«Literatur bedeutete mir lange nichts»

Der Berner Michael Fahr sieht kaum etwas, dafür hört er umso besser. Der Autor schreibt seine Texte nicht, sondern diktiert sie. Für ihn ist das Wichtigste der Sprache ihr Rhythmus.

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«Drü Söili mit Ingwer»

Schauspieler auf  der Bühne

Bild: Rob Lewis

Bis Ende November ist das Stück «Die drü Söili mit Ingwer» im Schlachthaustheater in Bern zusehen. Michael Fehr interpretiert ein englisches Märchen neu. Der Berner studierte am Literaturinstitut in Biel. 2013 gewann Michael Fehr einer der Berner Literaturpreise. Dieses Jahr erreichte er beim Klagenfurter Wettlesen den zweiten Platz.

Ist es ein Mensch? Oder doch nur ein Abfalleimer? Michael Fehr ist sehbehindert. Er erkennt nur Umrisse und Schemen – das beflügelt seine Phantasie. «Mit meinem Schaffen will ich andere an meiner Phantasie teilhaben lassen», sagt Michael Fehr.

Der heute 32-Jährige spielte früher Schlagzeug und wollte Profi-Musiker werden. Er zerbrach an seinen eigenen musikalischen Ansprüchen, studierte eine Weile Wirtschaft und Jura und begann dann zu schreiben. Wobei «schreiben» es nicht ganz trifft: Michael Fehr diktiert mittels eines Computerprogramms seine Texte. «Diese Arbeitsweise beeinflusst meine Werke», ist Michael Fehr überzeugt.

In der Arbeit mit der Sprache fühlt sich Fehr frei. Die Zwänge und Ansprüche, die er beim Musizieren verspürte, hat er im Umgang mit der Sprache nicht. «Sprache bedeutete mir früher nichts, deshalb setzte ich mich nicht unter Druck. Das machte es mir einfacher.»

Mit der Zeit entdeckte er, dass die Sprache auch viel Rhythmus beinhaltet. Deshalb baut er seine Texte streng rhythmisch auf. «Ich merkte, dass Sprache eben auch Musik sein kann.»