Wahlen Stadt Bern Kritik aus den eigenen SP-Reihen

SP-Mitglied Peter Vollmer übt Kritik an seiner Partei, nachdem diese das Berner Stadtpräsidium verloren hat. Von aussen habe man den Eindruck, es gebe in der SP eine Machtarroganz. Das müsse sich ändern.

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Bürgerliche hoffen auf Berns Stadtpräsidenten

6:31 min, aus Schweiz aktuell vom 16.1.2017
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Hohe Erwartungen

Bürgerliche erwarten vom Stadtpräsidenten, dass er auch für sie ein Gehör hat. «Von Graffenried bleibt aber ein Grüner», sagt Bernhard Eicher, FDP. «Ich erwarte, dass er sich für die Wirtschaft, aber auch für die ganze Region einsetzt», sagt Unternehmer Peter Stämpfli. «Ich werde wohl nicht alle Erwartungen erfüllen können», meint von Graffenried.

Peter Vollmer stört sich schon länger am Gebaren seiner Partei. Für ihn kommt deshalb die Niederlage vom Sonntag nicht überraschend. «Die SP der Stadt Bern ist erfolgsverwöhnt», sagt Vollmer, welcher lange für die SP im Nationalrat war.

Arrogantes Bild abgegeben

«Dadurch entstand oft auch ein arrogantes Bild.» Peter Vollmer hofft, dass die Partei wieder mehr mit Argumenten arbeitet – und weniger auf die Mehrheitsverhältnisse pocht.

Nach 24 Jahren hat die mit Abstand grösste Partei der Stadt Bern das prestigeträchtige Amt an die deutlich kleinere Grüne Freie Liste verloren. Die Gräben im Rot-Grüne-Mitte-Bündnis RGM wurden dabei noch grösser.

Mit der Wahl von Graffenrieds falle das Bündnis aber nicht auseinander, meint Vollmer. «Das Bündnis muss neu definiert werden. Wenn man jetzt nicht zur Tagesordnung übergeht, kann das links-grüne Lager sogar gestärkt werden.

So reagiert die Parteileitung

Co-Präsident Stefan Jordi bestreitet, dass die SP zu arrogant auftritt. «Wir waren viel auf der Strasse und haben häufig mit der Bevölkerung gesprochen», sagt Jordi. Dabei sei ihm nie etwas in diese Richtung zu Ohren gekommen. Im Gegenteil: «Es gibt SP-Mitglieder, welche ein selbstbewussteres Auftreten der SP fordern.»