Ist die Armee für Thun Fluch oder Segen?

Das Verhältnis zwischen Thun und der Armee hat eine lange Tradition: Seit 200 Jahren gibt es in der Stadt einen Waffenplatz. Die Beziehung war allerdings schon intensiver als heute.

Menschen beobachten Pferde. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zuschauer verfolgen das Geschehen der Kavallerie beim Grossanlass «Thun meets Army». Keystone

«Seit jeher war es immer ein Geben und ein Nehmen. Probleme wurden am Tisch ausdiskutiert», sagt Hansueli von Allmen, ehemaliger Stadtpräsident von Thun. «Es gab aber sehr wenige Konflikte. Die Armee wusste, dass sie auf ein gutes Verhältnis zur Bevölkerung angewiesen war», so der ehemalige SP-Politiker.

«  «Die Armee hat Thun massgebend geprägt. Nicht nur vom Stadtbild her, sondern auch wirtschaftlich und politisch.» »

Hansueli von Allmen
Ehemaliger Stadtpräsident von Thun

Noch in den Achtzigerjahren beschäftigte die Armee in Thun über 3000 Personen. Von Allmen sagt: «In dieser Zeit prägte die Armee die Thuner Wirtschaft massgeblich.» Umso grösser war der Schock, als die Armee in den Neunzigerjahren sparen musste. Von Allmen: «Innerhalb von zehn Jahren baute die Armee 2500 Arbeitsstellen in Thun ab. Dieser Abbau fiel zusammen mit der Schliessung der Selve-Industriebetriebe und dem Kollaps der Spar- und Leihkasse Thun.»

Hansueli von Allmen, der fast 20 Jahren als Thuner Stadtpräsident amtete, blickt aber positiv auf diesen Schock zurück: «Die Thuner waren plötzlich gezwungen, auf eigenen Beinen zu stehen.» Der Schock setzte Kräfte frei. Kreative Köpfe hätten begonnen, eigene Ideen umzusetzen. Kleine Betriebe seien entstanden, und die hätten neue Arbeitsplätze geschaffen.

Aber es ging nicht nur wirtschaftlich bald wieder bergauf, so von Allmen: «Auch der FC stieg bald auf, zudem kamen Kulturveranstaltungen nach Thun.» Heute sei die Abhängigkeit von der Armee viel kleiner, und das sei gut so, meint von Allmen.