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Legende: Audio Eliane Michel: «Wir haben immer noch die Schwierigsten der Schwierigen» abspielen. Laufzeit 07:12 Minuten.
07:12 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 18.03.2019.
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Jugendheim Lory in Münsingen «Es ist nicht fair, das Lory heute als Gefängnis zu bezeichnen»

Es galt lange als Knast für «schwierige Mädchen». Jetzt will das Jugendheim Lory das alte Image korrigieren.

Ein Zaun umgibt das Jugendheim Lory in Münsingen. «Wir möchten, dass das nicht mehr das Erste ist, was man sieht», sagt Heimleiterin Eliane Michel. Deshalb wird im Moment eine neue Statue errichtet, die als Blickfang dienen soll. Das Jugendheim in Münsingen habe sich in den letzten Jahren komplett verändert.

Vom Knast zum Heim

In den 90er-Jahren, als Eliane Michel die Heimleitung übernahm, habe sich das Lory eher wie ein Gefängnis angefühlt: «Zu einer bestimmten Zeit wurden nachts die Lichter über eine Generalschaltung gelöscht.» Das sei heutzutage nicht mal in einer Strafanstalt üblich. Und schon gar nicht in einem Heim.

Wer kommt ins Jugendheim Lory?

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Das kantonale Jugendheim Lory nimmt maximal 28 Frauen im Alter zwischen 13 und 20 Jahren auf. Die jungen Frauen werden wegen Verhaltensauffälligkeiten wie Schul- und Lernschwierigkeiten, Drogenkonsum, Delinquenz oder Selbst- und Fremdgefährdung in der Institution der kantonalen Polizei- und Militärdirektion platziert.

Mädchen wurden früher zum Arbeiten ins Lory geschickt. Heute gibt es auch eine Schule und vor allem sozialpädagogisch ausgebildete Betreuerinnen und Betreuer.

Das Image blieb

Trotz Veränderungen hatte das Jugendheim immer wieder mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. «Einmal rief ein Vater an, der seiner Tochter das Lory zeigen wollte – zur Abschreckung», sagt Eliane Michel. Es sei wichtig, dass man das Heim als Heim wahrnehme und nicht als Knast.

«Es ist nicht fair, das Lory heute noch als Gefängnis zu bezeichnen.» Verschlossene Türen gebe es zwar, aber das passiere zum Schutz der Jugendlichen: «Wenn wir mit jungen Frauen arbeiten wollen, ist es eine Minimalanforderung, dass sie anwesend sind.»

Das Jugenheim Lory von oben.
Legende: zvg

Auch in Online-Foren erzählen Frauen, die früher ins Lory eingewiesen wurden, von traumatisierenden und schlechten Erinnerungen. «Wir streiten das nicht ab. Wir versuchen ihnen – wenn sie wollen – das Heim im heutigen Zustand zu zeigen.»

Eine Beziehung aufbauen

Jetzt steht erneut ein Paradigmenwechsel an. Dieses Mal bezüglich der Art und Weise, wie man mit den Mädchen umgeht und mit ihnen arbeitet.

Früher wurden die Mädchen zum Beispiel konsequent bestraft, wenn sie zu spät zur Arbeit kamen. Das mache man heute nicht mehr so, sagt Eliane Michel.

Portrait Eliane Michel.
Legende: Eliane Michel ist seit 1998 Heimleiterin des Jugendheims Lory. SRF

«Wir versuchen zu den Mädchen und jungen Frauen eine Beziehung aufzubauen», so die Heimleiterin. Durch gezielte Konfrontation und Diskussion könne man ergründen, weshalb jemand zum Beispiel überreagiert. Das könne natürlich auch zu Reibungen führen, aber: «Reibung erzeugt auch Wärme.»

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Das Lory hat auch Schmuck bearbeitet, gemacht, nebst Veloreparaturen.. und so habe ich die Chance genutzt und die "boesen" Maedchen haben fuer mich und meine Frau Anfang 90er Jahre zwei Anhaenger geschliffen aus einem Block Tigerauge.. den Rest durften sie behalten.. Ich trage diesen Anhaenger jeden Tag.. Danke den "boesen" Maedchen!!! Den Eindruck von Gefaengnis hatten wir uebrigens nicht... eher wie eine Schule.. na Ja..
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