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Legende: Audio Skelette Verwahrter werfen neues Licht auf ein düsteres Kapitel abspielen. Laufzeit 08:17 Minuten.
08:17 min, aus Regionaljournal Graubünden vom 13.05.2019.
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Ausgrabungen Anstaltsfriedhof Einblick in den Gesundheitszustand von Zwangsverwahrten

Wissenschaftler untersuchten die Knochen von zwangsweise verwahrten Menschen im bündnerischen Cazis.

Im Zuge des Neubaus der Bündner Justizvollzugsanstalt Cazis Tignez wurden 2016 über 100 Gräber des Friedhofs der ehemaligen «Kantonalen Korrektionsanstalt Cazis-Realta» ausgegraben. Auf dem Friedhof wurden im 19. und 20. Jahrhundert Personen beerdigt, welche in der Korrektionsanstalt zwangsweise verwahrt wurden und dort gestorben sind.

Für mich und meine Vorgesetzten war klar, dass wir hier eine tolle Chance haben.
Autor: Thomas ReitmaierBündner Kantonsarchäologe

Die Knochen wurden nach den Ausgrabungen untersucht. «Für mich und meine Vorgesetzten war klar, dass wir hier eine tolle Chance haben», sagt der Bündner Kantonsarchäologe Thomas Reitmaier. Die nun veröffentlichte Studie über pathologische Veränderungen am Skelettmaterial erlaubt es, mögliche körperliche Ursachen und Auswirkungen der administrativen Versorgung in Cazis differenzierter zu bewerten.

Infektionen, Behinderungen und viele Rippenbrüche

Unter anderem könnten angeborene Syphilis, das Stickler-Syndrom oder traumatisch bedingte Behinderungen der Grund dafür gewesen sein, dass die Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt und in die Anstalt eingewiesen wurden. Die markant erhöhte Häufigkeit von Tuberkulose sei mit dem sozioökonomischen Status und den Lebensbedingungen in der Einrichtung verbunden.

Aufgezeigt werden konnte ausserdem, wie die Anstaltseinweisungen zu einer weiteren Verschlechterung der Gesundheit führten. So wurde eine «extrem» hohe Zahl an Rippenbrüchen entdeckt. Dabei wird angenommen, dass die vielen schlecht verheilten Brüche auf Gewaltanwendung während der Verwahrung zurückzuführen sind.

1500 «Versorgte» in Graubünden

Die Untersuchungen in Cazis seien schweizweit die ersten dieser Art, teilen die Bündner Behörden weiter mit. Durch die Archäologie werden neue Aspekte der Zwangsfürsorge beleuchtet, welche bisher kaum berücksichtigt wurden, da es an historischer Überlieferung mangelte.

Schon im Mai 2017 wurde eine Studie über die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in Graubünden veröffentlicht. Diese zeigt auf, dass in der Korrektionsanstalt Realta rund 1500 Personen «versorgt» worden sind. 75 Prozent davon waren männlichen Geschlechts. Schweizweit wird von 50’000 bis 60’000 administrativ versorgter Personen ausgegangen.

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