Ein Abenteuer für Kost und Logis

Der US-Amerikaner Josh Dean spielt seit vergangenem Jahr für die Calanda Broncos. Der 24-jährige gehört zu den wenigen, die in Europa ihr Auskommen mit American Football verdienen.

Footballspieler der Broncos laufen ins Stadion ein. Cheerleader stehen Spalier. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Am Ostermontag beginnt für die Calanda Broncos die neue Saison. Keystone

Universitätssport spielt in den USA eine grosse Rolle. In den Stadien der grossen Universitäts-Mannschaften finden bis zu 100'000 Zuschauer Platz, Millionen verfolgen die Spiele im Fernsehen.

An der Williamette University im Bundesstaat Oregon kann man von solchen Verhältnissen nur träumen. Das Stadion der «Williamette Bearcats» bietet 2500 Zuschauern Platz, die Mannschaft spielt in der dritten Liga. Und dennoch: Sport hat an der Williamette Tradition, die Mannschaften sind professionell strukturiert.

Die grosse NFL ist weit weg

«Jeden Sommer versuchen zwischen 100 und 120 Jungs, einen der 50 Plätze im Team zu ergattern», erinnert sich Josh Dean. Der 24-jährige Amerikaner setzte sich durch. Jahr für Jahr. Und das auf der Schlüsselposition, der des Quarterbacks.

Für einen Spieler in einer tiefen Universitätsliga ist es beinahe unmöglich, einmal in der grossen NFL Profi zu werden. Ein Grossteil der Spieler sieht sich nach dem Abschluss deshalb nach einem «gewöhnlichen» Beruf um.

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Die Rolle des Quarterbacks

Frei übersetzen kann man «Quarterback» mit «Spielmacher». Er ist in der Regel der einzige Spieler auf dem Feld, der Pässe wirft und orchestriert somit jeden Angriff seiner Mannschaft. Vor dem Quarterback stehen mehrere Spieler, deren wichtigste Aufgabe es ist, den Quarterback zu beschützen. Ihm Zeit zu verschaffen, einen Pass zu werfen.

Nicht so Josh Dean. Über einen Kollegen kam er in Kontakt mit den Osnabrück Tigers, die ihm bald einen Vertrag anboten. Und so packte Dean seine Sachen und flog nach Europa. Ein einschneidendes Erlebnis, erinnert sich Dean. «Alles war neu und ungewohnt. Etwas vom ersten, das mir auffiel war, dass die Lebensmittelgeschäfte in Europa am Sonntag geschlossen sind. Ich dachte, ich müsse verhungern», blickt er lachend zurück.

«  «Ich wollte ein Abenteuer erleben, es geht nicht ums Geld» »

Josh Dean
Quarterback, Calanda Broncos

Nach dem Abstecher nach Deutschland kam vor rund einem Jahr das Angebot der Calanda Broncos. Der Rekordmeister aus Chur verpflichtete Dean vor der Saison 2015. Und prompt folgte der nächste Meistertitel.

Josh Dean gehört zu den ganz wenigen Spieler, die in Europa vom Football leben können. Reich wird er davon aber nicht: «Die Broncos sorgen gut für mich. Ich kann gratis wohnen und Essen und das Geld reicht auch, um ab und zu auswärts essen zu gehen.»

Er sei aber auch nicht nach Europa gekommen, um Geld zu verdienen: «Ich wollte ein Abenteuer erleben.» Und er fügt an: «Das Spiel ist dasselbe, auch wenn das Niveau etwas tiefer ist. Ich liebe es einfach, Football zu spielen.»