Zum Inhalt springen

Bern Freiburg Wallis Langsamer Regioexpress ohne Toiletten - der Direktor erklärt

37 Minuten benötigt der Schnellzug von Bern nach Solothurn. Wobei Schnellzug relativ ist: Die Züge halten an fast jeder Station. Es ginge auch anders, sagt Bahnexperte Hans G. Wägli. «Leider nein», kontert der RBS-Direktor. Und auch zu den fehlenden Toiletten hat er eine Erklärung.

Fabian Schmid in der Livesendung von SRF.
Legende: Am Bahnhof Bätterkinden erklärt Direktor Fabian Schmid «seinen» RBS. Thomas Pressmann/SRF

Zwischen Jegenstorf und Solothurn hält der als Regioexpress deklarierte Zug an fast jeder Haltestelle. «Solothurn hätte eine bessere Anbindung an Bern verdient», sagt Hans G. Wägli. Der Bahnexperte arbeitete sein Leben lang bei der Bahn, heute ist der pensionierte Berner Buchautor zahlreicher Fachbücher über die Bahn.

Porträt
Legende: Bahnexperte Hans G. Wägli wünscht sich eine Verbindung ohne Halt zwischen Bern und Solothurn. Thomas Pressmann/SRF

«Eine Nonstop-Verbindung wäre viel attraktiver», sagt Wägli. «Freiburg und Thun sind ja auch ohne Zwischenhalte an Bern angeschlossen.» Die Reise zwischen Bern und Solothurn müsste in einer halben Stunde machbar sein.

Der Bahnexperte schlägt ein System vor mit langsamen und schnellen Zügen, welche zwischen Bern und Solothurn verkehren. «Unter dem Strich wären weniger Fahrzeuge nötig. Der RBS könnte sogar Geld sparen.»

RBS-Direktor Fabian Schmid erklärt, warum die Züge in den Dörfern stoppen. «Eine direkte Verbindung ohne Halt zwischen Solothurn und Bern wäre ein Hit.» Die Mehrheit der Fahrgäste steige aber nicht in Solothurn oder in Bern ein. Wenn nun ein Teil der Züge die Dörfer entlang der Strecke nicht mehr bedienen würde, wären die anderen Züge überfüllt, sagt Fabian Schmid.

Pendler wollen Tempo

Die vielen Zwischenhalte zwischen Bern und Solothurn sind auch bei den Pendlern ein Thema. «Ich frage mich immer wieder, weshalb der Zug nicht einfach durchfährt», sagt eine Studentin, welche fast täglich von Bern nach Solothurn pendelt. «Für diese kurze Strecke von 34 Kilometern sind 37 Minuten schon eine lange Zeit», ergänzt eine weitere Pendlerin, welche im Bahnhof Bern gerade den Zug nach Solothurn besteigt.

Das sind 37 Minuten Lebensqualität.
Autor: Fabian SchmidDirektor RBS

Tatsächlich ist der Schnellzug zwischen Bern und Solothurn nicht besonders schnell unterwegs: Mit durchschnittlich 55 Stundenkilometer tuckert er zwischen Bern und Solothurn durchs Mittelland.

Immerhin drei Minuten Einsparung stellt der RBS-Direktor Fabian Schmid den Pendlern in Aussicht: «34 Minuten ist unser Plan für das Jahr 2020.» Dafür werde es eine Reduktion von sieben auf fünf Zwischenhalte geben. Letztlich sage er aber als Freund des öffentlichen Verkehrs, eine Fahrt von 37 Minuten sei doch ein Stück Lebensqualität.

Keine Toiletten

Im Zug zwischen Solothurn und Bern sucht man Toiletten vergebens. «Ich habe schon erlebt, dass jemand auf den Boden ‹gemacht› hat», erzählt ein Pendler. RBS-Direktor Fabian Schmid hat Verständnis, dass es Notsituationen geben könne. «Ich bin auch schon mit den Kindern ausgestiegen und habe einen Zug übersprungen.» Immerhin komme der nächste Zug bereits nach einer Viertelstunde.

Blick auf einen Zug der RBS
Legende: Der «orange Blitz» - ein gefragtes Vehikel. Bähram Alagheband/SRF

Es sei ein bewusster Entscheid, keine Toiletten in die RBS-Züge einzubauen, sagt Schmid in der SRF-Livesendung vom Bahnhof Bätterkinden. «Sie können nicht einfach ein kleines WC einbauen.» Heutzutage müsse eine Toilette rollstuhlgängig sein. «Das würde uns etwa 10 Prozent der Fläche für Passagiere wegnehmen.» Der RBS könnte dann weniger Leute transportieren. Dabei seien diese Züge jetzt schon sehr gut belegt.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    In der Schweiz verkehren nicht nur Züge ohne Toiletten, sondern auch solche mit defekten Toiletten. So musste ich gestern - von Luzern nach Stans fahrend - dringend aufs "Hüsli". Doch dieses war defekt. Zufällig kam der Zugführer und öffnete mir das WC. ich durfte zwar nicht spülen, weil es verstopft war. Vielleicht ist die Toilette inzwischen wieder geflickt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Also, dass man einen Zug überspringen muss, um das Allernötigste zu verrichten, grenzt schon an afrikanische Bananenrepublik-Zustände, und dies in der reichen Schweiz. Aber eben, es muss ja gespart werden, in diesem Land, sagt der Bundesrat. Aber nicht überall !!!!!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Als GA-Besitzer benütze ich oft und gerne gewisse Umwege, um von A nach B zu gelangen. Bei den von der RBS angeboteten "Schnellzügen", kann tatsächlich nicht von einem Schellzug gesprochen werden: Diese "Express-Züge" halten zwischen Jegenstorf und Solothurn praktisch auf allen Haltestellen an! Herr Wägli weiss, als pensionierten "Immer-noch-Vollblut-Bähnler", ganz genau, von was er spricht, im obigen Bericht. Hoffentlich ändert die RBS diesen unrealistisch tönende Fahrplan!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen