten. Zu lange warten dürfe man nicht. Wenn die Bäume erst mal weg sind, dann kommen die Steine den Hang hinunter. «Ich sehe dringenden Handlungsbedarf, fünf vor zwölf ist längst vorbei», sagt Martin Bader von der WSL.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 06:31/17:30 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Barbara Lampérth  (Luk 12/3)
    Der Wolf schütze den Wald.
    Landschaft der Angst.
    Weniger Verbiss der Jungbäume.

    Für das Klima ist der Homo "sapiens" verantwortlich, der Borkenkäfer ist nur eine Folge unseres Verhaltens.
  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Es ist definitv 2 vor 12 und an der Zeit den Wald der Zukunft zu erproben. Die Ficht war von Anfang an einfach ein Fehlgriff, weil nur an die Holzproduktion gedacht wurde. Douglasien, Sequoias, der Mittelmeerahorn und Eiche wären hitzeresistenter und auch schön anzuschauen. Und Douglasien könnten sicher sogar noch besser die Funktion eines Schutzwaldes übernehmen. Gegen den immer massiver werdenden Verbiss gibt es nur zwei Option. Konsequenter Wild schiessen und scheu machen, oder mehr Wölfe.
  • Kommentar von Charles Morgenthaler  (ChM)
    "Hirsche und Rehe fressen nahezu alle neue Triebe" klagt der Förster im Bericht. Also lasst eben Wölfe und Luchse leben, die kümmern sich dann schon um das Rotwild. Ein weiterer Grund um das neue Jagdgesetz abzulehnen.