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Fast eine Familie: Das Ehepaar Stillhard und Berhe Goytom
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 24.02.2020.
abspielen. Laufzeit 05:22 Minuten.
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Privatpersonen springen ein Weshalb ein Ehepaar einen abgewiesenen Eritreer bei sich aufnimmt

Bald gibt es im Kanton Bern Zentren, wo abgewiesene Asylsuchende Nothilfe beziehen. Doch es gibt eine andere Option.

Berhe Goytom muss zurück. Das weiss er. Das Asylgesuch des 27-jährigen Eritreers wurde abgewiesen, das heisst, er darf nicht in der Schweiz bleiben. Gleichzeitig hat die Schweiz mit Eritrea kein Rücknahmeabkommen, das heisst, die eritreischen Behörden akzeptieren nach wie vor keine zwangsweise Rückkehr ihrer Staatsbürger. Und freiwillig geht er nicht. Er könne nicht zurück nach Eritrea, sagt er. Er erwähnt eines seiner Geschwister, das seit über 27 Jahren im Militärdienst ist. Er könne nicht so leben, sagt er. Berhe Goytom sitzt fest.

Eine neue Mama

Während seinem Asylverfahren hatte er Anrecht auf Asylsozialhilfe. Als sein Gesuch abgelehnt wurde, verlor er dieses Anrecht. Er würde neu acht Franken Nothilfe am Tag erhalten – deutlich weniger als zuvor – wenn er sich ab Frühling 2020 in einem Rückkehrzentrum unterbringen lassen würde. Aber: Berhe Goytom hat ein Berner Paar gefunden, das ihm ein Dach über dem Kopf, elterliche Liebe und finanzielle Sicherheit gibt.

Iris und Paul Stillhard leben in Wichtrach im Aaretal. Die beiden fühlen sich mit Berhe Goytom stark verbunden: «Wir lieben ihn genauso wie unsere eigenen Söhne», so Iris Stillhard. Der Eritreer sagt ihr Mama.

Wie das Asylsystem neu funktioniert

Am 5. Juni 2016 haben die Schweizer Stimmberechtigten dem neuen Asylgesetz zugestimmt. Wer in seinem Heimatland nicht verfolgt ist, kann und muss dorthin zurückkehren. Wer zurückkehren muss, darf nicht arbeiten. Den Entscheid, ob jemand verfolgt ist und somit in der Schweiz bleiben darf, trifft das Staatssekretariat für Migration (SEM) des Bundes, beziehungsweise das Bundesverwaltungsgericht. Das sind die Vorgaben des Bundes, die Kantone müssen die Entscheide des Bundes vollziehen.

2019 hat der Grosse Rat des Kantons Bern die neue Asyl- und Flüchtlingsstrategie beschlossen. Dazu gehört, dass es im Kanton drei sogenannte Rückkehrzentren gibt: Zentren, in denen abgewiesene Asylsuchende bleiben können, bis sie ausreisen. Bald sollen diese den Betrieb aufnehmen, die Standorte sind bereits bestimmt.

Mitte Januar 2020 informierte der Kanton Bern sämtliche Personen mit rechtskräftigem Wegweisungsentscheid ein erstes Mal. Alle rückkehrpflichtigen Personen, die sich nicht zu einer selbstständigen Ausreise entschieden haben, erhielten detaillierte Informationen zu ihrem persönlichen Transfer in das Rückkehrzentrum. Betroffen sind im Kanton Bern einige hundert Personen.

Auch Berhe Goytom.

Weshalb Berhe Goytom im Aaretal bleibt

Seit fünf Jahren ist er in der Schweiz, seit knapp einem halben Jahr lebt er bei Stillhards. «Ich hoffe, ich kann ihnen später einmal auch helfen», sagt er. Es fällt ihm nicht leicht, anzunehmen, was ihm das Ehepaar bietet.

Was das Ehepaar macht, ist nicht illegal. Der Kanton Bern ist informiert, es gibt eine Vereinbarung zwischen dem Migrationsdienst und dem Ehepaar. Iris Stillhard liest vor: «Mit der folgenden Vereinbarung verpflichte ich mich, für die Kosten der obgenannten Person des Asylbereichs aufzukommen: Unterbringung, Verpflegung, Hygiene, einschliesslich Transportkosten und Kleidung.» Als Gegenleistung darf Berhe Goytom im Haushalt helfen.

Aber er darf nicht arbeiten. Das heisst, er dürfte auch nicht mithelfen, den Garten umzugestalten. «Ich habe keine andere Zukunft als diese Familie hier», sagt Berhe Goytom. Für Iris Stillhard ist klar: Sie lässt ihn nicht umziehen in ein Rückkehrzentrum. Das würde sie mit ihrem eigenen Kind auch nicht machen.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12:03/17:30 Uhr; kocm;marl;haee

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Die Lösung: Ein Rückübernahme-Abkommen mit einem sicheren Drittstaat in Afrika. Bspw. Ruanda. Finanziert durch die Schweiz könnte man vor Ort Berufsschulen, Unterbringung, medizinische Versorgung und Sicherheit sicherstellen und zu einem internationalen Vorzeigeprojekt machen. Und 50 mal billiger als hier. Ähnliche Kultur, Sprache u. Mentalität. Hier: Nicht integrierbar, 90% Sozialfälle, zahlen davon STEUERN an ihr Regime, holen Partner nach, zeugen Kinder u. leben vom Staat. Super Sache.
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    1. Antwort von Hans Hegetschweiler  (hansicomment)
      1. Warum sollte Ruanda so einen Deal abschliessen. Die Politiker dort sind genauso nationalistisch wie die Schweizer Politiker.
      2. Sie haben eine lustige Vorstellung von Afrika: "Ahnliche Kultur, Sprache etc.". In Eritrea spricht man im Wesentlichen eine semitische Sprache, in Ruanda verschiedene Bantusprachen. Die beiden Sprachfamilien sind sich etwa so nah wie Schweizerdeutsch (indo-europäisch, Schweiz) und Chintang (sino-tibetisch, Nepal). Unwissen ist die Mutter aller Vorurteile.
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    2. Antwort von Andreas Meier  (Epikur)
      Was mir bei den Befürwortern dieses unfairen Asyl-Unsinns immer wieder auffällt: Dass Ihnen die Heuchelei der eigenen Haltung nicht im geringsten auffält. Wieso? Wenn bspw. Eritreer asylberechtigt sind, weil sie aus einem ungemütlichen, ärmeren nicht rechtsstaatl. Land stammen, wären de Facto ca. die Hälfte der Weltbevölkerung in der Schweiz asylberechtigt. Anstatt vielen effizient zu helfen, lieber hier sein oberflächliches "humanitäres" Gewissen beruhigen u. wenigen privilegiert "helfen".
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    3. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Epikur: Sie müssen unterscheiden: es gibt arme Länder, in der die Bevölkerung aber unbehelligt lebt und arme Länder, in denen die Bevölkerung drangsaliert wird. Eritrea gehört zu den Letzteren.
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  • Kommentar von Franz Giger  (fjg)
    Ist das jetzt ein neues Geschäftsmodell, dass sich abgewiesene Asylbewerber vermögende Grosseltern suchen?
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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Eritrea will kein Rücknahme-Abkommen ! Entwicklungsgelder fliessen trotzdem (die selbstverständlich auch angenommen werden) und es ist absolut unverständlich, dass darüber nicht verhandelt werden kann !
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Eritrea ist kein Rechtsstaat.
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    2. Antwort von Andreas Meier  (Epikur)
      Schon klar, das Regime ist ja selber der grösste Nutzniesser. Die kassieren sogar noch Steuern auf Sozialgelder hier, damit kaufen sich die "Migranten" frei, bzw. schützen sich vor evtl. Repressalien inkl. ihrer Verwandten. Sog. Flüchtlinge sind eine bedeutende Devisen-Quelle für das eritreische Regime geworden. Also klar werden die den Teufel tun, irgend ein Rückübernahme-Abkommen zu unterschreiben. Und die naive Schweiz blecht weiter fleissig Milliarden im In- und Ausland.
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