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Gemeindefusion Berns Gedanken zu Ostermundigens Avancen

Die Zeit sei reif für eine Fusion, sagt der Ostermundiger Gemeindepräsident. Den Berner Stapi freut's.

Legende: Video Gipfeltreffen hoch über Bern und Ostermundigen abspielen. Laufzeit 01:19 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.09.2018.

Nirgends sieht man besser auf Ostermundigen und Bern: Auf dem ehemaligen Swisscom-Hochhaus an der Gemeindegrenze Bern-Ostermundigen kommt es zum Gipfeltreffen. Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried und Thomas Iten, Gemeindepräsident von Ostermundigen führen auf dem Dach des 20-stöckigen Turms ein «Verlobungsgespräch».

Das Parlament von Ostermundigen hatte kürzlich entschieden, Fusionsverhandlungen mit Bern aufzunehmen.

Ostermundigens Tabubruch

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Das Parlament von Ostermundigen hat zwei Vorstösse von SP und FDP zum Thema Fusion angenommen. Mit 21 zu 10 Stimmen beauftrage es den Gemeinderat, bis Ende 2020 erste Schritte in Richtung Fusion mit der Stadt Bern einzuleiten. Ein «Ehevertrag» ist damit noch nicht unterschrieben. Beide Gemeinden müssten diesem Zusammenschluss zustimmen.

Vor 100 Jahren hat letztmals eine Gemeinde mit Bern fusioniert. Das Bauerndorf Bümpliz im Westen der Stadt stiess damals zu Bern. Die Avancen von Ostermundigen werden als «historisch» bezeichnet.

SRF News: Thomas Iten, warum will sich Ostermundigen der Stadt Bern anschliessen.

Thomas Iten: Wir verhehlen nicht: Ostermundigen ist nicht auf Rosen gebettet. Die Gemeinde ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Das hat die Gemeinde finanziell belastet. Ostermundigen ist ja erst seit den 1980er-Jahren eigenständig, hat also eine Tradition in der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Und vor hundert Jahren wollte Ostermundigen schon mal mit Bern zusammen gehen. Bern hat damals abgelehnt.

Alec von Graffenried, eine Gemeinde, die aus lauter finanzieller Not mit Bern zusammen gehen will. Ist das die Braut, die Bern sucht?

Alec von Graffenried: Man muss das langfristig anschauen. Es war ein strategischer Fehler, das Bern zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht grösser gedacht hat.

Die Stadt Bern bekommt eine zweite Chance mit diesem Antrag von Ostermundigen.
Autor: Alec von GraffenriedStadtpräsident von Bern

Damals hätte Bern mit allen Nachbargemeinden fusionieren können, hat aber nur Bümpliz eingemeindet. Das war ein historisches Versäumnis. Die Stadt hätte sich anders entwickeln können. Jetzt bekommen wir eine zweite Chance. Diese sollten wir nutzen.

Ostermundiger Gemeindepräsident Thomas Iten blickt von Hochhaus auf Stadt Bern.
Legende: Den Blick nach Bern gerichtet? Thomas Iten, Gemeindepräsident von Ostermundigen. Matthias Haymoz/SRF

Was spricht denn für eine Fusion der beiden Gemeinden?

Thomas Iten: Gerade punkto Siedlungsentwicklung und innere Verdichtung kann Ostermundigen einiges bieten. Unmittelbar neben dem Bahnhof soll ja ein 100 Meter hohes Hochhaus gebaut werden.

Alec von Graffenried: Die grossen Sandsteinbrocken, mit denen in Bern Grosses gebaut wurde – das Rathaus, das Münster – stammen aus den Steinbrüchen von Ostermundigen. Zudem: Bern und Ostermundigen sind praktisch zusammengewachsen. Themen, die die Politik beschäftigen, hören heute nicht mehr an der Gemeindegrenze auf.

Ostermundigen hat keinen richtigen Dorfkern, aber trotzdem eine Identität.
Autor: Thomas ItenGemeindepräsident von Ostermundigen

Ostermundigen hat nicht wirklich ein Dorfzentrum. Hat man punkto Identität auch nichts zu verlieren?

Thomas Iten: Von aussen gesehen mag das so wirken. Aber die Vereine zum Beispiel, die sind in Ostermundigen sehr stark. Es gibt also durchaus eine Ostermundiger Identität.

Bern ist seit Langem eine rot-grüne Stadt. Ostermundigen ist eher bürgerlich geprägt. Das könnte den Einfluss von Rot-Grün in Bern schmälern.

Alec von Graffenried: Das glaube ich nicht. Die politischen Trennlinien verlaufen heute nicht mehr den Parteilinien entlang. Und der Stadt-Land-Graben geht sicher nicht zwischen Bern und Ostermundigen durch. Ausserdem: Ostermundigen kann seine Identität auch als Stadtquartier von Bern bewahren.

Wären steuerkräftige Gemeinden wie Bremgarten oder Muri nicht die besseren Partner für Bern?

Alec von Graffenried: Die Initiative muss von den Gemeinden ausgehen. Bern wird da nicht vorpreschen.

Die Bernstrasse in Ostermundigen und die Ostermundigenstrasse in Bern, würden sie umbenannt?

Alec von Graffenried. Das bleibt so. Das werden wir sicher nicht ändern.

Thomas Iten: Das sind die kleinen Dinge, die für die Leute relevant sind. Wenn die Gemeindegrenze aufgehoben wird, muss man nicht Strassen umbenennen.

Das Gespräch führte Brigitte Mader.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Adrian Flükiger (Ädu)
    Ein weiterer Vorteil ergibt sich daraus, dass mit diesem Schritt praktisch in einem Umgang das erste "mengenmässige Wachstumsziel" aus Sicht der stadtbernischen Politik erreicht werden kann. Abgesehen davon ist in diesem Ballungsraum punkto Problemen eh seit langem nicht an den jeweiligen Gemeindegrenzen "HALT" angesagt. Ein solcher Zusammenschluss scheint durchaus Sinn zu ergeben.
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