Zum Inhalt springen

Header

Audio
Statt im Körper landen sie in der Verbrennungsanlage – teilweise werden ungeöffnete Medikamente entsorgt
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 19.02.2020.
abspielen. Laufzeit 07:08 Minuten.
Inhalt

Medikamente im Berner Müll So viele Betäubungsmittel landen im Abfall

Betäubungsmittel für 6 bis 7 Millionen Franken landen alleine im Kanton Bern jährlich in der Kehrichtverbrennung.

Das starke Schmerzmittel Morphium gehört dazu. Das ADHS-Medikament Ritalin auch. Beide sind Betäubungsmittel und werden vom Arzt, der Ärztin verschrieben. Und beide werden jedes Jahr tonnenweise verbrannt. Denn: Laut dem Schweizer Betäubungsmittelgesetz müssen abgelaufene Betäubungsmittel entsorgt werden. Das ist Sache der Kantone, respektive der Kantonsapotheker.

Vom Postpaket bis zum Lieferwagen

In Bern also von Samuel Steiner – er ist Berner Kantonsapotheker. Jahr für Jahr führt er Tonnen von zum Teil ungeöffneten Medikamenten in die Kehrichtverbrennung. Die Betäubungsmittel schicken ihm die Apotheken per Post zu.

Grössere Mengen Betäubungsmittel muss er mit dem Lieferwagen bei der Pharmaindustrie oder bei Pharmagrossisten abholen. Im Kanton Bern sind es rund 7 Tonnen Betäubungsmittel, die so jährlich entsorgt werden müssen. Das zeigen Erhebungen, die SRF vorliegen.

Wie sieht es im Rest der Schweiz aus?

Die Menge der entsorgten Medikamente und Betäubungsmittel variiert je nach Kanton stark. Einige Kantone entsorgen zudem auch Betäubungsmittel der Pharmaindustrie, diese sind in der Grafik allerdings nicht berücksichtigt.

In den Zahlen der Grafik enthalten sind ausschliesslich die Betäubungsmittel, die die Kantonsapothekerämter von Apotheken erhalten. Die Zahlen aus Bern sind mengenmässig mit den anderen Kantonen nicht vergleichbar, da in Bern auch die Betäubungsmittel aus der Industrie eingerechnet sind.

So viel Geld landet im Feuer

Der Berner Kantonsapotheker Samuel Steiner wollte es aber noch genauer wissen. Sein Amt ermittelte den Wert der Betäubungsmittel pro Kilogramm. Die Medikamente kosteten im Verkauf zwischen 600 und 1000 Franken.

Errechnet man mit diesem Kilopreis den Wert der Medikamente aus den anderen Kantonen, dann kommt man auf die Zahlen, die in der Grafik dargestellt sind. In Bern schätzt der Kantonsapotheker den Wert auf zwischen 4 und 7 Millionen Franken.

Der Schweizerische Apothekerverband Pharmasuisse schätzt auf Anfrage des «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis», dass jährlich in der Schweiz Medikamente im Wert von ungefähr 800 Millionen Franken im Abfall landen. Medikamente, die der Arzt oder die Ärztin verschrieben haben und zu einem grossen Teil die Krankenkassen bezahlen. Die Betäubungsmittel sind also nur die Spitze des Eisbergs.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12:03/17:30 Uhr; kocm;liec)

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Wieso sollen Patienten ungebrauchte Medis an die Apotheke zurückzugeben, wenn sie danach eh tonnenweise verbrannt werden, sie könnten sie doch ebenso gut in den eigenen Müll werfen? Nehme als Gegnerin nicht nur von Betäubungsmitteln seit 3-1/2 Jz nichts mehr an Medis ein. Die meisten werden fahrlässig verschrieben, verschlimmern trotz Placeboeffekt die Leiden, füllen samt ihren Nebenwirkungen Praxen und Spitäler, lassen die KK-Prämien in die Höhe schnellen und gelangen am Ende in die Umwelt.
  • Kommentar von Klaus Waldeck  (kdwbz)
    Handelt es sich um abgelaufene Medikamente aus dem Bestand der Apotheken (sofern ungeöffnet) oder um Medikamente welche von den Patienten zurückgebracht wurden ?
    Den Bestand in der Apotheke hat ja wohl kaum ein Arzt/Aerztin verschrieben ...
    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Sowohl als auch... (es gibt Pflichtbestand...)
  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Wegwerfgesellschaft, buchstäblich!