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Zwei Aktivistinnen, zwei Generationen: Gespräch mit Bettina Dauwalder und Tamara Funiciello
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 20.12.2019.
abspielen. Laufzeit 14:08 Minuten.
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Nach dem Frauenstreik «Wir kämpfen weiter, solange es nicht besser wird»

Eine halbe Million Frauen gingen am 14. Juni 2019 in der ganzen Schweiz auf die Strasse. 28 Jahre nach dem ersten nationalen Frauenstreik von 1991 waren viele Forderungen gleich geblieben: Mehr Gleichberechtigung, mehr Lohn und mehr Respekt.

Beim Frauenstreik engagiert haben sich auch die Bernerinnen Bettina Dauwalder und Tamara Funiciello. Die pensionierte Gewerkschafterin und die neu gewählte SP-Nationalrätin blicken zurück auf diesen historischen Tag und sprechen über die Folgen.

Bettina Dauwalder und Tamara Funiciello

Bettina Dauwalder und Tamara Funiciello

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Tamara Funiciello (geb. 1990) wurde bei den Eidgenössischen Wahlen am 20. Oktober 2019 für die SP des Kantons Bern in den Nationalrat gewählt. Zuvor war sie Mitglied des Berner Kantonsparlaments und präsidierte zwischen 2016 und 2019 die Juso Schweiz. Sie arbeitet bis 2016 als Gewerkschaftssekretärin bei der Unia.

Bettina Dauwalder (geb. 1954) war während 20 Jahren Gewerkschaftssekretärin beim Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD), zuständig für das Gesundheitspersonal. Zuvor arbeitete sie als Journalistin bei der Berner Zeitung. Seit Juni 2018 ist sie pensioniert.

SRF: Wenn Sie an den 14. Juni 2019 denken, was für ein Bild haben Sie im Kopf?

Bettina Dauwalder: Ich habe viele junge Frauen gesehen. Für uns Alte war es wunderbar zu sehen, dass sie wieder in die Bewegung eingestiegen sind und dass sie die Forderungen mit einer grossen Vehemenz vertraten. Das hat mich sehr beeindruckt.

Für uns Alte war es wunderbar zu sehen, dass Junge wieder in die Bewegung eingestiegen sind.
Autor: Bettina DauwalderPensionierte Gewerkschafterin

Tamara Funiciello: Einer der Schlüsselmomente war für mich ein Moment in der Berner Marktgasse: Frauen, die dort in den Einkaufsgeschäften arbeiten, haben eine verlängerte Pause gemacht um aufzuzeigen, dass sie sehr schlecht verdienen. Gleichzeitig zog eine Kinderwagen-Demonstration durch die Strasse. Für mich war das die Vereinigung von verschiedenen Kämpfen und das Zeichen dafür, dass man etwas bewegen kann, wenn man gemeinsam hinsteht.

Die Mobilisierung der Frauen wirkte sich auch auf die Eidgenössischen Wahlen aus. Der Frauenanteil im Nationalrat stieg von 32 auf 42 Prozent. Wie viele Stimmen hat Ihnen der Frauenstreik gebracht, Tamara Funiciello?

Ich weiss nicht, ob man das so quantifizieren kann. Aber sicher, es war eine Frauenwahl. Spannend ist, dass auch Frauen aus Parteien, die sich gegen den Frauenstreik ausgesprochen haben, davon profitiert haben. Ich finde aber schon interessant, dass diese 42 Prozent Frauenanteil jetzt so zelebriert werden. Es wäre doch auch schön, wenn wir einmal 50 Prozent hätten, oder sogar 52 Prozent.

Der Frauenstreik wurde einerseits von den Gewerkschaften, aber auch von vielen kleinen Gruppen getragen. Wie können diese Strukturen erhalten werden?

Tamara Funiciello: Ich glaube, diese Strukturen können nicht institutionalisiert werden, sie erhalten sich von selbst. Das Engagement muss von der Basis her kommen.

Die Strukturen des Frauenstreiks erhalten sich von selbst.
Autor: Tamara FunicielloSP-Nationalrätin

Aber der Frauenstreik lebt: Es sind schon viele Aktivitäten in Planung, zum Beispiel das 50-Jahr-Jubiläum des Frauenstimmrechts im Jahr 2021. Auf dem politischen Parkett diskutieren wir etwa die Verschärfung des Sexualstrafrechts. Ich glaube, solange sich die Situation der Frauen nicht verbessert, bleiben diese Strukturen bestehen.

Vergehen wieder 28 Jahre, findet der nächste Frauenstreik 2047 statt. Oder gibt es früher einen dritten Frauenstreik?

Bettina Dauwalder: 2047 bin ich wohl nicht mehr am Leben... (lacht). Ich finde es schwierig zu sagen, ob es einen nächsten Frauenstreik braucht. Vielleicht ist gar nicht nötig, wir streiken ja nicht zum Spass. Aber wenn es gar nicht vorwärts geht, kann ich mir gut vorstellen, dass ich mit 80 noch einmal auf die Strasse gehe.

Das Gespräch führte Leonie Marti.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Ramon Frey  (Ramon Frey)
    Ein schöner Artikel, ist doch wunderbar wenn man für seine Meinung einsteht.
    Allerdings liebes SRF ist es falsch von Gleichberechtigung zu reden, denn wo bitte haben Frauen nicht die gleichen Rechte wie die Männer? Dies impliziert, dass man irgendwo Gesetze ändern müsste die ungerecht sind.
    Die korrekte bezeichnung ist Gleichstellung, bei der es darum geht gesellschaftliche Nachteile oder Vorurteile abzubauen.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Es war verdankenswert, dass diese Frauen den Streik begingen. Schön auch, dass auch Männer mitmachten. Lohngleichheit für gleiche Arbeit sollte doch selbstverständlich weit mehr als 200 Jahre nach der Aufklärung. Aber in der Schweiz gehen solche Prozesse äusserst langsam, z.T. widerwillig, gebremst auch von mächtigen Wirtschaftsleuten und Politikern. Dann gibt es Rechtsbürgerliche, die solche Streiks verurteilen, aber selber Ungerechtigkeiten sozialer Art schützen als eigene Privilegien.
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    1. Antwort von Ramon Frey  (Ramon Frey)
      Bis heute gibt es keinen Nachweis, dass bei den Löhnen aufgrund des Geschlechts diskriminiert wird. Es gibt nur einen "unerklärten" Lohnunterschied von wenigen prozentpunkten von dem z.b. vermutet wird dass er daher rührt dass Männer bei Lohnverhandlungen mehr Risiken eingehen i.e. aggressiver auftreten.
      Zudem, wenn man frauen bei gleicher Leistung weniger bezahlen müsste, dann würden wohl landesweit nur noch frauen eingestellt.
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  • Kommentar von Simon Johannes  (johannes.simon)
    Eine auf den Plakaten gelesene Forderung: „Lohn für Hausarbeit“ finde ich ganz toll. Mein Sohn und ich machen den Haushalt, da Mama sehr viel am Handy „zu tun“ hat... Das ist kein Scherz, sondern unsere tägliche Realität. Dabei darf man sich dann noch verspotten lassen, wenn mal ein Messer oder ein Glas nicht perfekt sauber ist. Nähen kann die Generation der Achtziger und Neunziger auch nicht mehr. Nun schaue ich, wie ich meinem Sohn dies beibringe. Zum demonstrieren fehlt mir aber die Zeit.
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