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Das ausführliche Interview mit Josef Müller, Direktor der Psychiatrischen Dienste Graubünden
abspielen. Laufzeit 03:57 Minuten.
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Bündner Psychiatrie «Wir gehen nicht davon aus, dass es Medikamententests gab»

Letzte Woche publizierten Historiker unter der Leitung von Marietta Meier einen ausführlichen Bericht zu den Medikamententests in der Klinik Münsterlingen.

Während Jahrzehnten testete Oberarzt Roland Kuhn in Zusammenarbeit mit Pharmafirmen Medikamente an Patienten – häufig ohne deren Wissen. Betroffen waren über 2700 Patienten. Laut den Historikern starben 36 Personen während oder kurz nach Verabreichung der Prüfsubstanzen.

Gab es auch in Graubünden Medikamententests? Die Psychiatriegeschichte werde im Moment aufgearbeitet, sagt Josef Müller, Direktor der Psychiatrischen Dienste Graubünden.

SRF News: Was sagen Sie als Direktor der Psychiatrischen Dienste zum Ergebnis der Studie zu Münsterlingen?

Josef Müller: Die Studie will ich nicht im Detail kommentieren. Ich kann jedoch sagen, dass für uns die Patientengesundheit und die Würde des Menschen an oberster Stelle stehen. Deshalb ist für mich auch nachvollziehbar, dass sich der Thurgauer Regierungsrat bei den Betroffenen entschuldigt hat.

Die Historiker gehen davon aus, dass auch in anderen Kliniken Medikamente getestet wurden. Gab es auch in Graubünden Tests?

Wir gehen heute davon aus, dass in den Kliniken Waldhaus und Beverin keine Medikamente getestet wurden. Es gibt aber ein Gutachten, dass der Geschichtsprofessor Martin Lengwiler von der Universität Basel am Erstellen ist. Die Resultate sollen im Frühling oder Sommer 2020 publiziert werden.

Wie lautet der Auftrag für diese Studie?

Der Auftrag ist, die Psychiatriegeschichte Graubündens aufzuarbeiten. Die Fragestellung ist nicht so eingegrenzt wie im Fall Münsterlingen, aber allfällige Medikamententests wären sicher enthalten.

Haben sich Betroffene von Medikamententests bei Ihnen gemeldet?

Nein, wir hatten nie Anfragen bezüglich Medikamententests.

Die Psychiatrischen Dienste erwähnen den Münsterlinger Oberarzt Roland Kuhn auf Ihrer Webseite als Entdecker des ersten Anti-Depressivums. Es fehlt ein Hinweis auf das Leid, das er mit seinen Tests verursacht hat. Ändern Sie das auf Ihrer Internetseite?

Wir haben die entsprechende Internetseite im Zusammenhang mit dem Zehn-Jahre-Jubiläum der Psychiatrischen Dienste (Anm.: Im Jahr 2012) erstellt und dort Roland Kuhn wertfrei aufgeführt. Wir werden diesen Punkt überprüfen.

Das Gespräch führte Stefanie Hablützel.

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