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Das Problem mit radioaktivem Abfall.
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Radioaktiver Abfall Das Erbe der Uhrenindustrie

Radioaktives Material landet noch heute immer wieder im Abfall. Für die Entsorger im Seeland ist das ein Problem.

Der Kessel und sein Inhalt sahen unscheinbar aus. Nur ein paar alte Uhrenteile – Alteisen eben. Die Mitarbeiter der Gemeinde Lengnau nahmen ihn ohne zu zögern mit. Die Überraschung dann auf dem Entsorgungshof: Ein Strahlenmessgerät schlug Alarm. «Ich erschrak», sagt Werkhofleiter Christian Gass über den Vorfall in diesem Sommer. Mit Radioaktivität hatte er nicht gerechnet. Doch die Uhren waren mit Radium behandelt worden.

Was ist Radium?

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Radium 226 ist ein natürliches radioaktives Element, das aus dem Zerfall des überall in der Erdkruste vorkommenden Uran 238 entsteht. Das 1898 von Pierre und Marie Curie entdeckte Radium fand aufgrund seiner Leuchteigenschaften rasch vielseitige Verwendung in der Uhrenindustrie und wurde zur Behandlung von Krebs eingesetzt.

Der Eigentümer der Abfälle konnte nicht mehr ausfindig gemacht werden – die Entsorgung von mehreren hundert Franken muss die Gemeinde Lengnau berappen. Die Mitarbeiter des Werkhofs schauen nun beim Abfall genauer hin und werden bei Uhrenteilen die Eigentümer bitten, sich selber um die Entsorgung zu kümmern.

Die Bühlmann Recycling AG in Münchenwiler bei Murten ist sich radioaktive Abfälle gewohnt. Gerade von der Uhrenindustrie aus der Region Biel gibt es immer wieder strahlende Abfälle. «Bei alten Zifferblättern schauen wir genau hin», sagt Mitarbeiter Tobias Wampfler.

Woher kommt der Abfall?

Die Uhrenindustrie ist nicht die einzige Verursacherin des radioaktiven Abfalls. Auch in der Medizin wurde Radium verwendet. Was heute erstaunt: Anfang des 20. Jahrhunderts galt Radioaktivität als gesund. «Es gab Trinkkuren mit radioaktiver Flüssigkeit», sagt Reto Linder, Strahlenschutz-Inspektor beim Bundesamt für Gesundheit. Es wurden Trinkbecher mit einer Radiumquelle versehen und mit Wasser gefüllt. Auch solche Dinge landen heute im Abfall.

Jeder Abfall mit potentiell radioaktiven Stoffen wird mit einem Strahlenmessgerät untersucht. Damit wird verhindert, dass gefährliche Abfälle weiterverarbeitet oder exportiert werden. Ab 2021 müssen alle Betriebe, die Alteisen verwerten oder exportieren, solche Untersuchungen durchführen.

Wohin damit?

Mehrmals pro Jahr finden die Mitarbeiter der Bühlmann Recycling in Münchenwiler radioaktiven Abfall. Diesen versorgen sie in einem Tresor. Einmal pro Jahr werden die Teile abgeholt und in das Zwischenlager des Bundes gebracht. Irgendeinmal werden sie dann definitiv in ein Tiefenlager eingelagert – doch bis es in der Schweiz ein solches gibt, vergehen noch Jahrzehnte.

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