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Sozialhilfe im Kanton Bern Noch 5 Franken pro Tag zum Essen

Die Skos kritisiert die geplanten Kürzungen im Kanton Bern scharf, der Regierungsrat relativiert.

Legende: Audio Die Kritik der Skos und die Berner Reaktion darauf abspielen. Laufzeit 04:42 Minuten.
04:42 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 08.01.2019.

Bei 986 Franken pro Monat liegt der Grundbedarf der Sozialhilfe für eine einzelne Person. Kürzungen bei der Sozialhilfe würden gemäss einer Studie des Büros Bass die Existenzsicherung gefährden, gab die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos) bekannt.

Wie viel braucht man in der Schweiz zum Leben?

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Eine von der Skos publizierte Studie hat den aktuellen Grundbedarf, der in den SKOS-Richtlinien verankert ist, an der Realität überprüft. Sie hat ermittelt, wieviel ein Einpersonenhaushalt der ärmsten Bevölkerung in der Schweiz für den Skos-Grundbedarf ausgibt, also unter anderem für Essen, Hygiene, Kleidung, Bildung und Mobilität.

Der Durchschnittsbetrag, den ein Einpersonenhaushalt ohne Miete und Krankenkassenkosten ausgibt, liegt bei 1082 Franken. Diese Ausgaben übersteigen den aktuell von der Skos festgelegten Betrag von 986 Franken beträchtlich.

Im Kanton Bern erhält eine Einzelperson bereits heute weniger als den von der Skos festgelegten Betrag, nämlich 977 Franken pro Monat. Und Bern will den Grundbedarf in der Sozialhilfe weiter senken, um acht Prozent. Das würde für eine vierköpfige Familie bedeuten, dass noch fünf Franken pro Tag und Person übrig blieben zum Essen, sagt Therese Frösch, Co-Präsidentin der Skos.

Nach dem Frühstück hat man das ganze Geld schon verbraucht.
Autor: Therese FröschCo-Präsidentin Skos

Unter den Kürzungen würden insbesondere die mitbetroffenen Kinder leiden. «Sie machen 30 Prozent der Sozialhilfebeziehenden aus.» Eine Reduktion des Grundbedarfs sei ohne Beeinträchtigung der Gesundheit sowie ohne Defizite bei der Integration in die Gesellschaft nicht möglich, schreibt die Skos.

Bern bleibt dabei: «Minus acht Prozent»

Der zuständige Regierungsrat Pierre Alain Schnegg steht hinter den Kürzungen der Sozialhilfe im Kanton Bern. Sie seien «absolut vertretbar». Wem beispielsweise das Geld für ein Abonnement für den öffentlichen Verkehr fehle, der könne situationsbedingt zusätzliche Leistungen beziehen.

Die Kürzungen sind absolut vertretbar.
Autor: Pierre Alain SchneggSozialdirektor Kanton Bern

Zudem betont Pierre-Alain Schnegg, dass sich der Kanton Bern an die Richtlinien der Skos für den Grundbedarf halte – «einfach minus acht Prozent».

Die Volksabstimmung über das revidierte Sozialhilfegesetz findet voraussichtlich im Mai statt. Skos Co-Präsidentin Therese Frösch kann sich gut vorstellen, dass das Gesetz bei Annahme ein Fall für das Bundesgericht wird.

Ein Fall fürs Bundesgericht?

«Das Bundesgericht müsste entscheiden, ob man sich weigern will, Leuten in diesem Land, die Unterstützung brauchen, diese in genügendem Mass zukommen zu lassen», sagt Therese Frösch. Denn mit der geplanten Kürzung im Kanton Bern könne sich eine Familie kaum mehr genügend ernähren.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Kessler (KLERUS)
    Es war einmal vor 25 Jahren, da haben sich ein paar Berner Banken dermassen verzockt, das der Kanton einer einzelnen Bank mit 1,5 Milliarden unter die Arme greifen musste! Ich würde vorschlagen, das diese Bank damit beginnt diese Schulden zum Wohle der Schwächsten zurück zu zahlen! Und nein, die Schuld daran hatten nicht die Linken. Es war eine bürgerliche Politik die letztendlich zu ihrer Entmachtung in der Stadt Bern geführt hat und wir sind froh diese los geworden zu sein! MfG
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    1. Antwort von Beat Kessler (KLERUS)
      Ich muss meinen eigenen Beitrag präzisieren. Diese Bank hat bis jetzt ca. über 2 Milliarden an Dividende und Steuern zurück gezahlt. Nur wenn der Kanton diese 1,5 Milliarden nicht hätte zur Rettung aufwenden müssen, hätte diese Bank immer noch Dividenden und Steuern abgeworfen! Das heisst, dem Kanton sind Investitionen in Infrastruktur entgangen, die weit mehr eingebracht hätten. Der Bund hat es einmal ausgerechnet und bei ihrer Rechnung kamen sie auf 1,7 Milliarden...
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  • Kommentar von Sonja Wilson (Sonja Wilson)
    Also dürfen diese Familien nie etwas Aufschnitt dazu essen? Nie ein gutes Steak am Mittag etc. etc.? Nein zu diesen absurden Kürzungen in dieser teuren Zeit. Kinder bekommen nicht 986 Fr.!! Verschuldet - 4028 Franken Wer Schulden hat, kann bis auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum gepfändet werden. Zum Beispiel: alleinerziehende Frau mit zwei Kindern, Kt. Aargau Grundbedarf erwachsene Person 1200 11-jähriges Kind 600, 7-jähriges Kind 400 (Beobachter)
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    1. Antwort von Marianne Känzig (Marianne Känzig)
      Es ist schon stossend, dass in diesem schwerreichen Land überhaupt so etwas diskutiert werden muss!
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  • Kommentar von Adi Berger (Adi B.)
    Wie kann eine SKOS-Präsidentin behaupten, der Verpflegungskredit sei nach dem Frühstück aufgebraucht. Bei 5 Fr. pro Person total 20 Fr. bei einer vierköpfigen sozialhilfeabhängigen Familie. 300 gr Brot, 1-2 Teebeutel, 50 gr Butter und ein Löffel Konfitüre kosten ganz bestimmt keine 20 Franken Frau Frösch.
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    1. Antwort von Marianne Känzig (Marianne Känzig)
      Danke, Herr Berger, dass Sie diesen Menschen jetzt auch noch Diät verordnen! Das sind jetzt gerade mal ca. 300 kcal, die Sie hier zum Frühstück verordnen. Wie die restlichen 1700 kcal für den Tag finanziert werden sollen, ist mir schleierhaft. Es wird daran gemessen, was in der Schweiz durchschnittlich zum Frühstück konsumiert wird. Darf es auch etwas Milch? Zucker? Vielleicht sogar Ovo für die Kinder sein? Menschenverachtend, was Sie hier posten!
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