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Thomas Hirschhorn über seinen Bezug zu Biel und Walser und den Umgang mit Kritik
abspielen. Laufzeit 17:51 Minuten.
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Robert-Walser-Skulptur in Biel «Für mich ist Robert Walser ein Held»

Die begehbare Skulptur von Thomas Hirschhorn polarisiert. Den Künstler stört das nicht. «Kritik ist ein Kompliment.»

Einen riesigen Bretterverschlag aus Spanplatten und Paletten hat der Künstler Thomas Hirschhorn auf dem Bieler Bahnhofplatz aufgestellt – mit Hilfe von Bielerinnen und Bielern. An den Holzwänden stehen Robert-Walser-Texte, auf Transparenten steht: «Auf die Frage: Warum ist Robert Walser so wichtig? bekommen Sie hier eine Antwort.»

Die begehbare Skulptur will einem breiten Publikum den Schriftsteller Walser näher bringen, der 1878 in Biel geboren wurde. Und dies auf sehr weit gefasste Art und Weise. Man kann Schach spielen, wandern gehen, es gibt Diskussionsrunden, Bielerinnen und Bieler lesen Walser-Texte vor.

Thomas Hirschhorn

Thomas Hirschhorn

Künstler

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Thomas Hirschhorn kam 1957 in Bern zur Welt, wuchs in Davos bei Adoptiveltern auf. Er absolvierte zunächst eine Schriftsetzerlehre, danach besuchte er die Kunstgewerbeschule in Zürich. Als er das Diplom hatte, ging er nach Paris, wo er als Grafiker arbeiten wollte. Dies gelang aber nicht.

Hirschhorn versteht sich als Künstler, der «Kunst politisch macht». Mit 38 Jahren konnte er von der Kunst leben. Grössere internationale Bekanntheit erlangte er mit der Installation «Swiss-Swiss-Democracy» im Schweizer Kulturzentrum in Paris, 2004. Teil der Ausstellung war ein Theaterstück, bei dem ein Schauspieler einen Hund mimte, der das Bein hob über einem Bild von Christoph Blocher.

Hirschhorn arbeitet stets mit billigen Materialien wie Klebband, Kopien oder wie in Biel mit Spanplatten und Paletten. Er hat weltweit in zahlreichen Städten Installationen im öffentlichen Raum inszeniert.

Thomas Hirschhorn über seinen Bezug zu Robert Walser

«Ich bin ein Fan von Robert Walser. Mir gefällt, wie er radikal den Misserfolg angesteuert hat. Mir gefällt, dass er sich verweigert hat in der psychiatrischen Klinik und nicht mehr weiterschreiben wollte in der Un-Freiheit. Er hatte keine Angst vor dem Abgrund. Und mir gefällt, wie er das Schwache, das, was man nicht beachtet, nicht wichtig findet, beschrieben hat. Für mich ist er ein Held.»

... über Menschen, die seine Kunst ratlos macht

«Ich bin seit 30 Jahren Künstler. Wenn jemand findet, das sei nicht Kunst, was ich mache, dann ist das ein gutes Zeichen. Ein Kompliment. Dann zeigt das, dass meine Kunst etwas ist, was Fragen aufwirft. Und über das sofortige Verstehen hinaus geht. Und darum bin ich glücklich, wenn jemand meine Kunst nicht sofort versteht.»

...über die Bieler Taxifahrer, die gegen die Skulptur Einspruch gemacht haben.

«Ich habe es gut mit den Taxifahrern. Wir haben uns geeinigt. In den Taxis liegt jetzt ein Buch von Robert Walser auf. Die Taxifahrer sind jetzt Teil des Kunstprojekts geworden.»

Taxi vor der Spanplattenwand mit Texten von Walser
Legende: Die Taxifahrer hatten zunächst keine Freude an der Skulptur, weil sie um ihre Standplätze fürchteten. Brigitte Mader/SRF

... warum die Skulptur auf den Bahnhofplatz gehört

«Der Bahnhofplatz macht Sinn. Hier sind viele Menschen. Robert Walser beschreibt in seinen Texten auch viele Bahnhof-Situationen. Mir hat auch nie jemand gesagt, es mache keinen Sinn, diese Skulptur auf dem Bieler Bahnhofplatz aufzustellen. Man sagte nur, es sei unmöglich. Zudem: Als Künstler bestimme ich den Ort, wo ich meine Installation im öffentlichen Raum machen will. Das ist mein Prinzip.»

... über das Café Brésil, seinen Lieblingsort am Bahnhofplatz.

«Ich finde es schön, dass es solche Cafés gibt, wo die Leute nichts konsumieren müssen, wo sie stundenlang einfach sitzen können. Das Café Brésil ist sogar Sponsor meines Projekts. Egal, ob man fein aussieht, super Erfolg hat, man ist dort willkommen. Es ist ein toller Ort.»

Schweizerische Plastikausstellung in Biel

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Blick auf die begehbare Skulptur
Legende:Brigitte Mader/SRF

Erstmals seit 1954 wird die alle paar Jahre durchgeführte Schweizerische Plastikaustellung in Biel von einem einzigen Künstler bestritten. Thomas Hirschhorn wurde zu dieser Ausstellung eingeladen. Für sein Kunstprojekt erkor er den Schriftsteller Robert Walser als Leitfigur.

Eigentlich hätte die Ausstellung bereits 2018 stattfinden sollen. Wegen Einsprachen unter anderem der Taxifahrer, die Angst um ihr Geschäft hatten, wurde sie um ein Jahr verschoben.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger  (jolanda)
    Wenn der umstrittene "Künstler" Hirschhorn selbstherrlich behauptet: "Wer mich und meine Kunst kritisiert und nicht mag, dann ist das für mich ein Kompliment!", ist jede weitere Diskussion über diesen stets heftig kritisierten "Provokateur" nutzlos! Anderseits beweist Hirschhorn einmal mehr, dass arrogante und uneinsichtige Provokation das Hauptwerkzeug der meisten "Künstler" ist und bleibt! Darum passt die bewilligte Bahnhofplatz-Barrikade auch sehr gut in die "Zukunfts-Stadt" Biel!
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    1. Antwort von S. Borel  (Vidocq)
      Wenn Kunst nicht mehr anecken darf, sind wir wieder gleich weit wie vor nicht mal 90 Jahren. Nein danke.
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    2. Antwort von Rolf Bolliger  (jolanda)
      Anecken und reine unanständige Provokationen gegen Menschen, die eine etwas andere Ansicht zu einer friedlichen und demokratischen Gesellschaft haben und auch dementsprechend leben, sind zwei ganz verschiedene "Paar Schuhe", Herr Bore! Immer mehr einfache, arbeitende und steuerzahlende Bürger(innen) in unserem Land tragen eben das "zweite Paar Schuhe", darum ist und bleibt Hirschhorn ein oft rein ideologischer Provokateur, der mehr "Feinde" als "Freunde" hat!
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    3. Antwort von S. Borel  (Vidocq)
      Wie ich schon geschrieben habe, müsste man wohl in den Augen des 2. paar Schuhe eine Art Wächterrat haben, der bestimmt, was „anständig“ und was nicht ist... und genau da wären wir wieder in den 30er Jahren angelangt. Sie brauchen, diese Skulptur ja nicht zu begehen. Ist keine Pflicht!
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