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Zollikofen will besetztes Haus räumen lassen
Aus Schweiz aktuell vom 08.10.2019.
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Zollikofen droht mit Räumung Hausbesetzer lassen Ultimatum verstreichen – wieder

Die Gemeinde Zollikofen droht den rund 100 Besetzern im früheren Betagtenheim mit der Räumung. Doch die wollen bleiben.

Farbige Fassade, versprayte Fenster, Transparente: Das ehemalige Betagtenheim in Zollikofen sieht seit einigen Tagen nicht mehr aus wie zuvor. Eine Gruppierung hat sich am letzten Donnerstag Zutritt verschafft und besetzt das zehnstöckige Gebäude seither. In Zollikofen wird emsig diskutiert über die neuen Nachbarn.

Wir dulden die Besetzung nicht.
Autor: Daniel BichselGemeindepräsident Zollikofen

Für Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP) ist die Situation unhaltbar: «Wir haben Mühe, wenn man ein Haus illegal in Anspruch nimmt. Das duldet der Gemeinderat nicht».

Bereits letzte Woche hat der Gemeinderat von Zollikofen den Besetzern ein Ultimatum gestellt, um das Haus zu verlassen. Ohne Reaktion. Ein zweites Ultimatum bis Dienstagmittag ist ebenfalls verstrichen. Nun hat die Gemeinde die Sache der Kantonspolizei übergeben und einen Straf- und Räumungsantrag gestellt. Die Polizei bestätigt dies. Ob und wann eine Räumung ansteht, lässt sie nicht durchblicken.

Langer Leerstand

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Das ehemalige Betagtenheim in Zollikofen steht seit über einem Jahr leer. Momentan ist das Haus noch in Besitz der Gemeinde. Doch sie will es der Gebäudeversicherung Bern verkaufen. Die Verträge existieren bereits. Dereinst soll ein Mehrgenerationenhaus entstehen. Anfang 2020 startet das Baubewilligungsverfahren - was auch bedeutet, dass ein Umbau frühestens in mehreren Monaten beginnen kann.

Die Besetzer ihrerseits wollen bleiben, wie sie im Gespräch sagen. Ihnen gehe es um eine Aktion gegen die Wohnungsnot. Auch wollen sie aus dem ehemaligen Betagtenheim ein offenes Haus machen, wo Wohnen und Kultur niederschwellig möglich sei.

Offene Ohren...

Bei vielen Menschen in Zollikofen stiessen ihre Pläne auf offene Ohren, sagt ein Mitglied der Besetzer: «Der grosse Zuspruch hat uns erstaunt». Zahlreiche Jugendliche aus Zollikofen seien von Beginn an da gewesen und hätten die Aktion begrüsst. Auch ihre Aktionen, mit offenen Türen, Kaffee und Kuchen auf die Bevölkerung zuzugehen, sei gut angekommen.

«Wir haben viel Zuspruch erfahren.»
Autor: Mitglied Besetzerkollektiv

Doch es gibt auch viele Gegner. Martin Köchli wohnt im Quartier und hat ein Komitee gegen die Besetzung gegründet. «Die illegale Besetzung ist kein akzeptables Vorgehen. Zudem verursachen die Leute mit ihren Vermummungen Ängste in der Bevölkerung.» Das Komitee habe viele besorgte Rückmeldungen erhalten.

... und Ablehnung

Tatsächlich treten die Besetzer gegenüber Medien wie auch gegenüber Behördenvertretern nur vermummt auf. Sie wollten sich so schützen vor rechtlicher und finanzieller Haftung. Das droht tatsächlich: Gemeindepräsident Daniel Bichsel will die Besetzer wenn möglich belangen für Schäden im Haus.

Zwischennutzung angepeilt

Vorerst geht es im Haus aber um andere Fragen: Strom und Wasser installieren, das Haus vorübergehend bewohnbar machen. «Wir wollen das Gebäude zwischennutzen. Sobald eine andere Nutzung da ist, gehen wir», sagt eine Frau im Kollektiv.

Doch eine Zwischennutzung schliesst Gemeinderat Daniel Bichsel aus. Es gehe um Haftungsfragen, wenn das Haus vermietet werde. Auch sei das Gebäude in einem zu schlechten Zustand. Man habe Pro und Kontra einer Zwischennutzung abgewogen und sich dagegen entschieden. Auch im Vertrag mit der Gebäudeversicherung ist eine Zwischennutzung ausgeschlossen.

(Schweiz aktuell 19 Uhr)

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Krebs Alfred  (A.Santiago)
    Ich bin auch nicht für Hausbesetzungen, frage mich aber auch, warum ein solches Gebäude so lange leerstehen muss. Warum macht man nicht eine Zwischennutzung und schon ist das Problem erledigt. Andere können dies, warum der Gemeinderat von Zollikofen nicht?
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  • Kommentar von Irene Dirren  (Rugi64)
    Komisches Rechtssystem! Weshalb können Menschen bei uns Häuser besetzen, fremdes Eigentum zerstören etc. und man diskutiert noch? Ich fühle mich vom Staat "verarscht" Das die Besetzer ihr Gesicht nicht zeigen, sagt schon genug! Darum bin ich für ein Vermummungsverbot.
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    1. Antwort von Allan Boss  (Europagspengstli)
      Ein Vermummungsverbot ist sehr illiberal und gehört nicht in eine Demokratie. Man kann Hausbesetzungen schon kritisieren, aber weshalb kritisiert man nicht die Menschen denen das Haus gehört und die kostengünstige Wohnflächen bewusst dem Wohnungsmarkt entziehen?
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Ich hatte mal ein paar Sekunden mit meinem PW vor einem Geschäft in dem ich was abholen musste einige Meter "besetzt". Mit sofortigen Folgen durch den gemeindeeigenen Polizeidienst an meinem Portemonnaie...
    Eine alte Geschichte: Wenn zwei das Selbe tun ist es eben nicht immer das Selbe...
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