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Pascal Biedermann: «Leerer Raum ist wie ein Brunnen ohne Wasser»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 10.10.2019.
abspielen. Laufzeit 05:30 Minuten.
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Nach Räumung in Zollikofen Soll man leerstehende Häuser zwischennutzen?

In der Berner Gemeinde Zollikofen wurde ein leerstehendes Altersheim mehrere Tage lang von einem Kollektiv besetzt, besprayt und belebt. Nach zweimaligem Ultimatum der Hausbesitzerin – der Gemeinde Zollikofen – wurde die Liegenschaft am Donnerstagmorgen von der Polizei geräumt.

Die Besetzung des Altersheimes in Zollikofen

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Das besetzte Haus in Zollikofen.
Legende:Keystone

Mit einem Grossaufgebot hat die Kantonspolizei Bern das besetzte ehemalige Betagtenheim geräumt. Die Räumung erfolgte ohne Zwischenfälle. 19 Personen wurden im Zuge des Einsatzes angehalten.

Eine Gruppierung von rund 100 Personen hatte sich vor einer Woche Zutritt verschafft und das zehnstöckige Gebäude besetzt.

Wem das Haus gehört

Momentan gehört das Haus noch der Gemeinde. Doch sie will es der Gebäudeversicherung Bern verkaufen, die es in ein Wohnhaus umbauen will. Die Verträge existieren bereits.

Anfang 2020 startet das Baubewilligungsverfahren – was auch bedeutet, dass ein Umbau frühestens in einigen Monaten beginnen kann.

Dass so ein Gebäude besetzt wird, damit müsse man rechnen, sagt Pascal Biedermann vom Verein «Unterdessen». Der Verein organisiert und vermittelt Zwischennutzungen.

Pascal Biedermann

Pascal Biedermann

Experte für Zwischennutzungen

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Nach seiner Ausbildung als Kaufmann studierte er zeitgenössische Musik in Wien. Neben diversen Weiterbildungen absolvierte er 2011 am Center for Philanthropy Studies der Universität Basel ein Nachdiplomstudium DAS Nonprofit Management and Law (University Professional).

Im Verein Zwischennutzungen Basel engagiert er sich für die Förderung von Zwischennutzungen im Raum Basel. Das Ziel besteht darin, durch die Vermittlung von Zwischennutzungen den Raum Basel belebter und kulturell vielfältiger zu machen.

SRF News: Was raten Sie Eigentümern von leerstehenden Liegenschaften – wie zum Beispiel einer Gemeinde?

Pascal Biedermann: Wir raten den Eigentümern immer, dass sie die Liegenschaften für Zwischennutzungen freigeben. Grundsätzlich ist leerer Raum eine Ressource, die man nutzen kann – bei Zwischennutzungen kann diese Ressource sogar besonders günstig genutzt werden. Zudem ist durch solche Projekte sichergestellt, dass der Raum nicht zerfällt. Und gleichzeitig hat die Gesellschaft etwas davon.

Muss sich eine Gemeinde also aktiv für Zwischennutzungen einsetzen?

Ich persönlich finde, die Gemeinde muss das machen. Sie hat eine gewisse gesellschaftliche Verpflichtung. Leerer Raum ist wie ein Brunnen ohne Wasser. Der Raum soll unter die Leute gebracht werden.

Sie raten allerdings davon ab, den leeren Raum als Wohnraum freizugeben.

Ja, das ist etwas, das man sich gut überlegen muss. Wo sollen die Leute, die für eine kurze Zeit in solchen Wohnungen leben können, nach Ablauf der Frist hin?

Zwischennutzungen sind nicht die Lösung, um günstigen Wohnraum bereitzustellen.

Zudem könnte da das Mietrecht verletzt werden. Unser Verein zieht da die Grenze: Wohnraum muss langfristig und unter klaren Bedingungen vermietet werden.

In Städten ist der Wohnraum knapp – und oft wird von Besetzern die Forderung laut, genau dort müsse es günstigen Wohnraum geben, wenn auch nur für eine kurze Zeit?

Zwischennutzungen sind nicht die Lösung, um günstigen Wohnraum bereitzustellen. Diese Frage muss man wahrscheinlich politisch regeln. Somit ist das eine Aufgabe der Städte und Gemeinden.

Gerade bei Zwischennutzungen gäbe doch es die Möglichkeit, völlig neue Wohnformen auszuprobieren?

Es braucht Platz für neue Wohn- und Lebensformen und Platz, um diese auszuprobieren. Es gibt keine Wissenschaft, keine Politik, keine Gesellschaft, die ohne Experimente auskommt. Solche Experimente brauchen wir. Deshalb haben die Gemeinden die Pflicht, das zu fördern.

Video
Die Besetzung ist beendet
Aus Tagesschau vom 10.10.2019.
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7 Kommentare

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  • Kommentar von Iris Kleiner  (Dusty)
    Es ist spannend, wie die Medien ihre persönliche politische Färbung einbringen. In dieser Angelegenheit haben sie zu 95% Menschen vor der Kamera gezeigt, welche dieser Aktion gegenüber aufgeschlossen sind. Den anderen, welche solche Handlungen verurteilen, geben sie nicht gleiches Gehör. Sicher verurteilt die Mehrheit solche Handlungen. Was die Besetzer innerhalb einer Woche angerichtet haben, lässt darauf schliessen, dass sie im Leben alleine nicht zurechtkommen und deutliche Worte brauchen.
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    1. Antwort von Irene Dirren  (Rugi64)
      Dusty: guter Kommentar!
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  • Kommentar von Jean-Claude Frei  (Jcf)
    Ein Haus besetzen ist das eine. Die entstandenen Unkosten und Verwüstungen das Andere.
    Die entstandenen Kosten müssten den Besetzer in Rechnung gestellt werden.
    Diese Kosten werden, wie auch die anderer Chaoten, von der Allgemeinheit, sprich Steuern, bezahlt.
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  • Kommentar von Irene Dirren  (Rugi64)
    Finde ich grundsätzlich eine gute Idee, wenn es bei der Zwischennutzung bleibt! Nur müsste das Gesetz so angepasst sein, dass man die "Zwischennutzer" auch wieder aus dem Gebäude bringt. Heute ist das so, dass man Mieter die die Miete nicht zahlen oder die Wohnung demolieren kaum mehr aus der Wohnung bringt. Der Schaden muss man oft auch noch selber bezahlen!
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