Luchskonzept ist schwer umsetzbar

Nach dem «Fall Luna» wird Kritik am Schweizer Luchskonzept laut. Es braucht dringend Tierstationen, in denen die Raubkatzen artgerecht gehalten werden können.

Kleine Schafherde vor einem Gehege der Tierstation Landshut bei Utzenstorf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Unmittelbar neben einer Schafherde wurde die Luchsin Luna in Utzenstorf aufgezogen. SRF

Insbesondere ein Punkt müsse überdacht werden, sagt der Berner Jagdinspektor Peter Juesy im «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis» von Radio SRF. Es mache wenig Sinn, junge verwaiste Luchse in Tierstationen aufzuziehen und später wieder auszuwildern. So wie das im Fall der Luchsin Luna im Berner Oberland geschehen ist. «Das ist ein unnatürlicher Eingriff, der bei anderen Wildtieren auch nicht gemacht wird», so Juesy.

Bund winkt ab

Das Bundesamt für Umwelt will auf diese Forderung nicht eingehen. Denn es gebe einen guten Grund für diese Praxis, sagt Reinhard Schnidrig vom BAFU.

Praktisch jedes Jahr im Herbst würden Wilderer illegal Jagd auf Muttertiere machen. Die Jungluchse blieben dann zurück - auf sich alleine gestellt und meistens nicht überlebensfähig. «Wir wollen die Wilderer nicht belohnen und die Jungtiere auch noch sterben lassen», sagt Schnidrig.

Für die Unterbringung der Jungluchse müsse aber eine neue Lösung gefunden werden. Dem Wildtierverantwortlichen beim Bund schwebt eine abgelegene Tierstation vor, die von Bund und Kantonen finanziert und betrieben wird.

Der «Fall Luna»

Luchsin Luna wurde vergangene Woche im Kandertal eingefangen und in einen Zürcher Wildtierpark gebracht. Damit konnte ein Abschuss des Tieres verhindert werden.

Die Raubkatze hatte im Juli innerhalb von kurzer Zeit mehrere Schafe gerissen. Offenbar die Folge einer Fehlprägung in der Gefangenschaftshaltung: Die junge Luchsin hatte zuvor mehrere Monate in der Tierstation Landshut bei Utzensdorf verbracht – unmittelbar neben einer Schafherde.